Universität Heidelberg | Theologische Fakultät Trier
Ortsangaben der Bibel (odb)
orte Ortsnamen Literatur Karte      

zurück zur Übersicht

 

Hazerot

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Hazeroth

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

חצרת ḥaṣerot. Ασηρωθ. „Gehöfte, Einfriedungen”

Belege AT

Num 11,35; Num 12,16; Num 33,17-18; Dtn 1,1

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

ḥṣrwt (Targum Onkelos zu Num 11,35; Num 12,16; Num 33,17-18; Dtn 1,1: Sperber, Alexander 1959a, 241f.282.289; Targum Neofiti zu Num 12,16; Num 33,17-18: Díez Macho, Alejandro 1974a, 118f.306f; Targum Neofiti zu Dtn 1,1: Díez Macho, Alejandro 1978a, 2f)
ḥṣjrwt (Targum Neofiti zu Num 11,35: Díez Macho, Alejandro 1974a, 110f)

Beschreibung

Hazerot ist die zweite Station nach dem Aufbruch der Israeliten vom Sinai (Sinai, Berg) / Gottesberg (Num 11,35; Num 33,15-18). Dem Erzählzusammenhang nach ist Hazezrot der Platz, an dem Mirjam und Aaron gegen Mose aufbegehren (Num 12). Unklar bleibt die gedachte Relation zur Wüste Paran. Nach Num 10,12 lässt sich die Wolke schon in der Wüste Paran nieder, bevor Hazerot erreicht wird. Num 12,16 erzählen den Aufbruch der Israeliten von Hazerot zur Wüste Paran, die anschließend als Ausgangspunkt der Kundschafter genannt ist (Num 13,3). Da das Toponym Paran eine größere Region auf der Sinaihalbinsel zu bezeichnen scheint, sind aus den genannten Angaben keine Rückschlüsse auf die gedachte Lage von Hazerot zu ziehen. Wegen der relativen Nähe zum traditionellen Berg Sinai (Sinai, Berg) / Gottesberg der nachalttestamentlichen Zeit, dem Ǧebel Mūsā („Moseberg“; 048.772) und wegen der Namensähnlichkeit wird für die Lokalisierung von Hazerot meist ein Siedlungsplatz bei der Quelloase ‘Ain Ḫuḍra auf der Ostseite der Sianihalbinsel, ca. 20 km vom Ufer des Golfs von ‘Aqaba entfernt, vorgeschlagen (Abel, Félix-Marie 1938a, 214; Simons, Jan 1959a, 255f;  Schmitt, Götz 2001a). Der Oberflächenbefund zeigt neben chalkolithischen Flints Reste aus hellenistischer, nabatäischer und byzantinischer Zeit (Rothenberg, Beno 1970a, 28 Nr. 397). Daher fällt es schwer, den Platz bei der ‘Ain Ḫuḍra mit einem Ort der alttestamentlichen Zeit zu korrelieren. Hazerot ist in Num 33 drei Stationen vor Libna (Libna, Sinai; Num 33,20-21) genannt. Dieses Libna ist möglicherweise identisch mit dem Dtn 1,1 vor Hazerot genannten Laban, das gern auf Tell Abū Salima  / eš-Šēḫ Zuwēd (0646.0708) an der Mittelmeerküste der Sinaihalbinsel südwestlich von Gaza bzw. ca. 15 km südwestlich von Rafaḥ (0779.0787) lokalisiert wird. Daher könnte Hazerot auch in dieser Region vermutet werden, sofern der Dtn 1,1 genannte Ort mit demjenigen des Numeribuchs identisch gedacht ist. Zumindest LXX unterscheidet die beiden im masoretischen Text namensgleichen Ortsangaben. An den Belegen im Numeribuch transkribiert sie den hebräischen Ausdruck ḥaṣerot und schreibt Ασηρωθ, in Dtn 1,1 übersetzt sie ḥaṣerot wörtlich mit αὐλων, dem Genitiv Plural von ἡ  αὐλή „Gehöft“ (entsprechend hebräisch ḥaṣer; vgl. Perlitt, Lothar 1990a, 2). LXX interpretiert demnach den Terminus im Numeribuch als Ortsnamen, in Dtn 1,1 als einfaches Nomen. In der Fachliteratur wird diese Differenzierung in Hinsicht auf die topographische Bestimmung von Hazerot jedoch meist nicht berücksichtigt. Auch der Bezug des Ortsnamens auf die hebräisch ḥaṣerîm („Gehöfte“) genannten offenen Siedlungen im Bereich von größeren Orten, die vielfach in den siedlungsgeographischen Listen zu Regionen im Südwesten Palästinas aufgelistet sind (Jos 15; Jos 19; vgl. Levin, Yigal 2010a), bleibt ungeklärt. Daher ist festzustellen, dass die philologischen und literarischen Zusammenhänge zwischen Hazerot, Libna (Libna, Sinai) und Laban komplex und schwer zu entschlüsseln sind. Insofern erscheint die Gleichsetzung von Hazerot mit dem Siedlungsplatz bei der ‘Ain Ḫuḍra keinesfalls gesichert, zumal auch der archäologische Befund spärlich und hinsichtlich der alttestamentlichen Zeit nicht aussagekräftig ist. Unter der inzwischen kaum mehr vertretenen Voraussetzung, dass Num 33 ein Stationenverzeichnis verarbeitet, das vom palästinischen Kulturland zu dem vermeintlich auf der arabischen Halbinsel gelegenen Berg Sinai (Sinai, Berg) führt (Noth, Martin 1940a = Noth, Martin 1971a, 55‒74; Koenig, Jean 1963a; Koenig, Jean 1964a), wurde zumindest das im Numeribuch erwähnte Hazerot auch im Nordwesten Arabiens gesucht. Aufgrund einer entfernten Namensähnlichkeit schlug man eine Gleichsetzung mit der Wasserstelle ‘Ain al-Ḫaẓar im nördlichen Ḥiǧāz vor (Koenig, Jean 1964a, 202). Da die Frage nach einem „historischen“ Berg Sinai der alttestamentlichen Zeit obsolet erscheint und die in der alttestamentlichen Mosegeschichte vorausgesetzte Lage des Bergs eher auf die heutige Sinaihalbinsel (Sinai, Landschaft) weist, sollte die These eines arabischen Hazerot nicht weiterverfolgt werden.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:07:13

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 663 (Elliger, Karl, Art. Hazeroth)
  • NBL 2 (1995), 60 (Görg, Manfred, Art. Hazerot)
  • ABD 3 (1992), 86f (Thompson, Henry O., Art. Hazeroth)
  • EBR 11 (2015), 439 (Bibb, Bryan, Art. Hazeroth)

 

Literatur

Robinson, Edward / Smith, Eli 1841a , 248f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 214 ;  Simons, Jan 1959a , 255f § 431 ;  Koenig, Jean 1964a , 202 ;  Rothenberg, Beno 1970a , 28 ;  Davies, Graham I. 1979a , 85.88 ;  Perlitt, Lothar 1990a , 2 ;  Weinfeld, Moshe 1991a , 127 ;  Schmitt, Götz 2001aOblath, Michael D. 2004a , 131 ;  Otto, Eckart 2012a , 313-315 ;