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Marala

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Maralah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מרעלה marʿalāh. Μαραλα (LXX-A), Μαριλα, Μαραγελδα (LXX-B); Marala, Medala, Merala

Belege AT

Jos 19,11

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Μαραλά (Eusebius, Onomastikon 130,17: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 124, Nr. 688; Timm, Stefan 2017a, 168 Zeile 8, Nr. 691)

Beschreibung

Etymologie:
Führt man den Ortsnamen auf das arabische Lexem raʿl zurück, deutet der Namen auf einen Bergvorsprung (Borée, Wilhelm 1968a, 73; so auch Gesenius18, 743; „Ort am Bergvorsprung“, Noth, Martin 1953a, 148; so auch HAL 1, 602]), was aber nicht als gesichert angenommen werden kann. MT bietet die Wurzel ʿlh Qal und verweist auf einen Aufstieg der Grenze zum Meer hin (Van Dyke Parunak, Henry 1977a, 47-54, vgl. auch zur Lokalisierung). Ggf. steht in diesem Zusammenhang der Eintrag ascendus in der lateinischen Übersetzung Eusebius (gegenüber Φυλῆς im Griechischen).
Biblischer Befund:
Der ausschließlich in Jos 19,11 genannte Ortsname Marala findet sich eingebunden in die Beschreibung der Südgrenze Sebulons, deren Beschreibung bei Sarid (Tell Šādûd, 1723.2296) (Jos 19,10; Jos 19,12) ansetzt. Der Beschreibung nach verlief diese westwärts „zum Meer“ und „(nach) Marala“. Jos 19,11a ergänzt den weiteren Verlauf, wonach sie an Dabbeschet grenzt. Die Syntax des Versabschnitts weʿālāh gebûlām lajjāmāh ûmarʿalāh ûpāgaʿ bedabbāšæt „und die Grenze geht hinauf nach Westen und (nach) Marala und stößt an Dabbeschet“ (Jos 19,11a) ist unklar, was zu verschiedenen Verständnisweisen führt. Wegen der singulären Form lajjāmāh divergierend zu einer alleine mit he-locale ohne lamed gebildeten Form jāmmāh Ex 36,27; Ex 36,32; Num 2,18; Num 34,5; Dtn 3,27; Jos 5,1; Jos 12,7; Jos 15,4 u.ö. fragt Noth die Annahme der Beschreibung der Grenze „westwärts“ an und vermutet mit Verweis auf wenige LXX-Handschriften und die Vetus Latina einen verderbten Ortsnamen (Noth, Martin 1953a, 110). Es lassen sich jedoch zum einen keine Hinweise finden, hinter lajjāmāh einen Ortsnamen o.ä., ggf. mit he-locale gebildet, zu vernuten. Zum anderen würde die Annahme eines he-locale an einem Lexem lajjām auch die Annahme eines he-locale an einem Lexem marʿal (Noth, Martin 1953a, 110; auch ABD, 523) implizieren. Demnach würde es sich bei lajjāmāh ûmarʿalāh um Richtungsangaben für den Grenzverlauf anstelle von konkreten Grenzorten handeln. Die Annahme eines he-locale an einem Lexem marʿal findet sich jedoch weder in der LXX noch bei Eusebius belegt, sodass sich eine entsprechende Annahme nicht nahelegt. Der A-Text der LXX liest Μαραλα (der B-Text bezeugt Μαραγελλα) und übersetzt ὅρια αὐτῶν ἡ θάλασσα καὶ Μαραλα καὶ συνάψει ἐπὶ Δαβασθαι. Demnach handelt es sich bei Marala um einen Ort auf der Südgrenze Sebulons (so auch Kallai, Zecharia 1986a, 181). Eusebius bezeugt Mαραλά, ergänzt jedoch nicht eine Zugehörigkeit zu Sebulon, sondern zu Manasse (Φυλῆς Μανασσῆ), was Klostermann zur Konjektur ἀνάβασις Ζαβουλών veranlasste vgl. auch Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 124, Nr. 688), die von Timm nach Hieronymus, der gemäß Ms Vat. gr. 1456 ascensus Manasse bezeugt, zurückgewiesen wurde (Timm, Stefan 2017a, 168). Die Beschreibung des Stammes Manasse nach Jos 13,29-31 und Jos 17,1-18 führt keinen Ort Marala. Der Vorschlag, das waw-coniunctum vor Marala als Referenz für eine Ortsauflistung statt einer Grenzbeschreibung (Simons, Jan 1959a, 179 § 329 Anm. 159) zu verstehen, überzeugt ebenfalls nicht.
Lokalisierung:
„The data available are not sufficient to identify either Maralah or Dabbasheth“ (Kallai, Zecharia 1986a, 181), ähnlich auch Fritz, Volkmar 1994a: „Die [in V. 11 – J.B.] genannten Orte sind der Lage nach unbekannt“ (190). Geht man von der Annahme der Beschreibung der Südgrenze der Provinz östlich von Sarid (Tell Šādûd, 1723.2296) aus (s.o. zur Beschreibung), verweist das Verb ʿlh Qal auf einen Aufstieg (s.o. zur Etymologie). Während südwestlich von Tell Šādûd das Tal abfällt, steigt der Hang in westnordwestlicher Richtung jedoch leicht an. Legt man die Bedeutung der Verbwurzel zu Grunde, verläuft die Südgrenze Sebulons demnach nicht ins Tal, sondern über das Gebirge. Folgt man der Beschreibung westwärts über das Gebirge stößt man zunächst auf Tell el-Bēḍa (= H. Seifan [1687.2315]), der von Z. Kallai zur Identifikation vorgeschlagen wird (Kallai, Zecharia 1986a, 181, Anm. 168) und u.a. mittel- und spätbronzezeitlich sowie eisenzeitlich besiedelt war. In die Perserzeit weist ein Quadergebäude; ansonsten scheint Tell el-Bēḍa erst wieder zu byzantinischer Zeit besiedelt. Weiter westlich befindet sich Tell Ġalṭa (=Tel Reʿala, „mound of the mistake“; vgl. Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1881b, 116), der u.a. von F.-M. Abel als Marala identifiziert wurde. Abel vermutet eine Identifikation im Hinblick auf die Übersetzung in LXX-Bs (Μαραγελδα, s.o.) wie lateinischer und koptischer Derivate („transcriptions qui supposent un ʿaїn ayant la valeur d’un ghaїn et recommandent le Tell Ġalta dans le plaine du Cison au sud de Ǧeida.“ (Abel, Félix-Marie 1938a, 379, ferner ebd. 63.301). Dafür plädiert auch D.A. Dorsey (Dorsey, David A. 1973a, 135). Tell Ġalṭa weist eine Besiedlung nicht nur während der gesamten Bronze-, sondern auch der gesamten Eisenzeit sowie der persischen und der hellenistischen Zeit und darüber hinaus auf http://www.antiquities.org.il/survey/new/default_en.aspx, Map 28, Site 49). Y. Aharoni identifiziert Marala mit Tell Ṯōra (= Tel Šor, „mound of the bull“; vgl. Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1881b, 155; vgl. Aharoni, Yohanan 1984a, 271), entsprechend M. Ziese („It is possible that Tell Thorah represents biblical Maralah. Tell Thorah rests in the Kishon drainage basin, eight miles west of the center of Nazareth“; Ziese,Mark 2008a, 327). Auch Tell Ṯōra scheint durchgängig von der Spätbronzezeit bis über die römische Zeit und über diese hinaus besiedelt, liegt aber deutlich südlicher und lässt sich nicht mit der Annahme eines Aufstiegs bzw. einer Grenze entlang des Gebirges vereinbaren. Nördlicher als Tell Ṯōra, doch ebenfalls im Tal gelegen, befinden sich auch Site 50 und Tell eš-Šemmām http://www.antiquities.org.il/survey/new/default_en.aspx, Map 28, Sites 50 und 38). Auch Site 50 und Tell eš-Šemmām waren beide u.a. während Bronze- und Eisenzeit sowie der persischen und der hellenistischen Zeit besiedelt (zur Identifikation vgl. auch Art. Dabbeschet). Aufgrund semantischer wie historisch-topographischer Gegebenheiten ist auch vor dem Hintergrund der linguistischen Argumentation F.-M. Abels eine Lokalisierung Maralas mit Tell Ġalṭa zu favorisieren.

 

Autor: Johannes Bremer, 2019; letzte Änderung:

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 4 (1992), 523 (Greenberg, Raphael, Art. Mareal [Place])

 

Literatur

Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1881a 267-357 ;  Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1881b , 116.154 ;  Klostermann, Erich 1904aAbel, Félix-Marie 1938a , 379 ;  Noth, Martin 1953a , 110 ;  Simons, Jan 1959a , 179-293 (§ 329) ;  Hess, Richard S. 1996a , 296-297 ;  Borée, Wilhelm 1968a , 73 ;  Dorsey, David A. 1973a , 135 ;  Van Dyke Parunak, Henry 1977a , 47-54 ;  Raban, Avner 1982aAharoni, Yohanan 1984a , 271 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 179-192 ;  Fritz, Volkmar 1994a , 188-192 ;  Svensson, Jan 1994a , 73-74 ;  Hess, Richard S. 1994aHess, Richard S. 1996bGrootkerk, Salomon E. 2000a , 272 (15; 32) ;  Knauf, Ernst Axel 2008a , 163-164 ;  Ziese, Mark 2008a , 327 ;  Timm, Stefan 2017a , 168 (Nr. 691) ;