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Hoba

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Hobah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

חובה ḥôbāh. Χωβα

Belege AT

Gen 14,15

Belege aus altorientalischen Dokumenten

jp(m) (ägyptisch: Hannig, Rainer 2006a, 1110)
*apu/*upu (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 28)
upi (hetitisch: Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 457)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Χωβα (Jdt 4,4; Jdt 15,5)
ḥlbwn (1QGenAp 22,10: Beyer, Klaus 1984a, 183; García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 44; Ziemer, Benjamin 2005a, 53; Machiela, Daniel A. 2009a, 82)
Ὠβα (Josephus, antiquitates 1,178)
Χωβα (Eusebius, Ononmastikon 172,1−3: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 160, Nr. 943)

Beschreibung

Hoba ist der nördlichste Punkt, bis zu dem Abraham die vier mesopotamischen Großkönige verfolgt, die in das Jordantal vorgedrungen sind und auf ihrem Rückzug Abrahams Neffen Lot gefangen mit sich führen. Nach Gen 14,15 soll Hoba nördlich von Damaskus liegen, wobei unklar bleibt, ob es sich um einen Ort oder um eine Landschaft handelt. Keilschriftliche und ägyptische Dokumente des 2. Jt. v.Chr. bezeichnen die zu Damaskus gehörende Landschaft als apu/upu (mitunter auch upe transkribiert). Diese erstreckte sich ausweislich der Zeugnisse in verschiedenen Amarnabriefen (Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 28) nördlich von Damaskus in einer Ausdehnung von ca. 100 km zumindest bis Lebo-Hamat (Lebwe 277.404, 34º10'N.36º20'E), möglicherweise bis in die Gegend von Kadesch am Orontes (Tell Nebī Mend 34º33'N.36º31'E: Bunnens, Guy u.a. 1990a). Im 1. Jt. v.Chr. wird die zu Damaskus gehörende Region in keilschriftlichen Texten als ša-imērīšu „Eselland“ bezeichnet. Daher ist der Gebrauch von Hoba in Gen 14,15 archaisierend und entsprechend unpräzis. Die Nacherzählungen des biblischen Texts aus hellenistisch-römischer Zeit verstehen Hoba als Ortsname. Das Juditbuch erwähnt im Zusammenhang mit den Kriegen gegen die „Assyrer“ mehrfach einen Ort Χωβα. Dieser ist im nördlichen Palästina, möglicherweise in Galiläa gedacht (Jdt 4,4). Mehrfach spielen die Belegstellen zu Χωβα im Juditbuch jedoch auf die topographische Inszenierung von Gen 14 an, etwa wenn das „Tal Salem“ genannt ist (Jdt 4,4) oder wenn die Verfolgung der Gegner bis über Damaskus hinaus reicht (Jdt 15,5). Daher ist zu vermuten, dass das Juditbuch mit Χωβα das gleichnamige Toponym von Gen 14,15 meint, dieses jedoch in eine Gegend südlich von Damaskus verlegt. LXX folgt dieser Lokalisierung von Hoba insoweit als die Landschaft Kabul an der Grenze des Stammesgebiets von Ascher ebenso wie Hoba in Gen 14,15 mit Χωβα übersetzt wird (Jos 19,27). Kabul wird meist in der Bucht von Akko gesucht (vgl. Lehmann, Gunnar 2008a). 1QGenAp gibt das biblische Toponym Hoba mit Helbon wieder, wohl deshalb weil Ez 27,18 diesen Ort im Zusammenhang mit Handelsaktivitäten der Stadt Damaskus nennt. Helbon wird meist mit Ḥelbūn (266.341, 33º38'N.36º15'E) ca. 20 km nördlich von Damaskus gleichgesetzt (Bieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991a; ABD 3 [1992], 117). Während also das Juditbuch den Namen von Gen 14,15 beibehält, den Ort jedoch weit südlich von Damaskus lokalisiert, bleibt 1QGenAp bei der im alttestamentlichen Text angegebenen relativen Lage, ersetzt allerdings das im späten 1. Jt. v.Chr. unbekannte Toponym Hoba durch einen Ortsnamen, der nach biblischem Befund den Angaben des Genesistexts entspricht. Eusebius hält Χωβα ebenfalls für eine Stadt, deren Lage er jedoch nicht mehr zu kennen scheint. Seine Bemerkung, es handle sich um eine Stadt der Ebioniten, weist lediglich allgemein ins Ostjordanland.

[Detlef Jericke 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:07:49

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 3 (1992), 235 (Thompson, Henry O., Art. Hobah)
  • EBR 12 (2016), 8-9 (Olson, Dennis T., Art. Hobah)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 299 ;  Simons, Jan 1959a , 215 § 362−363 ;  Schatz, Werner 1972a , 185f ;  Pitard, Wayne Thomas 1987a , 27−80 ;  Weippert, Helga 1988a , Register („Upe“) ;  Bunnens, Guy u.a. 1990aSchmitt, Götz 1995a , 124 ;  Granerød, Gard 2010a , 123f ;  Jericke, Detlef 2013a , 136f ;