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Inselvölker

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Inseln

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

איי הגוים ’jjê haggôjîm. νήσοι τών ’εθνών

Belege AT

Gen 10,5; Gen 10,32(LXX); Zef 2,11

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

νήσοι τών ’εθνών (1Makk 11,38)
nsj ’wmj’/gnwsj ngwwt ‘mmj’ (Targume: Díez Macho, Alejandro 1988a, 62f)

Beschreibung

Gen 10,5 redet von „Inseln der Völker“, die sich „von ihnen“ abzweigen. Damit sind nicht alle „Kinder Jafets“, sondern lediglich die „Kinder Jawans“ (Gen 10,4) gemeint (Westermann, Claus 1974a, 679; anders Cassuto, Umberto 1964a, 196; Horowitz, Wayne 1990a). Diese umfassen die östliche Mittelmeerwelt (Elischa, Kittäer, Dodaniter/Rodaniter, vgl. 1Chr 1,7), möglicherweise auch Teile der Länder im westlichen Mittelmeer (Tarschisch). Die „Inseln der Völker“ dürften daher Inseln im Mittelmeer bezeichnen, v.a. die Ägäis und die Inseln vor der Südwestküste Kleinasiens. Ob damit auch küstennahe Gegenden auf dem Festland gemeint sind wie aus dem Gebrauch des Worts ’jjîm in der rabbinischen Literatur erschlossen wird (Cassuto, Umberto 1964a, 196; Westermann, Claus 1974a, 679), erscheint fraglich. Verschiedentlich ist im Alten Testament entweder von „Inseln des Meers“ (Jes 11,11; Jes 24,15; Ez 26,18; Est 10,1; vgl. 1Makk 6,29; 1Makk 14,5; 1Makk 15,1), von „vielen Inseln“ (Ez 27,3; Ez 27,15; Ps 97,1), von „fernen Inseln“ (Jes 66,19; Jer 31,10) oder auch nur von „Inseln“ die Rede (Jes 41,1; Jes 41,5; Jes 42,4; Jes 42,10; Jes 42,12; Jes 49,1; Jes 51,5; Jes 59,18; Ez 26,15; Ps 72,10; Dan 11,8). Die genannten Wendungen meinen weitgehend dasselbe. Die Identität der „Inseln der Völker“ und der „Inseln des Meers“ geht aus den Belegen in 1Makk hervor, und Ez 26,18 setzt die „Inseln, die im Meer sind“ mit den „Inseln“ parallel. Mit den „Inseln der Kittäer“ (Jer 2,10; Ez 27,6) dürfte zumindest ein Teil der genannten Inseln angesprochen sein, da die Kittäer zu den Nachfahren Jawans gehören, von denen die „Inseln der Völker“ ausgehen (Gen 10,4–5). Mit den Kittäern sind ursprünglich wohl die Bewohner der Stadt Kition auf Zypern (Josephus, antiquitates 1,128), dann aber auch die Bewohner der griechischen Inselwelt insgesamt (Num 24,24; Jes 23,1; Jes 23,12). In den östlichen Mittelmeerraum weisen die Beschreibungen von Tyrus und Jafo als Häfen, von denen aus man zu den „Inseln“ gelangt (Ez 27,3; 1Makk 14,5). Herodot (1,171) und das Jubiläenbuch (9,9f.13: Vanderkam, James C. 1989a, 57) verwenden ebenfalls den Ausdruck „Inseln“, wenn sie von den im Mittelmeer zwischen Griechenland und Kleinasien gelegenen Inseln reden. Eine Ausweitung der Vorstellung von den „Inseln der Völker“ liegt eventuell Gen 10,32(LXX) und Zef 2,11 vor. LXX übersetzt in Gen 10,32 den Ausdruck haggôjîm „Völker“ mit der Wendung νήσοι τών ’εθνών, die in Gen 10,5 für die „Inseln der Völker“ ’jjê haggôjîm steht. Dabei könnte es sich lediglich um eine terminologische Unschärfe handeln. Da jedoch haggôjîm in Gen 10,32 die verzweigte Nachkommenschaft der Noachsöhne bezeichnet, also die gesamte bekannte Welt, wie sie in der Völkertafel Gen 10 beschrieben ist, könnte LXX mit der Wendung „Inseln der Völker“ in Gen 10,32 die gesamte zeitgenössisch bekannte Welt umschreiben wollen. Für diese Annahme spricht Zef 2,11, wo durch die Rede von „allen Gottheiten der Erde“ (V.11a) ein weiter Horizont für die Verehrung Jhwhs durch die „Inseln der Völker“ (V.11b) aufgemacht ist.

[Detlef Jericke, 2015]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:07:38

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • WiBiLex 2012 (Rösel, Christoph, Art. Insel)

 

Literatur

Delitzsch, Franz 1887a , 208 ;  Cassuto, Umberto 1964a , 196 ;  Westermann, Claus 1974a , 679 ;  Horowitz, Wayne 1990aMaier, Johann 1991a , 177 ;  Perlitt, Lothar 2004a , 128 ;  Maier, Johann 2004a , 159 ;  Gmirkin, Russell E. 2006a , 152 ;  Jericke, Detlef 2013a , 41f ;