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Ortsangaben der Bibel (odb)
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On

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Heliopolis; Helioupolis; Aven

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

אן ’on. Ἡλιου πολις

Belege AT

Gen 41,45; Gen 41,50; Gen 46,20; Ez 30,17

Belege aus altorientalischen Dokumenten

jwnw (ägyptisch: LÄ 2, 1111−1113; Hannig, Rainer 2006a, 1109)
unu (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 368)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἡλιου πολις (Herodot 2,3.7−9.59.63; Strabon 17,1.29; Josephus, bellum 1,33; 7,426; Josephus, antiquitates 2,91.188)

Beschreibung

Das Alte Testament kennt On als den Ort, an dem Josefs Schwiegervater als Priester fungiert (Gen 41; Gen 46). In Ez 30,37 liegt ein Wortspiel vor. Konsonantenbestand, Textzusammenhang und LXX-Lesart sprechen dafür, in dem Ausdruck ’awæn den Ortsnamen On zu erkennen. Die Vokalisierung (’awæn „Sünde“) will eine Rechtfertigung für die in dem Vers angekündigte Vernichtung der „jungen Männer von On“ liefern. Die alttestamentliche Namensform ’on entspricht ägyptisch jwnw bzw. keilschriftlich unu. Seit der persischen Zeit wird der Ort Helioupolis „Sonnenstadt“ genannt, was der literarisch bezeugten Verehrung der solar konnotierten Götter Re (Mittag) und Atum (Abend) Rechnung trägt. On/Helioupolis wird bei el-Maṭarīye ca. 10 km nördlich von Kairo lokalisiert. Literarische und archäologische Dokumente zeigen, dass der Platz seit dem Alten Reich (3. Jt. v.Chr.) bis in hellenistische Zeit besiedelt war. Insbesondere zur Zeit der Ramessiden (13./12. Jh. v.Chr.) und der Saïten (7./6. Jh. v.Chr.) scheint der Ort überregionale Bedeutung erlangt zu haben. Die Blütezeit im 7./6. Jh. v.Chr. dürfte die alttestamentlichen Belege in der Josefgeschichte und im Ezechielbuch beeinflusst haben. Umstritten ist, ob auch in Jer 43,13 (LXX Jer 50,13) eine Erwähnung des Ortes vorliegt. Der Text spricht von den „Säulen des Sonnenhauses in Ägypten“ (maṣṣebôt bêt šæmæš ’ašær be’æræṣ miṣrājim), die zerbrochen werden sollen. LXX übersetzt den Ausdruck „Sonnenhaus“ bêt šæmæš wörtlich mit ἡλίου πολίς. Da bêt šæmæš als Ortsname (Bet-Schemesch) aus Palästina bekannt ist, gehen die meisten Ausleger davon aus, dass die Wendung auch in Jer 43,13 einen Ort bezeichnet. Das ägyptische Bet-Schemesch wird mit On/Helioupolis gleichgesetzt (Rudolph, Wilhelm 1958a, 238f; ABD 3, 122f). Für eine solche Identifikation könnten Obeliskenfunde bei el-Maṭarīye und das literarisch für Helioupolis bezeugte „Obeliskenhaus“ sprechen, wenn die „Säulen“ von Jer 43,13 Obelisken meinen. Zudem sollte vorausgesetzt werden, dass der Vers erst in einer Zeit formuliert wurde als der Name Helioupolis bereits geläufig war. Nur so ließe sich die Namensform bêt šæmæš als Rückübersetzung aus dem Griechischen erklären. Der Textzusammenhang in Jer 43,8-13 spricht jedoch dafür, den Ausdruck bêt šæmæš als die Bezeichnung eines einer Sonnengottheit geweihten Tempels zu verstehen. Da der Textabschnitt einleitend lediglich den Ort Tachpanhes erwähnt (Jer 43,8f) und ansonsten allgemein von der Zerstörung der „Gotteshäuser“ bātê ’ælohê in Ägypten spricht (Jer 43,12), muss nicht ein Sonnenheiligtum an einem bestimmten Ort gemeint sein.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:00:14

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RGG3 4 (1960), 1630–1631 (Brunner, Hellmut, Art. On)
  • BHH 2 (1964), 1342–1343 (Morenz, Siegfried, Art. On)
  • 2 (1977), 1111−1113 (Kákosy, Lászlo, Art. Heliopolis)
  • NBL 2 (1995), 112–113 (Görg, Manfred, Art. Heliopolis)
  • ABD 1 (1992), 529–530 (Pressler, Carolyn J., Art. Aven); 3 (1992), 122–123 (Redford, Donald B., Art. Heliopolis)
  • EBR 3 (2011), 144 (Couey, Jackson Blake, Art. Aven, 1. On [Heliopolis]); 3 (2011), 1023-1024 (Lee, Won, Art. Beth-Shemesh, 4. Heliopolis); 11 (2015), 751-752 (Wilke, Alexa F., Art. Heliopolis)

 

Literatur

Rudolph, Wilhelm 1958a , 238f ;  Simons, Jan 1959a , 438f § 1276 ;  Zimmerli, Walther 1979a , 737f ;  Waldmann, Helmut 1983aWaldmann, Helmut 1985aSeibert, Jakob 1985aSchweizer, Günther / Mittmann, Siegfried 2001aSchmitt, Götz 2001aJericke, Detlef 2013a , 237f ;