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Ararat

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Urartu; Biainele; Armenien; Armenia

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

אררט arārāṭ. Αραρατ, Αρμενια

Belege AT

Gen 8,4; 2Kön 19,37; Jes 37,38; Jer 51,27

Belege aus altorientalischen Dokumenten

urarṭu (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 370−373)
urāštu (neubabylonisch: Gropp, Gerd 1985a; Horowitz, Wayne 1988a)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Αραρατ (Tob 1,21)
hwrrṭ (1QGenAp 12,8: García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 34; Beyer, Klaus 2004a, 93; Machiela, Daniel A. 2009a, 55)
hwrrṭ (1QJesa 37,38: Parry, Donald W. / Qimron, Elisha 1999a, XXXI, 19)
Αρμενια (Josephus, antiquitates 1,90. 93.95.145; 10,23)
Αρμενια (Eustathios von Antiochia: MignePG 128, 753)
Αρμενια (Eusebius, Onomastikon 2,23: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 4−6, Nr. 1)
Αρμενια (Theodoret von Kyrrhos: MignePG 81, 752)
Ararat/Armenia (Hieronymus, In Isaiam 37,38: MignePL 24, 389)
Armenia (Theodosius 16: Geyer, Paulus 1898a, 144; Donner, Herbert 2002a, 203)
qrdw/qrdwn (Targume: Sperber, Alexander 1959a, 11; Aberbach, Moses / Grossfeld, Bernard 1982a, 61; Díez Macho, Alejandro 1968a, 43; Díez Macho, Alejandro 1988a, 52f)

Beschreibung

Im Alten Testament meint Ararat eine Landschaft bzw. ein Herrschaftsgebiet. Die Arche landet auf den „Bergen von Ararat“ ‘al hārê arārāṭ (Gen 8,4), Sanheribs Söhne flüchten in das „Land Ararat“ ’æræṣ arārāṭ (2Kön 19,37; Jes 37,38) und das Königtum (mmlkh) Ararat soll zum Untergang Babylons beitragen (Jer 51,27). Der Plural „Berge“ in Gen 8,4 bringt zum Ausdruck, dass der genaue Landeplatz unbekannt ist, wohl um die kultische Verehrung eines bestimmten Berges auszuschließen. Der Name Ararat stimmt sprachlich und sachlich mit dem in keilschriftlichen Dokumenten seit dem 13. Jh. v.Chr. belegten Landschaftsnamen urarṭu überein, der urartäisch als Biainele wiedergeben ist. Die Landschaft urarṭu lag im östlichen Kleinasien südlich des Kaukasus zwischen dem Araxestal (türkisch Aras) im Norden und dem Oberlauf des Tigris im Süden, also in nördlicher Nachbarschaft zu Assyrien. Urarṭu umfasste nach heutiger politischer Geographie (2015) Teile der östlichen Türkei, des Staates Armenien und des nördlichen Iran. Das Zentrum des sich ab dem 9. Jh. v.Chr. etablierenden Königtums urarṭu lag um den Vansee. An seinem östlichem Ufer bei der heutigen Stadt Van (38º30'30"N.43º22'30"E) befand sich die Residenzstadt tušpā bzw. turušpā (neuassyrisch). Von hier aus expandierte urarṭu im ausgehenden 9. und in der ersten Hälfte des 8. Jh. v.Chr. nach Norden und Süden. Die urartäischen Herrscher kontrollierten Teile der aramäischen Kleinkönigtümer in Nordsyrien, wichtige Handelsverbindungen und den Zugang zum Mittelmeer. Das Vordringen urarṭus stand damit in Konkurrenz zu den Interessen des neuassyrischen Imperiums. Die Bedeutung urarṭus zeigt sich auch daran, dass die sog. Babylonische Weltkarte das Königtum unter dem Namen urāštu neben Assur und Babylon verzeichnet (Horowitz, Wayne 1988a). Erst in der zweiten Hälfte des 8. Jh. v.Chr. konnten die assyrischen Herrscher Tiglat-Pileser III. und Sargon II. wieder Teile von urarṭu kontrollieren. Das urartäische Königtum bestand aber noch bis in das 6. Jh. v.Chr. (vgl. Jer 51,27). Um 590 v.Chr. wurde es von medischen Truppen, vielleicht mit Hilfe skythischer Verbände, erobert und ab dem ausgehenden 6. Jh. v.Chr. in das Verwaltungssystem des persischen Imperiums eingegliedert (vgl. Herodot 1,72; 3,93; 5,52). In dieser Zeit sind auch erstmals die Bezeichnungen Armenien und Armenier bzw. der altpersische Ausdruck Armini bezeugt. Die Landschaft Armenien ist in ihrer Ausdehnung weitgehend mit dem Kerngebiet urarṭus identisch. Bis in frühkirchliche Zeit wurde daher Ararat mit Armenien gleichgesetzt (Eusebius, Onomastikon 2,23: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 4−6, Nr. 1). Bereits seit der hellenistischen Zeit ist jedoch die Tendenz zu beobachten, gegen den Text von Gen 8,4 einen bestimmten Berg in Armenien als den Landeplatz der Arche festzulegen. Das Jubiläenbuch nennt den Berg Lubar (Jub 5,28; 7,1: Vanderkam, James C. 1989a, 36.43). Josephus spricht von einem Berg in Armenien (antiquitates 1,90) und referiert anschließend Passagen aus lediglich fragmentarisch erhaltenen Schriften des Berosos (3. Jh. v.Chr.) und des Nikolaus von Damaskus (1. Jh. v.Chr.). Berosos schreibt danach von „Bergen der Kordyäer (Κορδυαιων)“ in Armenien, auf denen noch Reste der Arche erhalten seien (antiquitates 1,93; anders nach Josephus, contra Apionem 1,130: „Berge der Armenier“). Nikolaus von Damaskus nennt den Berg, an dem die Arche landete, „Baris“ (Josephus, antiquitates 1,94f). Die gesamte Passage des Josephus (antiquitates 1,90−95) wird auch in Eusebius, Onomastikon 2,23−4,25 (Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 4−6) zitiert, wobei Eusebius und Hieronymus an der biblischen Vorstellung von Ararat als Landschaftsname festhalten. Dennoch wurde in den folgenden Jahrhunderten mit dem Namen Ararat die Vorstellung von einem einzelnen, in Armenien zu suchenden Berg verbunden. Etwa seit dem 11./12. Jahrhundert wird der „Berg Ararat“ mit dem höchsten Gipfel des armenischen Berglands identifiziert, einem 5122 m hohen exponierten, ständig schneebedeckten Bergkegel, der am Südufer der Araxesflusses ca. 140 km nordöstlich des Vansees im Osten der heutigen Türkei unmittelbar an den Grenzen zu Armenien und zum Iran liegt (39º30'N.44º00'E). Der Berg wird in älteren armenischen Dokumenten „Masis“, iranisch Kuh-i-Nuḥ („Noach-Berg“), von europäischen Reisenden seit dem 19. Jahrhundert „Großer Ararat“ und türkisch Ağrı Dağı bzw. Büyük Ağrı Dağı genannt. Östlich davon erhebt sich der 3896 m hohe „kleine Ararat“ (türkisch Küçük Ağrı Dağı). Daneben haben sich weitere Lokaltraditionen erhalten. Die nachhaltigste ist in Targumen und in der syrischen Überlieferung (Peschitta) bezeugt, wo Ararat mit dem Audruck qrdw(n) wiedergeben ist. Der Name qrdw(n) weist, wie die bei Berosos genannten Κορδυαιοι, in die Landschaft Gordiene/Korduene. Sie ist in verschiedenen Dokumenten der klassischen Antike bezeugt und meint das südlich von Armenien gelegene, heute von kurdischen Gruppen besiedelte Bergland. Dort wird der 2114 m hohe Cudi Dağı (arabisch Ǧebel Ǧūdī, 37º22'46"N.42º27'09"E) im Grenzgebiet der derzeitigen Staaten Türkei, Syrien und Iran als „Berg Ararat“ gezeigt. Weitere regionale Traditionen zum Landeplatz der Arche finden sich (a) in Phrygien, wo in byzantinischer Zeit die Stadt Απάμεια Κιβοτός (Apameia Kibōtos) Münzen mit der Darstellung der Arche (LXX κιβωτός) vertrieb, (b) in der Landschaft Adiabene im nördlichen Zweistromland, wo im 1. und frühen 2. Jh. n.Chr. zum Judentum übergetretene Herrscher regierten, und (c) auf der arabischen Halbinsel (ABD 4, 1131f, Fig. NOA.02). Wirkungsgeschichtlich setzt sich damit die offene Formulierung von Gen 8,4 in Gestalt der unterschiedlichen Lokaltraditionen auf eigene Weise fort.

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-07-15 10:55:41

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 120f (Brückmann, Otto, Art. Ararat); 3 (1966), 2060 (Schmidtke, Friedrich, Art. Ur)
  • NBL 1 (1991), 150f (Görg, Manfred, Art. Ararat)
  • ABD 1 (1992), 351‒353 (Bailey, Lloyd R., Art. Ararat); 4 (1992), 1131‒1133 (Bailey, Lloyd R., Art. Noah and the Ark. Noah’s Ark)
  • LThK3 1 (1993), 916 (Wenning, Robert, Art. Ararat)
  • RGG4 1 (1998), 763−766 (Schmitt, Rüdiger, Art. Armenien. I. Altertum)
  • EBR 2 (2009), 646−649 (Fulton, Deirfre N. / Berner, Christoph, Art. Ararat)

 

Literatur

Parrot, Friedrich von 1834aBudde, Karl 1883a , 434-439 ;  Delitzsch, Franz 1887a , 179−181 ;  Murad, Friedrich 1901aGunkel, Hermann 1910a , 146f ;  Simons, Jan 1959a , 8 § 20 ;  Cassuto, Umberto 1964a , 103−105 ;  Riemschneider, Margarete 1966aPjotrowski, Boris B. 1969aWestermann, Claus 1974a , 394−396 ;  Salvini, Mirjo 1982aPirker, Siegfried / Timm, Stefan 1984aPecorella, Paolo Emilio / Salvini, Mirjo 1984aGropp, Gerd 1985aHögemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aHaas, Volkert 1986aPill-Rademacher, Irene u.a. 1988aHorowitz, Wayne 1988aWeippert, Helga 1988a Register (Ararat, Urartu) ;  Kessler, Karlheinz 1991aOrth, Wolfgang 1992aWartke, Ralf-Bernhard 1993aSalvini, Mirjo 1995aSchweizer, Günther / Mittmann, Siegfried 2001aBryce, Trevor 2009a , 747−752 ;  Radner, Karen 2011aZimansky, Paul E. 2011aParker, Bradley u.a. 2011aKroll, Stephan u.a. 2012aDan, Roberto 2012aSalvani, Mirjo 2012aBatmaz, Atilla 2013aJericke, Detlef 2013a , 39−41 ;  Mayer, Walter 2013aMayer, Walter 2013bLinke, Julia 2015aLinke, Julia 2016aÇifçi, Ali 2017aChristiansen, Birgit 2019aAvetisyan, Pavel S. u.a. 2019a