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Aschtarot

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Astarot; Astaroth; Ashtaroth; Ashteroth-Karnain; Beeshterah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

 עשתר(ו)ת ‘aštārot/‘aštārôt. Ἀσταρωθ

Belege AT

Gen 14,5 (?); Dtn 1,4; Jos 9,10; Jos 12,4; Jos 13,12; Jos 13,31; Jos 21,27; 1Chr 6,56

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

‘s[t]rtm (ägyptisch [Ächtungstexte]: Posener, Georges 1940a, Nr. 25; Hannig, Rainer 2006a, 1127)
‘strt (ägyptisch [Liste Thutmoses III. Nr. 28]: Aharoni, Yohanan 1984a, 164; Hannig, Rainer 2006a, 1127)
aštartu (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 43)
‘ttrt (ugaritisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 43)
astartu (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 40; Bagg, Ariel M. 2007a, 32)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Ἀσταρωθ (Eusebius, Onomastikon 12,11-15: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 12f, Nr. 24; Timm, Stefan 2017a, 13, Zeile 1-4, Nr. 24)
Βεεσθαρα (Eusebius, Onomastikon 50,22f: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 52, Nr. 234; Timm, Stefan 2017a, 61 Zeile 5f, Nr. 234)
‘štrwt qrnjm (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 504f)

Beschreibung

Name

Der MT hat in Jos 21,27 die Namensform be‘æšterāh für den dort genannten Levitenort. Die parallele Überlieferung in 1Chr 6,56 hat jedoch ʿaštoræt. Auch die Peschitta setzt in Jos 21,27 Aschtarot voraus. Vermutlich ist dieser Name gemeint (Noth, Martin 1953a, 126; Fritz, Volkmar 1994a, 208f). Der Name des MT in Jos 21,27 ist möglicherweise auf die häufig gebrauchte Wendung beʿaštārôt „in Aschtarot“ (Dtn 1,4; Jos 9,10; Jos 12,4; Jos 13,12) zurückzuführen (Rösel, Hartmut N. 2011a, 338).
Eusebius gibt den Jos 21,27 genannten Levitenort mit Βεεσθαρα wieder, folgt also weitgehend der Schreibung des MT (Onomastikon 50,22f). Er folgt dabei den Versionen des Codex Venetus und des Codex Washington/Freer bzw. der LXXA (Βεεθαρα). Allerdings setzt er hinzu, der Ort liege im Baschan (ἐν τῇ Βασανίτιδι), was der alttestamentliche Text (MT und LXX) dem vor Aschtarot genannten Ort Golan/ Γαυλων (Golan, Ort) zuschreibt. LXXB dagegen gibt das enigmatische be‘æšterāh mit dem seit der hellenistischen Zeit aus dem nördlichen Ostjordanland bekannten Ortsnamen Βοσορ(α) wieder (zu diesem vgl. Schmitt, Götz 1995a, 111).

 Überlieferung und Lokalisierung


Aschtarot wird mehrfach in Texten aus dem 2. Jt. v.Chr. genannt und scheint in dieser Zeit eine wichtige Stadt gewesen zu sein. Das Alte Testament kennt Aschtarot als Residenz des sagenhaften Königs Og, der den Baschan beherrscht haben soll (Dtn 1,4; Jos 9,10; Jos 12,4; Jos 13,12; Jos 13,31). Mitunter ist dabei Edreï (Der‘ā 2537.2246) als weiterer Hauptort des Baschan erwähnt (Dtn 1,4; Jos 12,4; Jos 13,31). Unter der Namensform be‘æšterāh ist Aschtarot als Levitenort genannt (Jos 21,27; s.o.). Auf einem neuassyrischen Relief der Zeit Tiglat-Pilesers III. aus Nimrūd ist die Einnahme der Stadt Aschtarot/astartu dargestellt. Vermutlich ist auch der Gen 14,5 genannte Ort Aschterot-Karnajim mit Aschtarot identisch, wenn der Doppelname so zu verstehen ist, dass Aschtarot in der Region lag, deren Vorort Karnajim (Šēḫ Sa‘d 2473.2495) war, das in neuassyrischen Texten unter der Namensform *qarnīnu als Orts- und Gebietsbezeichnung bezeugt ist (Bagg, Ariel M. 2007a, 193f ). Die alttestamentlichen Angaben und die Namensüberlieferung stützen die Lokalisierung von Aschtarot auf Tell ‘Aštara (2455.2460). Der ca. 300 x 200 m große Siedlungshügel liegt im Zentrum des Baschan. Der archäologische Befund zeigt eine Besiedlungsgeschichte, die von der gesamten Bronze- und Eisenzeit bis zur hellenistischen und römischen Epoche reicht. Der seltener vorgeschlagene ca. 5 km südlich von Tell ‘Aštara gelegene Tell el-Aš‘arī (2453.2391) weist keine eisenzeitlichen Reste auf. Unklar sind die Angaben des Eusebius. Er lokalisiert Ἀσταρωθ sechs Meilen (ca. 9 km) von Adraa/Edreï entfernt (Onomastikon 12,13). Diese Distanz ist wesentlich kürzer als die Entfernung zwischen Tell ‘Aštara und Edreï (Der‘ā), die ca. 22 km beträgt, und auch kürzer als die Strecke zwischen Tell el-Aš‘arī und Der‘ā. Möglicherweise liegt eine Verschreibung aus „16 Meilen“ vor. Unter dem Stichwort Ἀσταρωθ Καρναειν vermerkt Eusebius, dass es zwei Orte in der Batanaia gibt, die neun Meilen voneinander entfernt zwischen Adara (Edreï?) und Abila (Tell Ābil 2318.2322) liegen (Eusebius, Onomastikon 6,4–7: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 6f, Nr. 4). Die dem Namen Batanaia folgende Wendung τῆς καὶ Βατολούας („auch Batolouas genannt“) übersetzt Hieronymus mit hoc uocabulo „dieses Namens“. Meist wird daher angenommen, Eusebius wolle sagen, dass zwei Orte gleichen Namens (Ἀσταρωθ oder Ἀσταρωθ Καρναειν) in der Batanaia liegen, was allerdings unwahrscheinlich ist. Vermutlich weist Eusebius lediglich darauf hin, dass der biblisch bezeugte Namen Ἀσταρωθ Καρναειν/Aschterot-Karnajim eigentlich zwei Orte, Aschtarot und Karnajim, meint, was sachlich zutreffend wäre (vgl. Eusebius, Onomastikon 12,14f; Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 13).

 

Autor: Detlef Jericke, 2016; letzte Änderung: 2021-02-27 19:04:37

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BRL (1937), 41f
  • BHH 1 (1962), 142 (Elliger, Karl, Art. Astaroth)
  • NBL 1 (1991), 188 (Görg, Manfred, Art. Aschtarot)
  • ABD 1 (1992), 491–492 (Day, John, Art. Ashtaroth)
  • EBR 2 (2009), 999f (Knowles, Melody D., Art. Ashteroth-Karnain); 3 (2011), 765 (Shipp, R. Mark, Art. Beeshterah)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 255.413f ;  Simons, Jan 1959a , 124.205.214 §§ 302.337.355 ;  Abou-Assaf, Ali 1968aAbou-Assaf, Ali 1969aKellermann, Diether 1981aDietrich, Manfried / Loretz, Oswald 1990aPerlitt, Lothar 1990a , 19f ;  Zwickel, Wolfgang 1990a , 335 ;  Kellermann, Diether 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aSchmitt, Götz 1995a , 73f ;  MacDonald, Burton 2000a , 152f ;  Oblath, Michael D. 2004a , 162f ;  Gaß, Erasmus 2005b , 63f ;  Bryce, Trevor 2009a , 79 ;  Jericke, Detlef 2013a , 120–122 ;  Gaß, Erasmus 2021a , 112 ;