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Bet-Eden

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Beth-Eden; Bit-Adini

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

בית־עדן bêt-‘ædæn.  Χαρραν  „Haus der Überflusses“

Belege AT

Am 1,5

Belege aus altorientalischen Dokumenten

bīt-adini (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 75−77; Bagg, Ariel M. 2007a, 44f)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Beschreibung

Das Toponym Bet-Eden wird Am 1,5 in einem Gerichtswort gegen Damaskus verwendet. Die Herrscher von Bikat-Awen und Bet-Eden sollen genau so vernichtet werden wie diejenigen von Aram-Damaskus. Bet-Eden wird aufgrund der Namensähnlichkeit gern mit dem aramäischen Kleinkönigtum bīt-adini gleichgesetzt (Malamat, Abraham 1953a; Lemaire, André 1981a). Bīt-adini mit dem Residenzort til barsip (Tell el-Aḥmar 36º40' N 38º00' E) lag beiderseits des mittleren Eufrat östlich und südlich der von Karkemisch (gargamiš/Ǧerāblus 36º50'N.38º00'E) kontrollierten Region und wurde 855 v.Chr. assyrische Provinz. Auch LXX, die Bet-Eden mit Χαρραν wiedergibt, weist in das nördliche Syrien. Haran (Ḥarrān/Altĭnbaşak 38º02' N 36º52' E) gehörte zwar vermutlich nicht mehr zum Gebiet von bīt-adini, lag aber ca. 60 km östlich von Karkemisch zwischen til barsip und Gosan (Guzāna/Tell Ḥalaf 36º40'N.40º00'E). Die LXX-Variante ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass 2Kön 19,12 und Jes 37,12 die „Söhne von Eden” neben Gosan, Haran, Rezef und Telassar genannt werden. Ob aus dem LXX-Text in Am 1,5 Rückschlüsse auf die Lokalisierung von Bet-Eden möglich sind, bleibt daher offen. Sollte die Gleichsetzung mit bīt-adini zutreffen, so könnte Am 1,5 eine Situation im 8. Jh. v.Chr. voraussetzen, als bīt-adini bereits assyrische Provinz war und der assyrische Statthalter (turtānu) Samsi-ilu zeitweise in til barsip residierte, von wo aus er 773/772 v.Chr. auch bis Damaskus vordrang (HTAT 276f, Nr. 124). Gegen eine solche These wird eingewandt, der Text im Amosbuch setze eine größere Nähe von Bet-Eden zu Damaskus voraus (Millard, Alan Ralph 1993a; Bordreuil, Pierre 1998a). Daher wird eine Gleichsetzung mit einem bei Klaudios Ptolemaios (geographikē 5,15,20: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b, 569) und Strabon (16,2.19) toponymisch gebrauchten παράδεισος erwogen, das bei den drei Quellen des Orontes liegen soll (vgl. τριπαράδεισος, Diodorus Siculus 18,39.1), ohne dass diese Örtlichkeit näher zu lokalisieren wäre (Bordreuil, Pierre 1998a). Wahrscheinlicher ist jedoch die Annahme, dass es sich bei den Toponymen Bikat-Awen („Ebene der Sünde“) und Bet-Eden („Haus des Überflusses“) um symbolische Namen handelt, die nur in ungefährer Erinnerung an syrische Landschaftsnamen gebildet wurden, zumal auch die Namen der Herrscher von Damaskus in Am 1,4 (Hasaël, Ben-Hadad) als Rückgriff auf die in den Königebüchern häufiger erwähnten aramäischen Könige des 9. Jh. v.Chr. zu verstehen sein dürften.

[Detlef Jericke,2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:54:14

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 2 (1938), 33f (Honigman, Ernst, Art. Bit-Adini)
  • ABD 1 (1992), 684 (Meier, Samuel A., Art. Beth-Eden)
  • EBR 3 (2011), 964 (Altman, Peter, Art. Beth-Eden)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 270 ;  Malamat, Abraham 1953aSimons, Jan 1959a , 5f § 19.466 § 1494−5 ;  Ussishkin, David 1971aLemaire, André 1981aWolff, Hans Walter 1985a , 190 ;  Sader, Hélène S. 1987a , 47–98 ;  Röllig, Wolfgang / Sader, Hélène S. 1991aMillard, Alan Ralph 1993aJeremias, Jörg 1995a ,13f ;  Bordreuil, Pierre 1998a