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Enajim

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Enam; Enaim

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

עינים ‘ênajim. Ἀιναν. „Augen“

Belege AT

Gen 38,14; Gen 38,21; Jos 15,34 (?)

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἀιναν (Eusebius, Onomastikon 8,12−16: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 9, Nr. 10)

Beschreibung

Enajim ist der Ort, an dessen Eingang sich Tamar niederlässt, um Juda zu treffen, weil die Söhne Judas ihr die Schwagerehe verweigern. Der Erzählzusammenhang lokalisiert Enajim zwischen Adullam (Ḫirbet eš-Šēḫ Madkūr 1502.1175) in der östlichen Schefela (Schefela, Juda) und Timna (Timna, Bergland), das vermutlich im judäischen Bergland östlich von Adullam zu suchen ist. Jos 15,34 kennt einen Ort namens Enajim, der in der Schefela im gleichen Bezirk wie Adullam (Jos 15,35) liegen soll. Die Identität der beiden Toponyme ist jedoch fraglich, da im masoretischen Text weder die Namensform noch der Konsonantenbestand übereinstimmen (‘enajim Gen 38/hā‘ênām Jos 15,34) und auch die LXX jeweils unterschiedlich übersetzt (Αιναν Gen 38/Ηναϊμ [LXXA] bzw. Μαιανι [LXXB] Jos 15,34). Simons hält allerdings die Identität für gesichert (Simons, Jan 1959a, 222 § 398). Selbst die ungefähre oder gedachte Lage von Enajim scheint bereits in hellenistischer Zeit unbekannt gewesen zu sein. So sagt das Jubiläenbuch in der Nacherzählung von Gen 38, Tamar habe sich an einem Tor am Weg nach Timna niedergelassen, nennt jedoch keinen Ortsnamen (Jub 41,9). Auch im weiteren Verlauf der Erzählung ist im Jubiläenbuch nur von einem namenlosen Ort die Rede (Jub 41,15), wo Gen 38,21 von Enajim spricht. In ähnlicher Weise fehlt in der Peschitta, in der Vulgata und in Targumen zu Gen 38,14 eine namentliche Ortsangabe (Emerton, John Adney 1975a, 341−343). Vielmehr wird die hebr. Ortsangabe bepætaḥ ‘enajim („am Eingang von Enajim“) als eine Art Weggabelung interpretiert (in bivio itineris, Vulgata). Eusebius beschreibt Ἀιναν als zerstörten Ort (έρεμος τόπος; Onomastikon 8,13: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 90). Darüber hinaus wird – unter Heranziehung der im Alten Testament häufig belegten dual-Form ‘enajim („Augen“) – die genannt Wendung symbolisch interpretiert: Tamar sitzt bepætaḥ ‘enajim „mit offenen Augen“ (wörtl. „am Eingang der Augen“), „einladend“ am Weg nach Timna. Sie macht das ihr zugefügte Unrecht sichtbar. Robinson (bĕpetaḥ ‘ênayim in Genesis 38:14>Robinson, Ira 1977a) verweist zudem noch auf die Wendung kesût ‘enajim („eine Decke für die Augen“) in Gen 20,16, die dort so gemeint ist, dass die Silberstücke, die Abimelech Abraham und Sara gibt, das vorhergehende vermeintliche Unrecht für Außenstehende verdecken sollen. Im Gegensatz dazu wird in Gen 38 Unrecht öffentlich gemacht. Aufgrund solcher Überlegungen sowie angesichts der uneindeutigen Textüberlieferung muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass der Name Enajim in Gen 38 eine literarische Bildung ohne Anhaltspunkt in der historischen Topographie Judas ist.

[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:08:34

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 2 (1992), 505 (Kotter, Wade R., Art. Enam); 2 (1992), 505 (Oller, Gary H., Art. Enaim)
  • EBR 7 (2013), 888 (Knauf, Ernst Axel, Art. Enam)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 18 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 316 ;  Simons, Jan 1959a , 222 § 398 ;  Emerton, John Adney 1975aRobinson, Ira 1977aJericke, Detlef 2013a , 234f ;