Universität Heidelberg | Theologische Fakultät Trier
Ortsangaben der Bibel (odb)
orte Ortsnamen Literatur Karte      

zurück zur Übersicht

 

Timna, Bergland

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Thimna; Thimnat; Timnah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

תמנה timnāh. Θαμνα(θα)

Belege AT

Gen 38,12-14; Jos 15,57

Belege aus altorientalischen Dokumenten

tamnā ? (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 345; Bagg, Ariel M. 2007a, 248)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Θαμναθα ? (1Makk 9,50)
Θαμνα (Klaudios Ptolemaios, geographikē 5,15.5: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b, 574; ; Josephus: Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 94; Eusebius, Onomastikon 8,13; 70,20; 96,24−26; 100,2: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 9.70.93.96, Nr. 10.338.486.502; Timm, Stefan 2017a, 8.85.121.125, Nr.10.338.487.504); Mosaikkarte von Mādebā: Donner, Herbert 1992a, 57, Nr. 71)
Θαμνιτικα / Thamnitica (Eusebius, Onomastikon 33,21; 56,23: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 36.57, Nr. 144.278; Timm, Stefan 2017a, 39*.69, Nr. 144.278)
Thamna(tica) (Plinius, naturalis historia 5,70)
Tamnathsare (Hieronymus, epistulae 108,13: MignePL 22, 888)
*tjmnh/tmnh (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 615f.618)

Beschreibung

In Gen 38 dient das Toponym Timna als Richtungsangabe. Juda begibt sich mit seinem Freund Hira aus Adullam (Ḫirbet eš-Šēḫ Maḏkūr 1502.1175) zur Schafschur nach Timna (Gen 38,12-13). Außerdem soll der Ort Enajim, an dem sich Tamar aufhält, am „Weg nach Timna” liegen (Gen 38,14). Nach dem Erzählzusammenhang in Gen 37-38 müsste Timna auf dem judäischen Bergland zu suchen sein. Jakob hält sich mit seinen Söhnen bei Hebron (Tell er-Rumēde [1597.1036] bei el-Ḥalīl [1605.1035]) auf (Gen 37,14). Von dort bricht Juda auf und geht zunächst „hinunter“ nach Adullam (Gen 38,1), das in der östlichen Schefela (Schefela, Juda) ca. 15 km nordwestlich von Hebron liegt. Zusammen mit Hira geht Juda dann wieder „hinauf“ nach Timna (Gen 38,12-13). Dieser topographischen Inszenierung in Gen 37-38 entspricht ein Toponym Timna, das nach Jos 15,57 zum judäischen Bergland gehört. Möglicherweise ist auch der bei Klaudios Ptolemaios (geographikē 5,16,8: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b, 574) genannte Ort Θαμνα mit diesem Timna identisch. Ptolemaios listet Θαμνα zwischen Jerusalem und En-Gedi am Toten Meer (Ἐνγαδδα; Tell el-Ǧurn [1871.0965] bei ‘Ain Ǧidī [1870.0972]) auf, was auf eine Lage im judäischen Bergland weisen könnte. Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, den Gen 38 und Jos 15,57 genannten Ort auf Ḫirbet Tibne/Ḫirbet et-Tebbāne (1547.1224) zu lokalisieren, wo sich der alte Ortsname erhalten hat (Kellermann, Diether u.a. 1992a). Da die Ruinenstätte, die eisenzeitliche Reste aufweist, ca. 20 km nördlich von Hebron und ca. 5 km nordöstlich von Adullam liegt, entspräche sie den Angaben von Gen 38. Gestützt wird die Namensverwandtschaft Timna/Tibne durch die Lokalisierung von Timnat-Serach/Timnat-Heres, dem Heimat- bzw. Begräbnisort Josuas (Jos 19,50; Jos 24,30; Ri 2,9), der auf der ca. 27 km nördlich von Jerusalem gelegenen Ḫirbet Tibne (1603.1573) gesucht wird (Abel, Félix-Marie 1938a, 481f; Kellermann, Diether u.a. 1992a). Dort lag wahrscheinlich auch das Thamnata, das in 1Makk 9,50 nach Bet-Horon und Bet-El genannt ist (Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992a). Inwieweit das Argument der Namenskontinuität belastbar ist, bleibt allerdings bei der Häufigkeit der Namenselemente Timna bzw. Tibne offen. Mit weiteren Unsicherheiten bleibt die Gleichsetzung behaftet, weil die lokalisierbaren Orte, die nach Jos 15,55-57 zum gleichen Bezirk wie Timna gehören sollen, südlich von Hebron liegen (Emerton, John Adney 1975a, 344). Lokalisierbar sind Maon (Ḫirbet Ma‘īn 1626.0908), Karmel (Karmel, Juda; Ḫirbet Kirmil 1628.0925), Sif (Sif, Bergland; Tell Zīf 1628.0982), Jutta (Yaṭṭa 1585.0950) und Sanoach (Sanoach, Bergland; Ḫirbet Umm el-‘Amad ? 1545.0945) (Kellermann, Diether u.a. 1992a). Auch das bereits im nächsten Bezirk genannte Bet-Zur (Ḫirbet eṭ-Ṭubēqa 1590.1108; Jos 15,58) läge noch südlich von Timna. Lediglich das letztgenannte Problem wäre befriedigend gelöst, wenn Timna auf der ca. 5 km südöstlich von Bet-Zur und ca. 8 km nordöstlich von Hebron gelegenen Ḫirbet Rās eṭ-Ṭawīl (1636.1083) angesetzt würde, einem Ruinenhügel mit erheblichen Resten aus der Eisenzeit II sowie aus persischer, hellenistischer und byzantinischer Zeit (Galil, Gershon 1993a). Eine in jeder Hinsicht überzeugende Lagebestimmung des Gen 38 genannten Ortes Timna wird zusätzlich dadurch erschwert, dass im Alten Testament weitere Toponyme dieses Namens belegt sind. Während das mehrfach in Gen 36 als edomitischer Personenname genannte Timna, das relativ rezent als Ortsname auf das antike Bergbaugebiet von el-Menē‘iye (145.910) am Westrand der Araba übertragen wurde, sowie das als Heimat- bzw. Begräbnisort Josuas genannte Toponym Timnat-Serach/Timnat-Heres nichts mit dem Timna von Gen 38 gemein haben, ist die Relation zu dem in den Simsonerzählungen genannten Timna (Timna, Schefela, Ri 14,1-2; Ri 14,5), das zum Gebiet von Dan gerechnet wird (Jos 19,43) und möglicherweise als Grenzfixpunkt zur Beschreibung der Nordgrenze Judas dient (Jos 15,10), schwieriger zu bestimmen. Der letztgenannte Ort wird auch mehrfach in den Annalen Sanheribs im Rahmen militärischer Aktionen gegen Ekron und Elteke erwähnt und scheint daher überregionale Bedeutung gehabt zu haben. Das in Ri 14, Jos 19 und in neuassyrischen Dokumenten genannte Timna wird daher auf Tell Baṭāšī (1417.1325) lokalisiert, einem großen Siedlungshügel am Übergang von der hügeligen Schefela in die Küstenebene. Der Platz liegt ca. 4 km nordöstlich von Ekron (Ḫirbet el-Muqanna‘/Tẹl Miqne 1358.1318) und ca. 10 km nordwestlich von Bet-Schemesch (Tell er-Rumēle [1476.1286] bei ‘Ain Šems [1481.1286]) und entspricht daher den Hinweisen, die aus alttestamentlichen Texten entnommen werden können (vgl. Jos 19,43; 2Chr 28,18). Er ist intensiv ergraben und zeigt eine Besiedlungsgeschichte, die vom 2. Jt. v.Chr. bis in die zweite Hälfte des 1. Jt. v.Chr. reicht. Die Hauptbesiedlungsphasen waren in der Mittelbronzezeit II (17./16. Jh. v.Chr.) und in der Eisenzeit II (9.−7. Jh. v.Chr.), als jeweils eine stark befestigte Stadtanlage existierte. Aus der Zeit des Übergangs vom 2. zum 1. Jt. v.Chr. (Spätbronze- und Eisenzeit I) und aus persischer Zeit sind kleinere Siedlungen nachgewiesen. In frühchristlichen Quellen wird das auf Tell Baṭāšī zu suchende Timna der Simsonserzählungen mit dem gleichnamigen Ort von Gen 38 identifiziert. Eusebius schreibt, der Ort Thamna, zu dem Juda zur Schafschur gehe, gehöre entweder zu Juda oder zu Dan (Onomastikon 96,24−26: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 93, Nr. 486). Er lokalisiert ihn im Gebiet von Diospolis (Lydda/Ludd 1405.1515) am Weg nach Jerusalem. Wahrscheinlich meint er den Ort von Tell Baṭāšī. So interpretiert es zumindest die Mosaikkarte von Mādebā, die Thamna westlich von Jerusalem auf halbem Weg zum Mittelmeer einzeichnet und mit der Vignette eines Stadttors illustriert (Donner, Herbert 1992a, 57, Nr. 71). Die Vignette könnte auch dadurch veranlasst sein, dass Nacherzählungen des biblischen Texts von Gen 38 aus hellenistisch-römischer Zeit den Ort, an dem Tamar sitzt und der Gen 38,14 pætaḥ ‘enajim „Eingang von Enajim“ heißt, als Stadttor einer namentlich nicht genannten Stadt verstehen (vgl. Jub 41,8-10). Diese Vorstellung von einem Stadttor könnte auf Timna übertragen worden sein. Eine Gleichsetzung des alttestamentlichen Orts von Gen 38 mit dem danitischen Timna von Ri 14 könnte erwogen werden, wenn Enajim als der Platz, an dem Juda auf Tamar trifft, mit einem Enajim identisch wäre, das nach Jos 15,34 zur Schefela (Schefela, Juda) gerechnet wird. Allerdings erscheint eine solche Gleichsetzung angesichts der unterschiedlichen Namensformen sowohl im masoretischen Text (‘enajim Gen 38/hā‘ênām Jos 15,34) wie auch in der LXX (Αιναν Gen 38/Ηναϊμ [LXXA] bzw. Μαιανι [LXXB] Jos 15,34) unsicher. Dazuhin liegt nach Jos 15,34-35 auch Adullam in demselben Bezirk wie Enajim, so dass der geographische Horizont auf die östliche Schefela in Nachbarschaft zum Bergland begrenzt bleibt. Lediglich bei der Annahme, dass die topographische Inszenierung in Gen 38 auf rein literarischen Gesichtspunkten beruht, steht ein gedachter Weg Judas und Hiras vom Bergland (Hebron) über die östliche Schefela (Adullam, Enajim) in die westliche Schefela (Timna [Timna, Schefela]/Tell Baṭāšī) als Interpretationsmöglichkeit offen. Die Wendungen von „Hinuntergehen“ nach Adullam und insbesondere vom „Hinaufgehen” nach Timna (Gen 38,13) wären in diesem Verstehenshorizont als literarische Topoi zu interpretieren. Unter Berücksichtigung aller aus den zur Verfügung stehenden Textzeugnissen zu entnehmender Gesichtspunkte ist jedoch eine Lokalisierung des Timna von Gen 38 im judäischen Bergland (Ḫirbet Tibne/Ḫirbet et-Tebbāne) wahrscheinlicher als die Gleichsetzung mit dem Timna (Timna, Schefela) der Simsonerzählungen (Tell Baṭāšī).
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:56:25

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 1972 (Elliger, Karl, Art. Thimna[t])
  • NBL 3 (2001), 875 (Görg, Manfred, Art. Timna)
  • ABD 6 (1992), 556–557 (Kotter, Wade R., Art. Timnah)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 67 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 481 ;  Simons, Jan 1959a , 222 § 397 ;  Emerton, John Adney 1975aKeel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 833−835 ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aMazar, Amihai 1989aUssishkin, David 1990aKellermann, Diether 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aGörg, Manfred 1992aGalil, Gershon 1993aTsafrir, Yoram u.a. 1994a , 247 ;  Kelm, George L. / Mazar, Amihai 1995aMazar, Amihai / Panitz-Cohen, Nava 2001aGaß, Erasmus 2005a , 369−372 ;  Mazar, Amihai / Panitz-Cohen, Nava 2006aBryce, Trevor 2009a , 114f ;  Jericke, Detlef 2013a , 231–233 ;