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Rifat

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Ripahth

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

ריפת , דיפת dîpat , rîpat. Ῥıφαθ
 

Belege AT

Gen 10,3; 1Chr 1,6

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ῥıφατης, Παφλαγων (Josephus, antiquitates 1,126)
rjpt (Targum Onkelos: Sperber 14)
rjpt, br[k]wj [Parther?] (Targum Neofiti: Díez Macho, Alexandro 1968a, 52f)

Beschreibung

Gen 10,3 nennt Rifat als zweiten Sohn Gomers nach Aschkenas und vor Togarma. In der Parallelstelle 1Chr 1,6 schreibt der masoretische Text Difat (dîpat). LXX hat hier allerdings Ῥıφαθ wie Gen 10,3. Auch die Vulgata und andere ältere Textzeugen legen die Lesung Rifat nahe. Über die gedachte Lage von Rifat kann nichts Genaues gesagt werden, da auch die beiden anderen Söhne Gomers (Aschkenas/Skythen in Kleinasien oder nördlich des Schwarzen Meers ?, Togarma / til garimmu [38º45′N.37º15′E] im nördlichen Zweistromland ?) geographisch nicht zuverlässig zu bestimmen sind. Josephus erklärt die Nachkommen Rifats (Ῥıφατης) als Paphlagonier (Παφλαγων; antiquitates 1,126). Diese siedelten im nördlichen Kleinasien an der Schwarzmeerküste (Orth, Wolfgang 1992a), wo in römischer Zeit die Provinz Bithynia lag (Pill-Rademacher, Irene u.a. 1988). Da Bithynien auch zur Lagebestimmung von Aschkenas herangezogen wird (Maier, Johann 1991a, 189 = Maier, Johann 2004a, 171), wäre die von Josephus beigebrachte Erklärung nicht völlig abwegig. Allerdings bringt Josephus selbst Aschkenas mit den süditalienischen Rheginern in Verbindung (antiquitates 1,126), so dass seine Einlassungen zu Rifat nicht von der Annahme einer geographischen Nachbarschaft zu Aschkenas geleitet sein können. Vielmehr dürfte die Erklärung des Josephus ein weiterer Versuch sein, seinen Lesern die biblischen Namen durch solche zu erläutern, die aus hellenistischer Zeit noch bekannt waren, obwohl im Fall von Rifat das Gebiet der Paphlagonier bereits offiziell Bithynia hieß. In der älteren exegetischen Literatur war eine Textänderung von Rifat in Nifat beliebt. Auf diese Weise konnte Rifat/Nifat mit dem Gebirge Nifatēs (Νιφατης; Strabon 11,12,4; 11,13,3; 11,14,2) gleichgesetzt werden, dem heutigen Süphan Dağı (38º55'54N.43º50'03"E; 4058 m üNN) nördlich des Vān-Sees, der höchsten Erhebung des Taurusgebirges in Armenien (vgl. Hölscher, Gustav 1949a, 45 Anm. 2). Allerdings hat die vorausgesetzte Textänderung in Nifat keinen Anhaltspunkt in der Textüberlieferung. Sie scheint davon geleitet zu sein, für den zweiten Sohn Gomers ein Gebiet zu reklamieren, das in der Nachbarschaft zu demjenigen des dritten Sohns Togarma (til garimmu ?) lag. Ebensowenig überzeugt die These, mit 1Chr 1,6 Difat als ältere Lesart anzunehmen und dieses Difat als Bezeichnung medischer Clanführer zu verstehen, die in elamisch-keilschriftlichen Texten da-a-ú-bat-ti-iš bzw. da-i-bat-ti-iš genannt werden. Auch der Hinweis, dass medische und skythische Gruppen (Aschkenas?) im 6. Jh. v.Chr. im Großraum des nördlichen Zweistromlands zeitweise gemeinsam auftraten (Lipiński, Edward 1990a, 49f), macht die These nicht plausibel. Insofern steht eine überzeugende Erklärung für Rifat in Gen 10,3 bzw. 1Chr 1,6 noch aus.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:58:37

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 5 (1992), 775 (Hess, Richard, Art. Riphath)

 

Literatur

Hölscher, Gustav 1949a , 45 ;  Skinner, John 1951a , 197 ;  Simons, Jan 1959a , 80 § 214 ;  Westermann, Claus 1974a , 676 ;  Franxman, Thomas W. 1979a , 106 ;  Wenham, Gordon J. 1987a , 218 ;  Sarna, Nahum M. 1989a , 71 ;  Lipiński, Edward 1990a , 49f ;  Maier, Johann 1991a , 173.187.190 ;  Maier, Johann 2004a , 156.169.171 ;