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Kislot-Tabor

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Kessulot

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

כִּסְלֹת תָּבֹר kislot tāvor, Χασαλωθ Θαβωρ (LXX-A u.v.a.), Χασελωθαιθ (LXX-B), Χασελαθ Θαβωρ (Mss-O [MSS G 376, 426])

Belege AT

Jos 19,12

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Eusebius weist in seinem Onomastikon die beiden Einträge Χασελὰθ Θαβώρ (Timm 2017a, Z. 1 [959]) sowie Χασελἀθ του Θαβώρ (Timm 2017a, 236, Z. 1 [965] auf, die er beide in Sebulon verortet (κλήρου Ζαβουλῶν bzw. ὅριον Ζαβουλῶν, siehe aber unten zu Biblischer Befund sowie zu Lokalisierung). Im zweitgenannten Eintrag verweist er weiter auf die Bezeichnung Χεσσαλους, von der unter dem Eintrag ̕Άκσάφ als einem Dorf oder Gehöft (κώμη) in der Ebene nahe dem Berg Tabors die Rede ist (Timm 2017a, 24, Z. 1 [59]; vgl. auch 33, Z. 7 – 34, Z. 1 [114], dazu auch Elitzur, Yoel 2004a, 160-163).
Josephus erwähnt in Bell. III, iii 1 (39) Ἐξαλώθ. Midrasch Bereschit Rabba 98 (99):12 (1263,7), MS Vat30, MS London u.a. bezeugen אכסלו בקעת. Mansi 8,1173-4 erwähnt Παρθένιος ὲπσκοπος Εξάλους (siehe Elitzur, Yoel 2004a, 161).

Beschreibung

Biblischer Befund:
„Kislot-Tabor“ wird in Jos 19,12 als Ortsbezeichnung im Kontext der Beschreibung der Südgrenze Sebulons östlich von Sarid erwähnt. Nachdem Jos 19,11 von Sarid ausgehend die Südgrenze des Stammes gen Westen beschrieb, beschreibt Jos 19,12 ebenfalls von Sarid Ausgang nehmend die Südgrenze in östlicher Richtung. Nach V. 12a wendet (ŠB, Qal) sich diese ostwärts „zum Gebiet Kislot-Tabor“ (עַל־גְּבוּל כִּסְלֹת תָּבֹר). גְּבוּל ist hier im Sinne von „Gebiet“ (nicht: Grenze) zu verstehen (vgl. Ges18 192; zur Verwendung der Präposition עַל im Zusammenhang mit geographischen Einheiten vgl. Ges18 964-965).
Bei Kislot-Tabor handelt es sich um einen zusammengesetzte Wortverbindung, bei welcher das zweitgenannte Element tāvor eine geographische Näherbestimmung ist, die hier dem Ortsnamen zugehört (siehe unten zur Etymologie).
Das erstgenannte Element kislot wird mit kəsûlôt (Jos 19,18) identifiziert (Elitzur, Yoel 2004a, 160-163), das innerhalb der Beschreibung des Stammesgebiets Issachars neben Schunem genannt wird (גְּבוּלָם יִזְרְעֶאלָה וְהַכְּסוּלֹת וְשׁוּנֵם). Im Griechischen weist LXX-A zu Jos 19,12 mit Χασαλωθ die identische Form auf wie LXX zu Jos 19,18 (siehe oben zu Namensformen, siehe bereits Abel, Félix-Marie 1938a, 63), zum Beleg in Jos 19,18 siehe den Eintrag Kessulot.
 
Etymologie:
Aufgrund der topographisch-geographischen Lage ist davon auszugehen, dass analog des Namens Asnot-Tabor (Jos 19,34) der Namensbestandteil „Tabor“ auf die Lokalisierung des Ortes nahe dem Berg oder der Stadt Tabor hinweist, ggf. um den Namen „Kislot“ zu spezifizieren (so auch Borèe, Wilhelm 1968a, 89; Kallai, Zecharia  1986a, 183 Anm. 173; Müller, Monika 2008a; implizit: Alt, Albrecht 1926a, 60; Noth, Martin 1953a, 115; Aharoni, Yohanan 1984a, 271; Elitzur, Yoel 2004a, 161; u.a.).
Zu den linguistischen Unterschieden der Bezeugungen kislots siehe oben zu biblischen und nachbiblischen Belegungen. Für sprachgeschichtliche Erklärungen ist auf die eingehende Analyse der Differenzen bei E. Elitzur zu verweisen (Elitzur, Yoel 2004a, 161-163). Eine Herleitung des Ortsnamens von der hebräischen und aramäischen Wurzel KSL (vgl. akkadisch saklu) („faul/träge/töricht“) ist nicht belegbar. W. Borée leitet von kæsæl („Lende“) ab (vgl. Borée, Wilhelm 1968a, 89).
Der Namensbestandteil resp. Namenszusatz Tabor ist nach E. Gaß eher von mit der Wurzel TBR (etymologische Herleitung unklar, ggf. mit arabisch NBR [„emporheben“] zusammenhängend) oder aramäisch ŠBR/TBR („brechen“) bzw. hebräisch ŠBR/TBR („bekümmern“) von DBR („reden“) mit präfigiertem ta- und Ausfall des ersten Wurzelkonsonanten abzuleiten (Gaß, Erasmus 2004a, 251). E. Gaß vermutet eine Interpretation als „Orakelstätte“: „Obwohl die Etymologie dieses O[rts]N[amens] sich kaum noch beantworten läßt, wird vermutlich auch aufgrund der kultischen Bedeutung des Tabor die Interpretation „Orakelstätte“ halbwegs das Richtige treffen.“ (Gaß, Erasums 2004a, 251).
 
Lokalisierung (Identifikation mit Iksāl):
Die Analyse der Formulierung in Jos 19,12a sowie die zweifache Bezeugung von Χασαλωθ in LXX (siehe oben zu "Biblischer Befund") legt nahe, Kislot-Tabor entgegen Eusebius‘ Beschreibung nicht in Sebulon, sondern in Issachar zu verorten. Wie auch die nord-östliche Begrenzung Sebulons erfolgt die süd-östliche Grenzbeschreibung in Jos 19,12 (siehe Art. Jokneam) durch Orte, die der biblischen Bezeugung (siehe oben zu "Biblischer Befund") nach nicht zu Sebulon, sondern zu Issachar gehören (anders: Eusebius). Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass Sebulon hier im Süd-Osten offenkundig keine Ortschaften umfasste, die Nennung fanden, was die Vermutung der Begrenzung der Provinz auf den Bergrücken alleine nahelegt (siehe Art. Daberat u.a.). Ein Vorschlag A. Alts, Kislot-Tabor und Kesullot (Jos 19,18) zu unterscheiden und erstgenannten Ort in Sebulon, zweitgenannten in Isaachar zu verorten, kann schon im Hinblick auf den griechischen Text nicht argumentativ begründet werden (siehe Alt, Albrecht 1926a, 60 Anm. 4). Die Frage der archäologischen Identifizierung hat ohne die Frage der Zugehörigkeit zum Stammesgebiet zu erfolgen.
Für Kislot Tabor resp. Ksessulot wird dabei weithin eine Identifizierung mit Iksāl auf einem flachen, länglichen Plateau am Rande der Ebene am Ausgang des Nahal Kessulot angenommen (vgl. Guerin, V. 1874a, 108.123; Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H., 363.365.385-388; Borée, Wilhelm 1968a, 47; Zori, N. 1977a, 108; Aharoni, Yohanan 1984a, 257; Kallai, Zecharia 1986a, 183-184; u.a.). Divergierend ist ein Vorschlag (er formuliert selbst mit „vielleicht“) A. Alts 1926 (Alt, Albrecht 1926a, 60), Kislot-Tabor mit Ḫirbet ’eṭ-Tira ca. 1,5 km nördlich von Iksāl zu identifizieren (vgl. auch Abel, Félix-Marie 1938a, 299; Simons, J.J. 1959a, 181; Noth, Martin 1953a, 115).
Allerdings konnte der Survey A. Rabans weder eisenzeitliche noch persische oder hellenistische Funde in Iksāl ausmachen (siehe den Nazareth-Survey: http://www.antiquities.org.il/survey/new/default_en.aspx). Im süd-östlichen Teil eines sich gen Süd-Osten ertsreckenden länglichen Sporns eines Plateaus führt dort gefundene Keramik erst in die spät-römische und byzantinische Zeit; westlich wurden Wein- und Ölpressen gefunden. Funde in Ḫirbet ’eṭ-Tira datieren frühestens in die achämenidische Zeit (Zori, N. 1977a, 104; Gal, Zvi  1992a, 15).
Daher kann eine Identifizierung in beiden Fällen nicht ohne Anfragen bleiben. Bereits M. Noth mahnte, ob der etymologischen Nähe nicht auf eine historische Gleichsetzung zu schließen (Noth, Martin 1953a, 115). E. Gaß erwägt jüngst, Kislot-Tabor als Kette oder Rücken des Tabors anzusehen und auf eine Identifizierung gänzlich zu verzichten (Gaß, Erasmus 2021a [im Druck]).

 

Autor: Johannes Bremer; letzte Änderung: 2021-11-24 18:40:30

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 1 (1992), 910-911 (Frankel, Rafael)
  • EBR 5 (2012), 134-135 (Knauf, Ernst Axel, Art. Chisloth-Tabor)

 

Literatur

Guerin, Victor 1874aConder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1881aKlostermann, Erich 1904aAlt, Albrecht 1926aAbel, Félix-Marie 1938aNoth, Martin 1953aIDB 1 (1962), 562 (van Beek, Gus W.) ;  Borée, Wilhelm 1968aZori, N. 1977aAharoni, Yohanan 1984aKallai, Zecharia 1986aGal, Zvi 1992aGrootkerk, Salomon E. 2000aElitzur, Yoel 2004aGaß, Erasmus 2005a , 251-254 ;  Timm, Stefan 2017aGaß, Erasmus 2021b