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Daberat

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

דָּבְרַת Dābərat, Δαβραθ (LXX-A; LXX-O [MsG]; LXX-Mss N, W u.a., Jos 19,12), Δαβιρωθ (LXX-B Jos 19,12), Δαβειρώθ (LXX-Mss 52, 53 u.a., Jos 19,12), Δεββα (Jos 21,28), Δεβερι (1 Chr 6,57)

Belege AT


Jos 19,12; Jos 21,28; 1Chr 6,57

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

- Δαβράθ (Euseb. Onomast. S. 97, Z. 5, Eintrag 386);
- Jos. Vita 26 (126): Δαβαριττηνοί (A W), Δαβαριτινοι (P), Δαβαρητηνοι (R), Δαβαρηττηνοι (M);
- Jos. Vita 62 (318): Δαραβιττα κώμη (AMPO), Δαβαριττα (A margin), Δαβάρηττα (R);
- Jos. Bell. II, xxi, 3 (595): Δεβαρίθθων (κώμη) (A), Δεβαρίθων (P), Δεβαρίθθῶν (M), Διβαρίθθων (L), Δαβαριττων (VRC), Damaritarum (Lat.);
- Elagabalus (218-222)-Münze: Δαβοριτων

Beschreibung

Biblischer Befund:
Daberat wird insg. dreimal in Jos 19,12; Jos 21,28 und 1Chr 6,57 genannt. Innerhalb von Jos 19,12 dient die Nennung zur Beschreibung der Südostgrenze der Provinz Sebulon, deren Beschreibung in Jos 19,12a bei Sarid ansetzt und in ostwärts Daberat nach Kislot-Tabor und vor Jafia nennt ( וְיָצָא אֶל־הַדָּבְרַת וְעָלָה יָפִיעַ, Jos 19,12b). Eine Lokalisierung ist entsprechend östlich von Kislot-Tabor anzunehmen (siehe unten „Lokalisierung“). Gemäß Jos 19,12 grenzt Sebulon an das Gebiet Kislot-Tabors ( גְּבוּל כִּסְלֹת תָּבֹר, Jos 19,12aγ), welches selbst nicht zum Stammesgebiet Sebulons, sondern zu Issachar zu zählen ist (s. Art. Kislot-Tabor). Die Formulierung וְיָצָא אֶל־הַדָּבְרַת selbst lässt offen, ob Daberat entgegen Kislot-Tabor zum Stammesgebiet Sebulon zählt (siehe unten zu „Lokalisierung“). Jos 21,28-29 nennen aufzählend Daberat neben Kischjon, Jarmut und En-Gannim samt Weideplätzen als Levitenstädte des Stammes Issachar. 1Chr 6,56-57 parallelisieren diese Aufzählung, nennen jedoch Ramot statt Jarmut.
 
Etymologie:
W. Borée verweist auf eine mögliche Herleitung des vom Ugaritischen DBR (Weideland, Feld, jüd.-aram. davrā’; syr. dabrā) abgeleiteten dovær „Trift“, d.h. Viehweideweg (nach Ges18 241 „Weide“, siehe auch Jes 5,17; Mi 2,12), und gruppiert Daberat, identifiziert mit Dabūrye, als von der Bodenbeschaffenheit abgeleiteten Ortsnamen („für die Besiedlung günstiger Boden“, Borée, Wilhelm 1968a, 107 (s. darüber hinaus Borée, Wilhelm 1968a, 44.107). Eine Ableitung von ägypt. DPR ist nicht möglich (siehe Elitzur, Yoel 2004a, 223-224).
 
Lokalisierung (Identifikation mit Dabūrye oder Ḫirbet Dabūra):
Daberat wurde in der Forschung bis in die 50er Jahre mehrheitlich mit Ḫirbet Dabūra (Abel, Félix-Marie 1938a, 74; Alt, Albrecht 1926a, 60-61; Noth, Martin 1953a, 115; u.a.; zuletzt auch noch: P.A. Viviano in EBR 6 (2013) und heute mit zumeist mit Dabūrye (Borée, Wilhelm 1968a, 44; Kallai, Zecharia 1984a, 184; Aharoni, Yohanan 1974a, 271; Elitzur, Yoel 2004a, 223-224; u.a., zuletzt Gaß, Erasmus 2021a [im Druck]), ca. 1,5km süd-westlich von Ḫirbet Dabūra (siehe Karte links) gelegen, identifiziert.
Dabūrye befindet sich am Westhang des Tabors hin zum Naḥal Daberat. In archäologischen Untersuchungen seit den 1960er Jahren (siehe vor allem Zori, N. 1977aNajjar, N. 1990aGal, Zvi/Sutherfield, S. 1993a) wurden in der Grabung N. Zoris u.a. eisen I- und II-zeitliche Keramik gefunden. Z. Gal und S. Sutherfield fanden im Zentrum des heutigen Ortes Reste aus der hellenistischen, römischen bis zur ottomanischen Zeit; Z. Gal konnte am Westrand der Stadt zum Tal hin Hinterlassenschaften der Kreuzfahrerzeit ausmachen.
Ḫirbet Dabūra ist eine ca. 20 Dunam große Ruine auf einer Anhöhe ca. 110 Höhenmeter oberhalb von Dabūrye, die einen guten Blick über das Naḥal Daberat ermöglicht und damit auch strategisch günstig liegt. Auf die Bedeutung der Ḫirbet Dabūra lässt ein Wasserversorgungssystem schließen, welches eine benachbarte Quelle mit der Ruine verband. Keramikfunde führen in die frühe Bronze, wesentlich aber in die Perser- und hellenistische Zeit sowie in spätere Epochen (http://www.antiquities.org.il/survey/new/default_en.aspx Har Tavor 41
Für den Grenzverlauf Sebulons ergibt sich eine von Sarid (Tell Šādûd) nordöstlich verlaufende Linie entlang des Gebirges ohne Einbezug Kislot-Tabors (Iksāl) nach – orientiert an eisenzeitlich datierten Funden – Dabūrye oder – orientiert an nachexilischen Funden – Ḫirbet Dabūra.
Eine eindeutige Entscheidung seitens der Topographie fällt hier schwer. Allerdings legt sich eine Tendenz über die Blicke auf Etymologie und Archäologie hinaus aus der Beschreibung Jos 19,12 nahe, insofern man die Höhenmeter eines möglichen Grenzverlaufs miteinbezieht: Wenngleich von einer exakten Grenzlinie ähnlich moderner Landes- und Staatsgrenzen unzweifelhaft abzusehen ist, legt sich doch nahe, von einer sich dem Berghang entlangziehenden Grenze (s. auch die Argumentation zu Art. Gat-Hefer u.a.) auszugehen, zumal die Grenzbeschreibung sowohl in Jos 19,11 als auch in Jos 19,12 jeweils von einem Aufstieg (Verbwurzel ‘LH Qal) spricht. Da von diesem jedoch in der Formulierung Jos 19,12 erst im Anschluss an die Nennung Daberats die Rede ist (וְיָצָא אֶל־הַדָּבְרַת וְעָלָה יָפִיעַ, Jos 19,12b), wird an dieser Stelle die auch sowohl seitens der Etymologie als auch der materiellen Hinterlassenschaften favorisierte Identifikation Daberats mit Dabūrye aus topographischer Sicht bevorzugt, wenn auch von einer gesicherten Aussage abzusehen ist.

 

Autor: Johannes Bremer; letzte Änderung: 2021-02-14 23:48:20

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 1 (1979), 541 (Peterson, John L.)
  • EBR 6 (2013), 1 (Viviano, Pauline A., Art. Dabberath)

 

Literatur

Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1882aKlostermann, Erich 1904aAlt, Albrecht 1926aAbel, Félix-Marie 1938aNoth, Martin 1953aIDB 1 (1962), 756 (van Beek, Gus W.) ;  Borée, Wilhelm 1968aZori, N. 1977aVan Dyke Parunak, Henry 1977aAharoni, Yohanan 1984aKallai, Zecharia 1986aNajjar, N.Najjar, N. 1990aGal, Zvi 1992aGal, Zvi/Sutherfield, S. 1993aGrootkerk, Salomon E. 2000aElitzur, Yoel 2004aTimm, Stefan 2017aGaß, Erasmus 2021bGaß, Erasmus 2021a , 113 ;