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Weitere Namen
Jaschub
Lokalisierungsvorschläge
Namensformen AT
Ἰασσ(ε)ιβ, Ιασσηβ
Belege AT
Jos 17,7 LXX
Belege NT
ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)
jšb (Samaria-Ostraka Nr. 48: Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 88; Aḥituv, Shmuel 2008a, 301–302)
Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit
jšwb (Chroniken des Jerahmeels: Gaster, Moses 1899a, §82 Nr.8; Klein, Samuel 1934a, 10; Midrasch Wayyissau: Klein, Samuel 1934a, 13; rabbinische Quellen: Reeg, Gottfried 1989a, 322f)
Beschreibung
Altes Testament
In Jos 17,7 liest die LXX anstelle des masoretischen ʾæl-jošbê („bei den Bewohnern von“) das Toponym Ιασσιβ. Dabei ist nur schwer zu erklären, weshalb die LXX eine verständliche Richtungsangabe als Ortsname wiedergibt, wenn Ιασσιβ nicht den ursprünglichen Text darstellte. Denn an mehreren Stellen übersetzt die LXX jošbê (Jos 17,11) bzw. die Verbindung ʾæl-jošbê (Jos 15,15) wörtlich.
Allerdings liest Jos 17,7-LXX auch die Richtungsangabe jamîn („südlich“) als Toponym (Ἱαμ[ε]ιν) und Jaschib fehlt in der Parallelstelle Jos 16,8 (Jenni, Ernst 1958a, 40; Moster, David 2017a, 245f). Bei Jos 17,7b handelt es sich aber wahrscheinlich um eine späte Glosse, welche die Liste in Jos 17 an Jos 16,8 anpasst. Dabei kam es zu Modifizierungen durch den Glossator: Er ergänzte die Informationen zu Tappuach (Tappuach, efraimitisch) und zum Bach Kana. Möglicherweise kannte der Glossator einen Ort namens Tappuach nicht mehr, weil er nicht mehr bewohnt war oder einen anderen Namen trug. Darum griff der Glossator auf die ihm noch bekannte Quelle En-Tappuach und den Ort Jaschib zurück (Gaß, Erasmus 2019a, 184.212). Das Fehlen von Jaschib in Jos 16,8 spricht daher nicht dagegen, dieses Toponym in Jos 17,7 vorauszusetzen.
Da auch in den Samaria-Ostraka ein Ort namens jšb belegt ist (s.u.), könnte der MT hier an die LXX anzupassen und der Ortsname Jaschib zu lesen sein (vgl. Kallai, Zecharia 1986a, 152f; Elitzur, Yoel 2004a, 381). Das Jod von Jaschib ist möglicherweise durch Metathese von der dritten an die letzte Stelle gerutscht , sodass dann jošbê („Bewohner“) gelesen wurde. Der folglich in Jos 17,7 vorauszusetzende Ortsname Jaschib wäre mit dem folgenden Text als eine Constructusverbindung aufzufassen: „Jaschib bei En-Tappuach“ (vgl. Gaß, Erasmus 2019a, 184; weitere Möglichkeiten bei Elliger, Karl 1937a, 15–17 und Kallai, Zecharia 1986a, 153). Der Ort Jaschib ist daher wahrscheinlich in der Nähe von En-Tappuach zu finden.
Vom Toponym Jaschib zu unterscheiden ist der Personenname Jaschub, der für einen Angehörigen des Stammes Issaschar (Gen 46,13 [?]; Num 26,24; 1Chr 7,1) und für einen Nachkommen Banis (Esr 10,29) belegt ist.
Etymologie
Wahrscheinlich geht der Ortsname Jaschib auf die Wurzel jšb („wohnen, setzen, sich niederlassen“) zurück (vgl. Borée, Wilhelm 1968a, 101). Er kann somit als „Niederlassung; Siedlung“ zu deuten sein (vgl. Jenni, Ernst 1958a, 39).
Außerbiblische Belege
In den Samaria-Ostraka ist ein Ort namens jšb belegt. Auf den in Samaria (Samaria, Ort) gefundenen Ostraka sind Lieferungen aus der Umgebung an die Hauptstadt des Nordreichs dokumentiert. Sie stammen aus der frühen Regierungszeit Jerobeams II. (787–747 v. Chr.) (Aharoni, Yohanan 1984a, 371–385; Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 79–86; Faigenbaum-Golovin, Shira u.a. 2021a; Finkelstein, Israel 2021a). Der Ort Jaschib wird in den Ostraka mit dem Dstrikt Asriël verbunden, der wahrscheinlich südlich von Samaria (Samaria, Ort) bzw. westlich von Sichem lag.
In den Chroniken des Jerahmeels, einer samaritanischen Schrift aus dem Mittelalter, findet sich ein Ort namens jšwb (Jaschub). Nach den Angaben der Chronik befindet sich der Ort unmittelbar nördlich von Tappuach (Tappuach, efraimitisch) (Jenni, Ernst 1958a, 38). Der in den Chroniken des Jerahmeels genannte Ort wird zumeist mit Yasūf identifiziert (Alt, Albrecht 1928a, 65; Elitzur, Yoel 2004a, 381). Eine Gleichsetzung mit dem biblischen Jaschib bzw. mit dem Ort jšb aus den Samaria-Ostraka ist wegen der Ähnlichkeit des Namens wahrscheinlich, allerdings aufgrund des großen zeitlichen Abstands der Dokumente letztlich nicht gesichert (Moster, David 2017a, 245f). Außerdem ist Jaschub wahrscheinlich noch im samaritanischen Josua-Buch und auch in rabbinischen Quellen belegt (vgl. Neubauer, Adolphe 1868a, 90; Klein, Samuel 1934a, 13). Weiterführende Hinweise zur Lage des Orts finden sich in diesen Belegen allerdings nicht.
Lokalisierung
Der aus Jos 17,7-LXX erschlossene Ort Jaschib wird stets mit dem Dorf Yasūf identifiziert, das ca. 19 km südlich von Samaria (Samaria, Ort) liegt (Aharoni, Yohanan 1984a, 376; Finkelstein, Israel 2023a, 474). Hierfür spricht v.a. der Umstand, dass sich am Ort der antike Name erhalten hat; zudem passt der Ort zu den literarischen Angaben: Er liegt in der Nähe von Tappuach (Tappuach, efraimitisch) und En-Tappuach, was den Angaben in Jos 17,7 und den Chroniken des Jerahmeels entspricht. Der Ort Yasūf war in der Eisenzeit II und ab der hellenistisch-römischen Zeit besiedelt (vgl. Finkelstein, Israel u.a. 1997a, 618), was zu den literarischen Belegen passt. Somit ist Yasūf wahrscheinlich mit dem biblischen Ort Jaschib zu identifizieren.
Autor: Jakob M. C. Luz y Graf, 2025; letzte Änderung: 2026-01-31 20:38:08
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Lexikonartikel
Literatur
Neubauer, Adolphe 1868a , 90 ;
Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1882a , 287 ;
Alt, Albrecht 1928a , 65-67 ;
Alt, Albrecht 1931b , 28 ;
Klein, Samuel 1934a , 10.13-14 ;
Elliger, Karl 1937a , 8-10.14-20 ;
Noth, Martin 1938a , 60 ;
Noth, Martin 1953a , 103.146 ;
Cornelius, Friedrich 1958a , 287 ;
Jenni, Ernst 1958a , 38-40 ;
Danelius, Eva 1958a , 125-134 ;
Noth, Martin 1966b , 273 ;
Borée, Wilhelm 1968a , 101 ;
Avi-Yonah, Michael 1976a , 70 ;
Barthélemy, Dominique 1982a , 46 ;
Seebass, Horst 1984a , 72 ;
Aharoni, Yohanan 1984a , 255.371.376.384 ;
Kallai, Zecharia 1986a , 152-153 ;
Reeg, Gottfried 1989a , 322-323 ;
Fritz, Volkmar 1994a , 172 ;
Elitzur, Yoel 2004a , 381 ;
Rösel, Hartmut N. 2011a , 280 ;
Butler, Trent C. 2014a , 109.140 ;
Moster, David 2017a , 245-246 ;
Gaß, Erasmus 2019a , 184 ;
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