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Jebus

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Jebusiter; Jebusiterstadt; Jébus ; Jebis ; Iebus ; Jebusi

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

יבוס jebûs. Ιεβους

Belege AT

Jos 15,8 LXX; Jos 18,28 LXX; Ri 19,10-11; 1Chr 11,4-5
gent. Jebusiter Gen 10,16; Gen 15,21; Ex 3,8; Ex 3,17; Ex 13,5; Ex 23,23; Ex 33,2; Ex 34,11; Num 13,29; Dtn 7,1; Dtn 20,17; Jos 3,10; Jos 9,1; Jos 11,3; Jos 12,8; Jos 15,8 MT; Jos 15,63; Jos 18,16; Jos 18,28 MT; Jos 24,11; Ri 1,21; Ri 3,5; Ri 19,11; 2Sam 5,6; 2Sam 5,8; 2Sam 24,16; 2Sam 24,18; 1Kön 9,20; Sach 9,7; Esr 9,1; Neh 9,8; 1Chr 1,14; 1Chr 11,4; 1Chr 11,6; 1Chr 21,15; 1Chr 21,18; 1Chr 21,28; 2Chr 3,1; 2Chr 8,7
 

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ιεβουσαιος (Jdt 5,16; Josephus, antiquitates 1,139)
Ἰεβουσ (Eusebius, Onomastikon 106,7: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a 102, Nr. 531)
jbws’j (Targum Onkelos und Targum Pseudo-Jonatan zu Gen 10,16: Sperber, Alexander 1959a, 14; Díez Macho, Alejandro 1988a, 65)
jbwsj’ (Targum Neofiti zu Gen 10,16: Díez Macho, Alejandro 1968a, 54f; Díez Macho, Alejandro 1988a, 64)

Beschreibung

Jebus soll ein anderer Name für Jerusalem sein (Jos 18,28; Ri 19,10; 1Chr 11,4). Allerdings wird Jerusalem in keinem außerbiblischen Dokument Jebus genannt. Daher wird Jebus als literarische Bildung verstanden, die von dem über vierzig Mal im Alten Testament belegten Gentilizium hajebûsî („der Jebusiter“) abgeleitet ist. Die Jebusiter sind nach alttestamentlicher Überlieferung eine Gruppe der autochtonen vorisraelitischen Bevölkerung Kanaans (Gen 15,21 u.ö.). Sie gelten als Bewohner des Berglands im Gegensatz zu den Kanaanitern, die in der Küstenebene und im Jordantal leben (Num 13,29; Jos 11,3). Für die These einer literarischen Abhängigkeit des Ortsnamens vom Gentilizium sprechen textkritische Beobachtungen zu Jos 15,8 und Jos 18,28. Der masoretische Text hat jeweils das Gentilizium hajebûsî („der Jebusiter“), während LXX den Ortsnamen Ιεβους („Jebus“) liest. Auch die Ri 19 neben Jebus (Ri 19,10) verwendete Namensform „Stadt des Jebusiters“ ‘îr-hajebûsî (Ri 19,11; Jebusiterstadt) zeigt die Abhängigkeit des Ortsnamens vom Gentilizium. Mehrfach werden die Jebusiter entweder als Bewohner des Umlands von Jerusalem (2Sam 5,6; 1Chr 11,4) oder der Stadt selbst gekennzeichnet (Jos 15,63; Ri 1,21; 19,11). Ob jedoch die Vermutung zutrifft, dass es sich bei ihnen um einen vorisraelitischen Clan handelte, der bei Jerusalem beheimatet war und Anlass dafür gab, den Südwesthügel der Stadt „Bergrücken des Jebusiters“ (kætæp hajebûsî; Jos 15,8; Jos 18,16) zu nennen, erscheint zweifelhaft. Ebenso ist die vermeintliche Herkunft der Jebusiter ungeklärt, obwohl mitunter hurritische oder hetitische Ursprünge postuliert werden (Gerhards, Meik 2009b). Ob der Name Arauna, den die einzige als Jebusiter namentlich bezeichnete Person im Alten Testament trägt (2Sam 24; 1Chr 21; 2Chr 3,1), aus dem Hetitischen abzuleiten ist, bleibt offen. Auch der enigmatische Vers Ez 16,3, der in bildhafter Sprache sagt, die Mutter Jerusalems sei eine Hetiterin gewesen, ist kaum historisch auszuwerten. Vielmehr liegt die Annahme näher, sowohl das Gentilizium Jebusiter als auch den Ortsnamen Jebus als literarische Konstruktionen zu verstehen mit dem Ziel, die vorisraelitische Bevökerung gegenüber denjenigen, die sich als Israel verstanden, begrifflich abzusetzen (Uehlinger, Christoph 1996a; Hübner, Ulrich 2002a). Dagegen versteht Miller Jebus als ursprünglich eigenständiges Toponym (Miller, James Maxwell 1974a), wobei er die Gleichsetzung von Jebus mit Jerusalem, wie die meisten Auslegenden (s.o.), als eine literarische Bildung aus persischer oder hellenistischer Zeit versteht. Er sucht Jebus in dem ca. 4,5 km nördlich der Jerusalemer Altstadt gelegenen Ort Ša‘fāṭ (1716.1356). Dabei stützt sich Miller v.a. auf die Wegbeschreibungen und Tageszeitangaben in Ri 19,10-15, die eine kurze Wegstrecke zwischen Jebus und Gibea (Gibea, Benjamin) voraussetzen. Miller lokalisiert Gibea (Gibea, Benjamin) nicht auf dem ca. 5 km nördlich von Jerusalem gelegenen Tell el-Fūl  (1719.1367), sondern in dem ca. 10 km von Jerusalem entfernten Ort Ǧeba‘ (1749.1405), wo auch Geba gesucht wird. Daher war seiner Ansicht nach der in Ri 19,10-15 erzählte Weg von Jebus/Jerusalem nach Gibea (Gibea, Benjamin) nicht zwischen dem Beginn der Abenddämmerung (Ri 19,11) und dem Sonnenuntergang (Ri 19,14) zu bewältigen. Gleichzeitig sieht Miller sich gezwungen, einige Geländeangaben, die in alttestamentlichen Texten eng mit der Stadt Jerusalem verbunden sind, nördlich der Stadt zu lokalisieren (Rogel-Quelle; Hinnomtal), was kaum nachzuvollziehen ist. Zudem stammen die frühesten archäologisch nachweisbaren Siedlungsspuren in Ša‘fāṭ aus der Eisenzeit II (Kloner, Amos 2001a, 48*f). Die Besiedlung des Platzes reicht demnach nicht in die vorkönigliche Zeit zurück. Darüber hinaus erscheint es fraglich, ob die symbolisch konnotierten Tageszeitangaben der literarisch gestalteten Erzählung von Ri 19 rationalisierend für historisch-topographische Bestimmungen ausgewertet werden sollten.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:05:35

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 806 (Molin, Georg, Art. Jebus)
  • NBL 2 (1995), 280 (Schottroff, Willy, Art. Jebus); 2 (1995), 280f (Schottroff, Willy, Art. Jebusiter)
  • ABD 3, 652f (Reed, Stephen A., Art. Jebus)
  • WiBiLex 2011 (Gaß, Erasmus, Art. Jebus / Jebusiter); 2016 (Bieberstein, Klaus, Art. Jerusalem, 2.4.)
  • EBR 13 (2016), 822-823 (Meyer, Esias, Art. Jebus, Jebusites)

 

Literatur

Gunkel, Hermann 1910a ,90 ;  Mazar, Benjamin 1930aAbel, Félix-Marie 1933a , 320 ;  Simons, Jan 1959a , 47 § 128 ;  Westermann, Claus 1974a , 696 ;  Miller, James Maxwell 1974aPriebatsch, Hans Yohanan 1975aKeel, Othmar u.a. 1984a , 300f ;  Franken, Hendricus Jacobus / Steiner, Margreet L. 1992aUehlinger, Christoph 1996aKloner, Amos 2001a , 48*f ;  Hübner, Ulrich 2002aGerhards, Meik 2009bGroß, Walter / Gaß, Erasmus 2012a , 323-362 ;  Na’aman, Nadav 2014cLipiński, Edward 2018a , 5-7 ;