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Ortsangaben der Bibel (odb)
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Dotan

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Dothan

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

דתן dotān. Δωθαϊμ

Belege AT

Gen 37,17; 2Kön 6,13

Belege aus altorientalischen Dokumenten

ttyn ? (ägyptisch: Hannig, Rainer 2006a, 1205)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Δωθαϊμ (Jdt 3,9; Jdt 4,6; Jdt 7,3; Jdt 7,18; Jdt 8,3)
Δωθαειμ (Josephus, antiquitates 9,54; Eusebius, Onomastikon 76,13−16: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 75, Nr. 371
*Δωθαειμ (Mosaikkarte von Mādebā: Donner, Herbert 1992a, 49f, Nr. 38)
dwtn (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 205f)
 

Beschreibung

In Listen der Pharaonen Thutmoses III. und Amenophis III. aus dem 15. und 14. Jh. v.Chr. ist ein dtyn bzw. ttyn erwähnt, das dem Zusammenhang nach im nördlichen Palästina oder in Syrien gelegen haben sollte. Die Identität mit dem biblischen Dotan wird kontrovers diskutiert (Görg, Manfred 1989b, 68f). Eine sichere Entscheidung ist aufgrund der schmalen Textbasis nicht möglich. Im Alten Testament wird Dotan nur zwei Mal erwähnt. Es ist der Ort, an dem Josef mit seinen Brüdern zusammentrifft und anschließend von ihnen an eine nach Ägypten ziehende Handelskarawane verkauft wird (Gen 37). Nach 2Kön 6,13−19 wird Dotan während der Auseinandersetzungen zwischen Aram-Damaskus und Israel-Samaria von einem aramäischen Kontingent belagert, während sich Elischa dort aufhält. Die Belegstellen weisen auf eine Lage an einer überregionalen, für den Handel und für militärische Aktionen wichtigen Wegverbindung nördlich von Sichem (vgl. Gen 37,14). Auch im Juditbuch ist der Ort mehrfach als Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen, in diesem Fall mit dem „assyrischen“ Feldherrn Holofernes, genannt. Die Texte setzen voraus, dass Dotan bei Jesreel (Jdt 3,9; Jdt 7,3) bzw. am Rand der Jesreelebene (Ebene Jesreel) liegt (Jdt 4,6). Eusebius lokalisiert den Ort zwölf Meilen nördlich von Sebaste, dem alttestamentlichen Samaria (Samaria, Ort; Sebasṭīye 1680.1870). Alle aus den genannten Quellen zu entnehmenden Lageangaben sowie die Kontinuität der Namensüberlieferung sprechen für eine Lokalisierung von Dotan auf Tell Dōṯān. Der Siedlungshügel liegt etwa 22 km nördlich von Sichem und ca. 15 km nördlich von Samaria in den Ausläufern des samarischen Berglands am Südrand der Jesreelebene. Er kontrolliert eine alte Wegverbindung, die von Samaria in die Jesreelebene nach Bet-Schean (Tell el-Ḥuṣn 1975.2123) und weiter ins nördliche Ostjordanland bis nach Damaskus führte (Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992a; 1993). Zwischen 1953 und 1964 wurden auf Tell Dōṯān Ausgrabungen durchgeführt, die noch nicht vollständig dokumentiert sind. Der vorläufige Befund deutet auf eine nahezu kontinuierliche Besiedlung vom Chalkolithikum (4. Jt. v.Chr.) bis in mamlukische Zeit (13.−16. Jh. n.Chr.). Die wichtigsten Siedlungsphasen waren in der Frühbronzezeit (3. Jt. v.Chr.) und in der Eisenzeit II (9.−7. Jh. v.Chr.), als jeweils eine befestigte Stadtanlage existierte. Aus der Spätbronzezeit und der Eisenzeit I am Übergang vom 2. zum 1. Jt. v.Chr. sind Grabfunde nachgewiesen. In hellenistischer und in römischer Zeit bestand eine kleine Siedlung.

[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:55:01

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 351 (Elliger, Karl, Art. Dothan)
  • NBL 1 (1991), 441 (Görg, Manfred, Art. Dotan)
  • ABD 2 (1992), 226-227 (Dever, William G., Art. Dothan)
  • NEAEHL 1 (1993), 372–374 (Ussishkin, David/Cooley, Robert E./Pratico, Gary D., Art. Dothan)
  • RGG4 2 (1999), 960 (Lehmann, Gunnar, Art. Dothan)
  • EBR 6 (2013), 1114-1115 (Master, Daniel, Art. Dothan)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 308 ;  Schmitt, Götz 1987aWeippert, Helga 1988a , Register ;  Görg, Manfred 1989bKellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aCooley, Robert E. / Pratico, Gary D. 1994aTsafrir, Yoram u.a. 1994a , 113 ;  Cooley, Robert E. / Pratico, Gary D. 1995aMaster, Daniel M. 2005aMaster, Daniel M. 2008aBryce, Trevor 2009a , 201f ;  Jericke, Detlef 2013a , 228f ;