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Tofel

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Tophel

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

תפל topæl. Τοφολ

Belege AT

Dtn 1,1

Belege aus altorientalischen Dokumenten

dpr (ägyptisch: Hannig, Rainer 2006a, 1207) ?
*dabilu / *ṭābilu (neuassyrisch, ND 2773, Zeile 5: Saggs, Henry W.F. 1955a, 131‒133; Parpola, Simo 1970a, 361; Bagg, Ariel M. 2007a, 263; Gaß, Erasmus 2009a, 118f) ?

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

’tplw (Targum Onkelos zu Dtn 1,1: Sperber, Alexander 1959a, 289)

Beschreibung

Die Wendung „zwischen Paran und Tofel“ in Dtn 1,1 könnte die gesamte Erstreckung des Gebiets der Wüstenwanderung der Israeliten angeben. In diesem Fall bezeichnete Paran (Wādī Fērān im Südwesten der Sinaihalbinsel) den äußersten Südwesten, Tofel den Nordosten. Somit wäre eine Gleichsetzung von Tofel mit eṭ-Ṭafīle (2076.0276) auf dem südjordanischen Gebirge südöstlich des Toten Meers (Salzmeer) ca. 10 km nördlich des edomitischen Vororts Bozra (Buṣēra 2077.0170) möglich (Abel, Félix-Marie 1938a, 487; Cazelles, Henri 1959a; Aharoni, Yohanan 1984a, 446). Der Platz liegt ca. 12 km südlich vom Bach Sered (Wādī el-Ḥeṣā), der die Südgrenze Moabs nach Edom hin markiert, und damit nicht weit vom Endpunkt der Wüstenwanderung in Moab selbst (Num 22,1 u.ö.). Allerdings bereitet die Syntax in Dtn 1,1 Schwierigkeiten, da zumindest zwei der nach Tofel genannten Orte (Laban, Hazerot) auf der Sinaihalbinsel gesucht werden. Letzteres könnte auch für Tofel gelten, ohne dass ein genauerer Haftpunkt für eine solche Lokalisierung vorliegt. Zudem wird gegen eine Gleichsetzung von Tofel mit eṭ-Ṭafīle der sprachgeschichtlich nicht zu erklärende Wechsel von t zu eingewandt (Perlitt, Lothar 1990a, 13; anders Cazelles, Henri 1959a). Möglicherweise ist der in einem spätzeitlichen ägyptischen Text genannte Ort dpr mit eṭ-Ṭafīle identisch (Cazelles, Henri 1959a). In dem Text ist vom Asphalthandel die Rede. Daher sollte dpr in der Nähe des Toten Meeres (Salzmeer) an einem Handelsweg liegen. Beides trifft auf eṭ-Ṭafīle zu, da der Platz vermutlich nicht weit von der durch das Ostjordanland führenden Königsstraße (Num 20,17; Num 21,22) entfernt war. Die mögliche Identifikation von dpr mit eṭ-Ṭafīle bedeutet allerdings nicht zwangsläufig auch die Gleichsetzung des ägyptischen Toponyms mit dem alttestamentlichen Tofel. Umstritten ist auch, ob der in einer neuassyrischen Inschrift aus kalḫu / Nimrūd (Kelach) genannt Ort *dabilu (oder *ṭābilu: ND 2773, Zeile 5; Saggs, Henry W.F. 1955a, 131‒133; Gaß, Erasmus 2009a, 118) mit eṭ-Ṭafīle gleichzusetzen bzw. auf Tofel zu beziehen ist. Der Textzusammenhang ist so zu verstehen, dass der Ort in Moab liegt, da ein als „Dabiläer“ (KURda-ab-i-la-a-a, alternative Lesung KURṭa-ap-i-la-a-a; vgl. Bagg, Ariel M. 2007a, 263) bezeichneter Funktionär über einen Angriff einer „Gidiräer“ genannten Gruppe (vgl. RLA 8, 322) auf Moab berichtet (Gaß, Erasmus 2009a, 119f). Da jedoch eṭ-Ṭafīle bereits in dem Gebiet liegt, das in alttestamentlicher Zeit zu Edom gerechnet wurde, erscheint es wenig wahrscheinlich, dass der Ort mit dem neuassyrischen Toponym *dabilu / *ṭābilu in Deckung zu bringen ist. Mitunter wird daher aus dem Gentilizium in ND 2773 der Ortsname *dābānu statt *dabilu erschlossen (Vera Chamaza, Galo W. 2005a, 137) und dieses *dābānu gleichzeitig mit dem moabitischen Vorort Dibon identifiziert (so bereits Donner, Herbert 1957a, 171; kritisch Gaß, Erasmus 2009a, 119). Augenscheinlich handelt es sich dabei jedoch um eine Textänderung, die den philologischen Befund mit unserem historisch-topographischen Wissen in Übereinstimmung zu bringen versucht. Die Frage, ob die genannten Toponyme mit eṭ-Ṭafīle gleichzusetzen sind, wird dadurch erschwert, dass aufgrund der neuzeitlichen Überbauung (ca. 40.000 Einwohner um 2010) bisher keine substantiellen  archäologischen Befunde bekannt sind. Isofern bleibt angesichts der komplexen Quellenlage offen, ob Tofel mit einem der genannten altvorderorientalischen Toponyme identisch zu sehen oder ob die alttestamentliche Ortsangabe aus Dtn 1,1 mit der heutigen Stadt eṭ-Ṭafīle im südlichen Jordanien gleichzusetzen ist.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:56:15

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 8 (1993-1997), 318-325 (Weippert, Manfred, Art. Moab)
  • ABD 6 (1992), 600 (Younker, Randall W., Art. Tophel)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 487 ;  Donner, Herbert 1957a , 171 ;  Simons, Jan 1959a , 255f § 431 ;  Cazelles, Henri 1959aMittmann, Siegfried 1973a , 16-18 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 446 ;  Bartlett, John R. 1989a , 52f ;  Perlitt, Lothar 1990a , 13 ;  Van Buylaere, Greta 2002aHeckl, Raik 2004a , 53 ;  Veijola, Timo 2004a , 12f ;  Worschech, Udo 2004aVera Chamaza, Galo W. 2005a , 136f ;  Jericke, Detlef 2008b , 46f ;  Gaß, Erasmus 2009a , 118‒120 ;  Otto, Eckart 2012a , 313-315 ;