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Jafia

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Japhia, Yaphia

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

יָפִיעַ yāfiy’a, Ιαφαγαι (LXX-A), Φαγγαι (LXX-B), ἰάφεθ (V = Codex vaticanus graecus), Ιαφειε (LXX-O Ms G 426; LXX-Ms 15), Ιαφφιε (LXX-Ms 108), Ιαφαγαι (LXX-Mss A, N u.a.)

Belege AT

Jos 19,12

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Der Amarna-Korrespondenz ist die Nennung ja-pu (EA 365:26) inne, welches von Megiddo aus beherrscht wurde, dem es unterstellt und zu Frondiensten verpflichtet war. Eine Identifikation mit Yāfā resp. Jafia ist allerdings nicht sicher (siehe bereits Alt , Albrecht 1923a, 38; Kallai, Zechariah 1986a, 185; Aharoni, Yohanan 1984a, 178; Elitzur, Yoel 2004a, 311).

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Nach Jos Bell. II, xx, 6, 573 (s. auch Vit. 188) gehörte Yāfā (Ἰαφὰ) gemeinsam mit Jotapata, Bersabe und Selamin, Kapharekcho und Sigoph zu „geeigneten Orten“ (χωρίων ἐτείχιζεν) zur Verteidigung gegenüber den erwarteten Angriff der römischen Truppen von Norden, über Galiläa. Jos Bell III, vii, 31, 289 zufolge wurde das extrem wehrhafte, sich durch seine gute Lage sowie durch zwei Ringmauern geschützte (s. auch Jos. Vit. 230, 270) Yāfā (Ἰαφὰ) jedoch schließlich durch Trajans Truppen eingenommen. Dass es sich bei dem Yāfā (Ἰαφὰ) Josephus' um das biblische Jafia handelt, ist jedoch verdächtig, siehe unten "Beschreibung".
Eusebius listet den Eintrag Ίαφειε, zu Sebulon gehörend (Timm, Stefan 2017a, 138, Zeilen 4-6, Nummer 559) und identifiziert Ίαφειε mit Ίόππη. (siehe auch Elitzur, Yoel 2004a, 311).

Beschreibung

Biblischer Befund:
Jos 10,3 nennt Jafia als König von Lachisch. Die Aufzählung 2Sam 5,14b-16 sowie 1Chr 3,7; 14,6 nennt Jafia neben Schima, Schobab, Natan, Salomo (2Sam 5,14b), als in Jerusalem geborener Sohn Davids. Als Ortsname wird Jafia ausschließlich in der Grenzliste Sebulons in Jos 19,12 genannt. Der Beschreibung dort zufolge verläuft die Grenze von Sarid (Tell Šādûd) ausgehend ostwärts Richtung Kislot-Tabor (Iksāl) und Daberat (Dabūrye [favourisiert, s. ebd.]) und steigt auf (עלה Qal) nach Jafia (וְעָלָה יָפִיעַ, Jos 19,12bβ), von wo die Grenze weiter nach Gat-Hefer, Et-Kazin und Rimmon und schließlich nach hin Nea verläuft (Jos 19,13).
 
Etymologie:
Die Etymologie Jafias ist nicht sicher. Die auch im Ugaritischen (s. Loretz, Oswald 1980a, 284-285) belegte Wurzel YP‘ („hochwachsen“, „heranwachsen“) verweist auf einen „hochgelegenen Ort“ (vgl. aram. yafa’a „Hügel, Hochland“. Ein Rückbezug auf das keilschriftliche ja-pu (EA 365:26), den bereits A. Alt mit dem Hinweis: „Die schon längst beanstandete atl. Form wird durch das keilschriftl. japu hier vollends zweifelhaft.“ (Alt, Albrecht 1923a, 38) kommentierte, ist nicht sicher (Borée, Wilhelm 1968a, 101). Dies tangiert wesentlich die Frage der Identifikation Jafias mit Yāfā, die, wenngleich häufig angenommen (s. u.a. Abel, Félix-Marie 1938a, 63; Aharoni, Yohanan 1984a, 271; Borée, Wilhelm 1968a, 101; Elitzur, Yoel 2004a, 311 - s. unten zu „Lokalisierung“), aufgrund des nicht erklärbaren Entfall des Ajins als letzten Konsonanten Jafias problematisch und daher mit einem Fragezeichen zu versehen ist.
 
Lokalisierung (Identifikation mit Yāfā?):
Jafia wird zumeist mit der Ortschaft Yāfā identifiziert, welche sich ca. 1,5 km süd-westlich von Nazareth befindet (Abel, Félix-Marie 1938a, 63; Aharoni, Yohanan 1984a, 271; Borée, Wilhelm 1968a, 101; Elitzur, Yoel 2004a, 311; u.v.a.). Funde in Yāfā deuten auf eine Synagoge und lassen süd-östlich auf Gräber schließen (Site 85). Unweit (Site 86) befand sich eine Art „Vorstadt“, die von Site 85 nur schwierig abzugrenzen ist. Keramik u.a. kann im Hinblick auf eine Besiedlung in der Eisen I-III sowie in der Perser- und hellenistische Zeit interpretiert werden, was keine einigermaßen sichere Argumentation zulässt. In der Nähe lassen eine Weinpresse und wenige Keramikfunde auf eine landwirtschaftliche Installation in die Eisen II-Zeit schließen (Site 84, siehe http://www.antiquities.org.il/survey/new/default_en.aspx). Neben dem archäologischen Befund ist eine Identifizierung Jafias mit Yāfā vor dem alleinigen biblischen Beleg Jos 19,12 aus literarischen Gründen insofern verdächtig, als der Ausfall des Ajin als letzten Konsonanten Jafias nicht erklärt werden kann (Noth, Martin 1957a, 256, Anm. 4; Van Dyke Parunak, Henry 1977a, 53-54).
Eine Identifikation mit Yāfā ist aber auch aus topographischen Gründen schwierig: Bei der Grenzbeschreibung Sebulons gemäß Jos 19,12 handelt es sich bei קֵדְמָה מִזְרַח הַשֶּׁמֶשׁ (Jos 19,12aβ) zunächst um eine bei Sarid ansetzende Richtungsangabe zur Beschreibung der Südostgrenze. Nach Jos 19,12bα erreicht diese in östlicher Richtung zunächst Daberat, welches mit Ḫirbet Dabūra oder (eher) mit Dabūrye (siehe Art.  Daberat) identifiziert wird. Sowohl Ḫirbet Dabūra als auch Dabūrye liegen jedoch westlich von Yāfā, sodass die Grenzbeschreibung hier rückwärtsgewandt verlaufen würde. Ein Aufstieg nach Yāfā gemäß V. 12bβ (וְעָלָה יָפִיעַ) wäre nur ohne V. 12bα (וְיָצָא אֶל־הַדָּבְרַת) logisch nachvollziehbar. Allerdings liegt weder ein Indiz für eine literarkritische Ausscheidung von V. 12bα vor, noch könnte eine redaktionsgeschichtliche Einfügung plausibel gemacht werden.  
 
Drei Optionen zum Grenzverlauf Sebulons
Daher ergeben sich drei Optionen zur Rekonstruktion des Grenzverlaufes der Süd-Ost-Grenze Sebulons.
(1) Festhalten an der Rehenfolge der Grenzbeschreibung und der Identifikation mit Yāfā: Der Grenzverlauf würde dann von Sarid entlang des Berghangs Richtung Osten verlaufen (wie er gemäß Jos 19,11 Richtung Westen verläuft) und von Ḫirbet Dabūra zurück nach Yāfā aufsteigen. Diese Option entbehrt aber topographisch jeglicher Plausibilität. Z. Kallai hat der Annahme der Identifikation mit Yāfā daher vehement widersprochen („quite inadmissible“, Kallai, Zecharia 1986a, 185): „From Sarid this border would continue along the edge of the mountain to Mount Tabor without including the lands of the Valley of Chesulloth in Zebulon’s allotment, and from the Tabor the line would revert in the precisely opposite direction uphill to Yāfa. This narrow strip on the slopes of the Nazareth Mountains is irrational.” (Kallai, Zecharia 1986a, 186)
(2) Ignorieren der Reihenfolge der Grenzbeschreibung: Eine Plausibilität der Grenzbeschreibung Jos 19,12 ist nur gegeben, wenn der Aufstieg nach oder Richtung des mit Yāfā identifizierten Jafias vor der weiteren Beschreibung des Grenzverlaufs gegen Kislot Tabor und Daberats erfolgt. Demnach verliefe der Grenzverlauf weiter entlang des südlichen Berghügels, jedoch oberhalb Sarids. Diese Option wäre allerdings nicht nur mit einer Umstellung des Verses Jos 19,12 verbunden, die zum einen mit einem nicht literarkritisch plausiblen Eingriff in den überlieferten nicht nur Masoretischem Text, sondern auch der Bezeugungen der Septuaginta u.a. einherginge. Zum anderen könnte auch nicht begründet werden, weshalb nach dem Aufstieg nach Yāfā die Grenzlinie wieder in das niedriger gelegene Ḫirbet Dabūra oder (favorisiert) Dabūrye erfolgen würde.
Beide Optionen erscheinen deshalb nicht wahrscheinlich.
(3) Festhalten an der Beschreibung des Verlaufs der Grenzbeschreibung bei Aufgabe der Identifikation mit Yāfā: Topographisch würde sich eine Lokalisierung Jafias anstelle der Identifikation mit Yāfā oberhalb von Ḫirbet Dabūra oder Dabūrye nahelegen. Die Grenzbeschreibung erfolge dann von Sarid ausgehend entlang des Hangs nach Westen bis Ḫirbet Dabūra oder (eher) Dabūrye und von dort den Hang aufsteigend (וְעָלָה). Eine gesicherte Identifikation Jafias kann entsprechend nicht angenommen werden. Z. Gal weist in seinem Survey auf verschiedene agrikulturelle Anlagen oberhalb von Ḫirbet Dabūra, die auch in die Eisen- und hellenistische Zeit verweisen, wie u.a. ‘Enot Sho'im (Site 41), Nahal Baraq (Site 43) u.a. Das ebenfalls oberhalb Ḫirbet Dabūra lokalisierte angenommene Turmfundament (Site 50) datiert Z. Gal in die byzantinische Zeit, sodass sich hier kein Anhaltspunkt für eine Identifizierung bietet.
Vor diesem Hintergrund scheint eine Identifikation Jafias mit Yāfā nicht plausibel. E. Gaß schlägt vor, im Hinblick auf die Etymologie Jafia zu Ungunsten einer konkreten Verortung als geographisches Feature, welches nach einem Aufstieg (‘LH Qal) erreicht wird, zu verstehen (Gaß, Erasmus 2021a, im Druck).

 

Autor: Johannes Bremer; letzte Änderung: 2021-02-15 00:07:27

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 3 (1992), 642-643 (Howard, D.)
  • NEAEHL 2 (1993), 659-660 (Barag, Dan)
  • EBR 13 (2016), 773f (Gaß, Erasmus, Art. Japhia)

 

Literatur

Conder, Claude R. / Kitchener, Herbert H. 1882aKlostermann, Erich 1904aAlt, Albrecht 1923aAbel, Félix-Marie 1938aNoth, Martin 1953aSimons, Jan 1959aIDB 2 (1962), 802 (Johnson, R. F.) ;  Borée, Wilhelm 1968aZori, N. 1977aVan Dyke Parunak, Henry 1977aLoretz, Oswald 1980aAharoni, Yohanan 1984aBoling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984aKallai, Zecharia 1986aGal, Zvi 1992aNelson, Richard D. 1997aGrootkerk, Salomon E. 2000aElitzur, Yoel 2004aTimm, Stefan 2017aGaß, Erasmus 2021b