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Sibma

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Sibmah; Sebam; Shebam

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

שבמה  śibmāh. Σεβαμ

Belege AT

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Σαβαμα (Eusebius, Onomastikon: Timm 203,8f, Nr. 824; Klostermann 154,12–14; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 144, Nr. 822) [Hieronymus: Sabama]

Beschreibung

Name

Die Namensform śebām in Num 32,3 wird gewöhnlich als Variante zu śibmāh verstanden (Levine, Baruch A. 2000a, 484; Seebass, Horst 2007a, 323), zumal LXX Σεβαμα schreibt wie sonst auch für Sibma.

Textdokumente

Der Vers Num 32,3 nennt Sebam/Sibma nach Heschbon und Elale und vor Nebo (Nebo, Ort) und Beon (Baal-Meon). Daher ist Sibma südwestlich von Heschbon zu suchen. Auch die Formulierungen in Jes 16,8-9 und Jer 48,32 lassen an eine Lage in der Nähe von Heschbon denken. Hieronymus nennt als Entfernung zwischen Heschbon und Sibma vix quingenti passus „kaum fünfhundert Schritte“ (MignePL 24, 177). Ob es sich dabei um eine zutreffende Angabe handelt oder um eine Redewendung wie etwa „ein Katzensprung“ (Mittmann, Siegfried 1995a, 21f), ist schwer zu entscheiden. Die Wendung „Weinstock von Sibma“ (Jes 16,8-9; Jer 48,32) scheint auf Weinanbau in der Gegend von Sibma zu deuten. Gleichzeitig ist davon die Rede, dass die Reben und Ranken des Weinstocks bis „in die Wüste“ und „bis hin zum Meer“ reichen (Jes 16,8). Vielleicht meint diese Formulierung, dass der Ort unmittelbar am Rand des ostjordanischen Hochlands lag, wo der gebirgige und zumindest im unteren Teil wüstenartige Abfall zum Toten Meer (Salzmeer) beginnt. Möglich ist auch die Deutung, dass die gesamte Ausdehnung des Landes von Ost („Wüste“) nach West („Meer“) umschrieben werden soll (Beuken, Willem A.M. 2007a, 138).

Lokalisierung

Ein zuverlässiger und breit akzeptierter Vorschlag zur Lokalisierung von Sibma liegt bislang nicht vor.
Die topographischen Angaben der alttestamentlichen Texte führen auf die Ḫirbet ʿUyūn Mūsā (Kellermann, Diether u.a. 1992; Mittmann, Siegfried 1995a, 21f; Gaß, Erasmus 2009a, 188). Der Platz liegt etwa 7 km südwestlich von Heschbon unmittelbar nördlich des Bergs Nebo (Nebo, Berg). Auf Ḫirbet ʿUyūn Mūsā wurde ein ca. 200 x 80 m großes ummauertes Areal mit einem ca. 15,5 x 16 m großen Turm gefunden. Die Keramik umfasst Stücke der Eisenzeit I und II sowie der persischen Zeit (Glueck, Nelson 1935a, 110; Kuschke, Arnulf 1960a, 26f; Ibach, Robert D. 1987a, 25, Nr. 108; Zwickel, Wolfgang 1990a, 164). Obwohl die Argumente für eine Gleichsetzung mit Sibma plausibel erscheinen, wird auf Ḫirbet ʿUyūn Mūsā mit guten Gründen auch Bet-Pegor gesucht.
Daneben wird häufig die Ḫirbet Qarn el-Kabš zur Lokalisierung von Sibma vorgeschlagen (u.a. Abel, Félix-Marie 1938a, 458; Kuschke, Arnulf 1961a, 28; vgl. MacDonald, Burton 2000a, 116f, weitere s. Gaß, Erasmus 2009a, 188f, Anm. 964). Der Platz liegt etwa 4 km südwestlich von Heschbon am westlichen Rand des ostjordanischen Hochlands unmittelbar über dem gebirgigen Abfall in den Jordangraben. Er entspricht damit den alttestamentlichen Hinweisen und in etwa den Angaben von Hieronymus. Allerdings sind von Ḫirbet Qarn el-Kabš bislang keine archäologischen Reste der alttestamentlichen Zeit belegt. Lediglich Keramik der Frühbronzezeit wurde gefunden, neben einzelnen Scherben der römischen und byzantinischen Zeit (Glueck, Nelson 1935a, 111; Ibach, Robert D. 1987a, 12, Nr. 19; Savage, Stephen H. 2001a; Savage, Stephen H. / Rollefson, Gary O. 2001a, 221–223; Savage, Stephen H. 2002a). Der Vorschlag, den Platz mit Sibma gleichzusetzen, beruht auf einer Fehlinterpretation der Beschreibung Gluecks, der im Abschnitt zu Ḫirbet Qarn el-Kabš auch die Funde der gesamten Region um den Berg Nebo (Nebo, Berg) zusammenfasst und dabei eisenzeitliche und nabatäische Reste erwähnt.
Zwei weitere Ortslagen nördlich von Heschbon, die vereinzelt in die Diskussion um die Lage von Sibma eingebracht wurden und werden, entsprechen nicht den Angaben der alttestamentlichen Texte, die eine Lage südlich von Heschbon erwarten lassen. Die Geländeformation el-Karmiye „Weingarten“ unmittelbar nordöstlich von Heschbon lässt sich zwar mit der Entfernungsangabe des Hieronymus in Deckung bringen, verweist jedoch allenfalls auf den  alttestamentlich bezeugten Weinanbau in der Region (Conder, Claude R. 1889a, 221; Simons, Jan 1959a, 118 § 298). Auch auf der Ḫirbet Sāmīye ca. 3,5 km nordwestlich von Heschbon (Musil, Alois 1907a, 355f; Piccirillo, Michele 2001a) könnte sich andeutungsweise der alte Name Sibma/Sebama erhalten haben. Der Platz zeigt Besiedlungsspuren aus der Frühbronzezeit, der späten Eisenzeit II bzw. der persischen Zeit und aus der hellenistischen Zeit (Ibach, Robert D. 1987a, 19; Zwickel, Wolfgang 1990a, 169). Er liegt auf einem Plateauvorsprung unmittelbar über dem Wādī Ḥisbān und damit, ähnlich wie die Ḫirbet Qarn el-Kabš, über dem Abfall zum Jordangraben, allerdings wohl zu weit nördlich, um mit Sibma in Verbindung gebracht zu werden (s.o.).

 

Autor: Detlef Jericke, 2022; letzte Änderung: 2022-05-21 17:07:48

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 6 (1992), 1f (Franklyn, Paul Nimrah, Art. Sibmah)

 

Literatur

Conder, Claude R. 1889a , 221 ;  Musil, Alois 1907a , 355f ;  Glueck, Nelson 1935a , 110f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 458 ;  Noth, Martin 1944a , 50 ;  Noth, Martin 1953a , 80 ;  Simons, Jan 1959a , 118 § 298 ;  Zyl, Albertus H. van 1960a , 91 ;  Kuschke, Arnulf 1960a , 26f ;  Kuschke, Arnulf 1961a , 28 ;  Kuschke, Arnulf 1965a , 92 ;  Noth, Martin 1971a , 427 ;  Wüst, Manfried 1975a , 144f.161 ;  Noth, Martin 1977a , 207 ;  Wildberger, Hans 1978a , 627 ;  Weippert, Manfred 1979a , 21 ;  Ibach, Robert D. 1987a , 12.19.25 ;  Zwickel, Wolfgang 1990a , 164.169 ;  Worschech, Udo 1991a , 191 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aFritz, Volkmar 1994a , 143 ;  Mittmann, Siegfried 1995a , 21f ;  Schorn, Ulrike 1997a , 202 ;  Seebass, Horst 1999a , 45 ;  MacDonald, Burton 2000a , 116f ;  Levine, Baruch A. 2000a , 484f ;  Piccirillo, Michele 2001aSavage, Stephen H. 2001aSavage, Stephen H. / Rollefson, Gary O. 2001a , 221–223 ;  Savage, Stephen H. 2002aSeebass; Horst 2007a , 323.340 ;  Beuken, Willem A.M. 2007a , 138 ;  Knauf, Ernst Axel 2008a , 132 ;  Gaß, Erasmus 2009a , 188 ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 217 ;