Der Name Pegor wird im Alten Testament als Ortsname und als Gottesname gebraucht, meist in Wortfügungen mit vorangestelltem „Baal“ oder „Bet“ („Haus“). Pegor könnte auf die Wurzel pʿr „aufsperren / aufreißen“ (vgl. Hi 16,10) zurückgeführt werden (Gaß, Erasmus 2005b, 50f).
Während Bet-Pegor immer einen Ort meint, wird Baal-Pegor nur Hos 9,10 eindeutig toponymisch verwendet, an drei anderen Belegstellen (Num 25,3; Num 25,5; Dtn 4,3) ist eine Gottheit gemeint (anders Gaß, Erasmus 2024a, 116–123). Ähnliches gilt für das einfache Pegor, das ebenfalls als Gottesbezeichnung (Num 25,18; Num 31,16) und als Ortsname (Num 23,28; Jos 22,17 ?) belegt ist. Daher wird häufig vermutet, Bet-Pegor sei eine Kurzform für Bet-Baal-Pegor (Gaß, Erasmus 2024a, 116–123; vgl. Kellermann, Diether u.a. 1992a).
LXX gibt die Namen Pegor und Baal-Pegor transkribierend als Φογωρ bzw. Βεελφεγωρ wieder: Für Bet-Pegor kennt sie sowohl die Transkription Βαιθφογωρ (Jos 13,20) als auch die wörtliche Übersetzung οἶκος Φογωρ „Haus Pegor“ (Dtn 3,29; Dtn 4,46; Dtn 34,6).
Altes Testament
Der Vers Jos 13,20 erwähnt Bet-Pegor in Zusammenhang mit den Abhängen des Pisga und mit Bet-Jeschimot. Vom Gipfel des Pegor schaut Bileam auf das Lager der Israeliten im Jordantal gegenüber Jericho (Num 23,28; vgl. Num 24,1-2). Das impliziert eine Lage nördlich des Pisga, d.h. nördlich des Bergrückens Rās es-Siyāġa, von wo allein ein freier Blick auf das untere Jordantal möglich ist. An zwei Stellen heißt es, dass sich die Israeliten „im Tal gegenüber Bet-Pegor“ niederliessen (Dtn 3,29; Dtn 4,46). Diese Angabe spricht gegen eine Ansetzung von Bet-Pegor auf Ḫirbet ʿUyūn Mūsā am Nordhang des Pisga bzw. des Nebo (Nebo, Berg) (anders Henke, Oswald 1959a; Neef, Heinz-Dieter 1994a, 101; Fritz, Volkmar 1994a, 143), auch wenn dort Befestigungsanlagen gefunden wurden, die ausweislich der Keramik aus der Eisenzeit und/oder aus persischer Zeit stammen (Zwickel, Wolfgang 1990a, 164). Das Tal, das diesem Platz „gegenüber“ liegt, könnte nur das enge Wādī ʿUyūn Mūsā sein. Die alttestamentliche Überlieferung lokalisiert jedoch den Lagerplatz Israels im Jordantal (Num 33,49). Auf Ḫirbet ʿUyūn Mūsā ist möglicherweise Sibma zu suchen. Den alttestamentlichen Angaben zu Bet-Pegor entspricht eher Rās el-Mušaqqar, die Scheitelkuppe nördlich des Rās es-Siyāġa bzw. nördlich des Wādī ʿUyūn Mūsā (Mittmann, Siegfried 1995a, 22–24; Gaß, Erasmus 2005b, 50f; Gaß, Erasmus 2024a, 116–123). Von dem Bergrücken aus ist das Jordantal einzusehen. Auf Rās el-Mušaqqar ist an mehreren Plätzen eine eisenzeitliche Besiedlung nachgewiesen. Dieser Befund entspricht der alttestamentlichen Darstellung, die Bet-Pegor nicht als großen Ort, sondern als markanten Geländepunkt, dazuhin möglicherweise als Kultort darstellt, wenn die Bezeichnung Baal-Pegor (s.o.) mit Bet-Pegor in Verbindung gebracht wird (vgl. WiBiLex, Art. Peor).
Nachalttestamentliche Zeit
Das Toponym Φογωρ (Phogōr), das Eusebius nennt, ist wahrscheinlich ebenfalls auf Rās el-Mušaqqar anzusetzen, zumal er den Platz an den meisten Belegstellen als Berg (ὄρος) kennzeichnet. Dagegen wird der bei ihm erwähnte Ort Βεθφογορ (Bethphogōr), der sechs römische Meilen von Livias (vgl. Bet-Haram, Tell er-Rāme, 2112.1371) entfernt, vermutlich an der Straße nach Esbous (Heschbon), liegen soll, auf Ḫirbet el-Maḥaṭṭa zu suchen sein. Dort sind Befestigungsanlagen der römischen und byzantinischen Zeit, aber nur einzelne Gefäßscherben der Eisenzeit nachgewiesen (Zwickel, Wolfgang 1990a, 161). Eine Lokalisierung des alttestamentlichen Toponyms an dieser Stelle (Musil, Alois 1907a, 348; Abel, Félix-Marie 1938a, , 278; Noth, Martin 1953a, 80; Dearman, John Andrew 1989b, 181 u.ö.) ist daher schwer zu begründen. Vermutlich ist auch der von Eusebius erwähnte Ort Danaba, der am „Berg Phogōr“ liegen soll, auf Ḫirbet el-Maḥaṭṭa zu suchen (Schmitt, Götz 1995a, 130). Die Angaben des Eusebius führten bereits im Altertum zu Verwechslungen. Der Kirchenvater stellt unter dem Stichwort Δαναβα nicht nur die Stadt des edomitischen Königs Bela (Dinhaba; Gen 36,32), sondern noch mehrere ähnlich klingende Ortsnamen, darunter auch das erwähnte Danaba am Berg Phogōr, vor (Timm 93,7–94,1, Nr. 370 [Δενναβα]; Klostermann 76,9–12; Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 75, Nr. 370). Vermutlich in Kenntnis der Ausführungen des Eusebius spricht die Pilgerin Etheria von „Fogor, einer Stadt des Königreiches Edom“, die ihr vom Nebo (Nebo, Berg) aus gezeigt wird. Eine solche Verwechslung ist nachvollziehbar, weil sowohl Bela von Edom als auch der nach Num 22–24 in der Umgebung des Bergs Nebo agierende Bileam jeweils als „Sohn Beors“ (zu Bileam Num 22,5 u.ö.) vorgestellt werden.
Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2025-02-18 12:22:57
Lexikonartikel
BHH
1 (1962), 228 (Wallis, Gerhard , Art. Beth Peor); 3 (1966), 1419 (Wallis, Gerhard , Art. Peor)