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Mesopotamien

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Aram Naharajim

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

ארם נהרים aram naharajim. Μεσοποταμια. „Aram der zwei Ströme“

Belege AT

Gen 24,10; Dtn 23,5; Ri 3,8; Ps 60,2; 1Chr 19,6

Belege aus altorientalischen Dokumenten

nhrn (ägyptisch: Hannig, Rainer 2006a, 1158)
naḫrima (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 203f)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Μεσοποταμια (Jdt 2,24; Jdt 5,7-8; Jdt 8,26; Apg 2,9; Apg 7,2; Josephus, antiquitates, passim)
’rm nhrjm (1QM 2,10: Duhaime, Jean 1995a, 98f)

Beschreibung

Die Namensform „Mesopotamien“ (Einheitsübersetzung) geht auf den Text der LXX zurück, die für hebräisch aram naharajimAram Naharajim“ („Aram der zwei Ströme“) Μεσοποταμια hat. LXX übersetzt auch das in der Jakob- und Josefgeschichte häufig gebrauchte Toponym Paddan-Aram mit Μεσοποταμια. Stellenweise ist im Griechischen sogar für Aram Naharajim die Kombination von Μεσοποταμια und Συρια (Syrien) belegt (Ps 60,2; 1Chr 19,6) wie sie für Paddan-Aram nahezu durchgängig zu finden ist (Gen 28,6-7; Gen 33,18; Gen 35,9; Gen 35,26; Gen 46,15; Gen 48,7). Ri 3,8 (LXX) übersetzt Aram Naharajim lediglich mit Συρια. Aram Naharajim/Mesopotamien und Paddan-Aram bezeichnen demnach dieselbe Region, das nördliche Zweistromland. Auf eine solche Lokalisierung weist schon die Namensform, die eine literarische Verbindung von „Aram“ (nördliches Syrien) und „Naharajim“ (Zweistromland) darstellt. Nach Aram Naharajim/Mesopotamien macht sich der Diener Abrahams auf, um eine Frau für Isaak zu suchen (Gen 24,10). Dort liegt die „Stadt Nahors“, womit wahrscheinlich Haran (Ḥarrān/Altĭnbaşak 38º02'N.36º52'E) gemeint ist (vgl. Gen 27,43; Gen 28,10; Gen 29,4). Für eine Lokalisierung von Aram Naharajim/Mesopotamien im nördlichen Zweistromland spricht ebenfalls die Bileam-Tradition, in der die Herkunft des Sehers wechselweise mit „Aram“ (Num 23,7) oder „Aram Naharajim“ (Dtn 23,5) angegeben ist, wobei LXX in beiden Fällen Μεσοποταμια schreibt. Auch 1Chr 19,6 nennt neben Aram Naharajim/Mesopotamien weitere nordsyrische Kleinkönigtümer wie Aram-Maacha und Zoba als potentielle Verbündete Ammons im Kampf gegen David. Das lautlich verwandte Toponym nhrn bzw. naḫrima, das in ägyptischen Dokumenten des 2. Jt. v.Chr. und in Amarnabriefen belegt ist, meint wahrscheinlich das Mitanni-Gebiet, das sich am Oberlauf von Eufrat und Tigris von der Gegend um Aleppo im Westen (36º12'N.37º09'E) bis in die Region von Nuzi (35º18'09"N.44º14'51"E) südöstlich von Ninive erstreckte. Das Wort Aram Naharajim könnte also so verstanden werden, dass ein zeitgenössisches Toponym für Syrien (Aram) mit einem archaisierend verwendeten für das nördliche Zweistromland (Naharajim) literarisch verbunden wurde. Ebenso wie die Dokumente des 2. Jt. v.Chr. weisen Texte der griechisch-römischen Zeit darauf hin, dass mit Mesopotamien das nördliche Zweistromland gemeint ist, während der südliche Teil meist als Babylonien bezeichnet wird (Wagner, Jörg 1983a; Waldmann, Helmut 1983a; Seibert, Jakob 1985a; Waldmann, Helmut 1985a; Högemann, Peter / Buschmann, Kai 1986a; Pill-Rademacher, Irene u.a. 1988a; Orth, Wolfgang 1992a). Augenfällig wird diese Unterscheidung auch in freien Nacherzählungen der Genesisstoffe wie dem Jubiläenbuch (vgl. Jub 9,5; 27,10–13; 29,12.18; 34,20f; 44,18) oder den antiquitates des Josephus (antiquitates 1, passim). Das Juditbuch unterscheidet zwischen Mesopotamien als dem ersten längeren Aufenthalt der Erzelternfamilie, womit die Gegend um Haran gemeint sein dürfte (vgl. Gen 11,31-32), und der ursprünglichen Heimat der Großfamilie Abrahams, dem „Land der Chaldäer“ (Jdt 5,7-8; vgl. „Ur der Chaldäer“ [Gen 11,28; Gen 11,31]). Lediglich die Apostelgeschichte scheint mit Mesopotamien das südliche Zweistromland im Blick zu haben, wenn gesagt ist, Abraham „lebte in Mesopotamien, bevor er sich in Haran niederließ“ (Apg 7,2).
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:01:19

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 119 (Reicke, Bo, Art. Aram-Naharaim); 2 (1964), 1197 (Reicke, Bo, Art. Mesopotamien)
  • ABD 1 (1992), 341 (Pitard, Wayne Thomas, Art. Aram-Naharaim)
  • LThK3 7 (1998), 156–157 (Schwemer, Daniel, Art. Mesopotamien)
  • EBR 2 (2009), 645f (Pitard, Wayne T., Art. Aram-Naharaim)

 

Literatur

O’Callaghan, Roger T. 1948aSimons, Jan 1959a , 5−8 § 19 ;  Waldmann, Helmut 1983aWagner, Jörg 1983aWaldmann, Helmut 1985aSeibert, Jakob 1985aHögemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aPill-Rademacher, Irene u.a. 1988aOrth, Wolfgang 1992aMasetti-Rouault, Maria Grazia 2009aBryce, Trevor 2009a , 469 ;  Sader, Hélène S. 2010aJericke, Detlef 2013a , 157f ;  Beaulieu, Paul-Alain 2013aOrthmann, Winfried u.a. 2013aBerlejung, Angelika 2013aFrame, Grant 2013aLipiński, Edward 2013aNiehr, Herbert 2014aBryce, Trevor 2014aZiegler, Nele / Cancik-Kirschbaum, Eva 2014a , 21-145 ;