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Sukkot, Jordantal

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Sukkoth; Succoth

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

סכות sukkôt. Σοκχωθ. „Hütten“

Belege AT

Gen 33,17; Jos 13,27; Ri 8,5-6; Ri 8,8; Ri 8,14-16; 1Kön 7,46; Ps 60,8; Ps 108,8; 2Chr 4,17

Belege aus altorientalischen Dokumenten

pktt/p3-wr-ktt ? (ägyptisch: Schoschenkliste Nr. 55: Aḥituv, Shmuel 1984a, 179; Wilson, Kevin A. 2005a, 115)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Sochoth (Hieronymus, quaestiones in Gen 33,17: MignePL 23, 1040)
dr‘lh (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 218f.451f.629)

Beschreibung

Der Ort Sukkot ist auf Jakobs Wanderung aus Gilead (Gilead, Landschaft) im zentralen ostjordanischen Hochland (Gen 31) nach Sichem im westjordanischen Bergland (Gen 33,18-19) über Mahanajim (Gen 32,3) und Penuël am Jabbok (Gen 32,23; Gen 32,31-32) die letzte Station vor dem Übergang in das Westjordanland (Gen 33,17). Auch die Gideonerzählung Ri 8 geht davon aus, dass Sukkot westlich von Penuël liegt. Bei der Verfolgung der Midianiter kommt Gideon zunächst an den Jordan (Ri 8,4) und dann nach Sukkot (Ri 8,5-7). Von Sukkot zieht er nach Penuël (Ri 8,8−9) und auf das ostjordanische Hochland (Ri 8,10-11) hinauf. Aus den genannten Textzeugnissen lässt sich die Lage von Sukkot im Jordantal in der Nähe der Jabbokmündung erschließen. Auch 1Kön 7,46 und 2Chr 4,17 belegen, dass Sukkot im Jordantal lag. Die Parallelisierung mit Sichem und die Gebietsbezeichnung „Tal von Sukkot“ (Ps 60,8; Ps 108,8) weisen darauf hin, dass Sukkot ein Zentralort in der genannten Gegend war. Der Jerusalemer Talmud setzt Sukkot mit einem Ort namens dr‘lh (Dar‘elā) gleich. Daher wird meist der unmittelbar nördlich der Einmündung des Jabbok in das Jordantal gelegene Tell Dēr ‘Allā für eine Gleichsetzung mit Sukkot vorgeschlagen. Die archäologisch nachweisbare Geschichte des Siedlungshügels beginnt in der Mittelbronzezeit und setzt sich nahezu ununterbrochen bis in die persische Zeit fort. Soweit die Ausgrabungsbefunde dies erkennen lassen, war der Platz nie befestigt. Aus der Spätbronzezeit ist ein Heiligtum belegt. Die Funde aus der Eisenzeit I (12./11. Jh. v.Chr.) weisen darauf hin, dass hier Metall verarbeitet wurde. Die Siedlung der Eisenzeit II ab dem 9./8. Jh. v.Chr. bestand aus einer Ansammlung einzelner, dicht aneinander gebauter Räume, ohne dass eine bestimmte Struktur zu erkennen ist. Der bekannteste Fund aus der Eisenzeit II ist die sogenannte Bileam-Inschrift, eine mit roter und schwarzer Tinte auf Wandverputz geschriebene Inschrift, deren Fragmente in einem der Räume gefunden wurden. Die Inschrift handelt von einer Vision des „Sehers Bileam“, die eine von El präsidierte Götterversammlung schildert. Mitunter wird Tell Dēr ‘Allā für eine Gleichsetzung mit Penuël vorgeschlagen. Sukkot soll nach dieser These auf dem ca. 1,5 km westlich von Tell Dēr ‘Allā gelegenen kleinen Tell el-Aḫṣaṣ (2063.1777) liegen (Abel, Félix-Marie 1938a, 470; Lemaire, André 1981b, 52–53; MacDonald, Burton 2000a, 143–144). Für diesen Vorschlag spricht das philologische Argument, dass der arabische Ortsname Aḫṣaṣ eine Übersetzung der hebräischen Namensform sukkôt „Hütten“ ist. Der Scherbenbelag von Tell el-Aḫṣaṣ weist auf eine Besiedlung während der gesamten Bronze- und Eisenzeit. Da bislang keine Ausgrabungen durchgeführt wurden, kann über die Bebauung nichts Näheres gesagt werden. Die Lokalisierung von Penuël auf Tell Dēr ‘Allā scheitert daran, dass der alttestamentliche Befund für Penuël Befestigungsanlagen erwarten lässt, wie sie Tell Dēr ‘Allā nicht aufweist. Zum anderen erscheint Tell el-Aḫṣaṣ zu klein für die aus Ps 60,8; Ps 108,8 erschlossene Funktion als Zentralort des umgebenden Gebiets. Außerdem liegt mit Tell el-Ḥamme (Ost)/Tell Mġannī (2112.1778/2120.1780) ein befriedigender Lokalisierungsvorschlag für Penuël vor.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:56:49

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 1887f (Elliger, Karl, Art. Sukkoth)
  • NBL 3 (2001), 747 (Görg, Manfred, Art. Sukkot [ON])
  • ABD 2 (1992), 126–130 (Franken, Hendricus Jacobus/Hackett, Jo Ann, Art. Deir ‘Alla, Tell); 6 (1992), 217–218 (Seely, Jo Ann H., Art. Succoth)
  • NEAEHL 1 (1993), 338–342 (Kooij, Gerrit van der, Art. Deir ‘Alla, Tell)
  • EBR EBR 6 (2013), 474-477 (Blum, Erhard, Art. Deir ‘Allā)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 106 ;  Albright, William Foxwell 1929a , 13f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 470 ;  Glueck, Nelson 1943aGlueck, Nelson 1951a , 308–311.346–350 ;  Lemaire, André 1981b , 52f ;  Weippert, Helga / Weippert, Manfred 1982aKellermann, Mechthild u.a. 1985aIbrahim, Moawiyah M. / Kooij, Gerrit van der 1986aWolters, Albert M. 1988aZwickel, Wolfgang 1990a , 247 ;  Wenning, Robert / Zenger, Erich 1991aWeippert, Manfred 1991aFranken, Hendricus Jacobus 1991aIbrahim, Moawiyah M. / Kooij, Gerrit van der 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aZwickel, Wolfgang 1994a , 94–99 ;  Schmitt, Götz 1995a , 316 ;  Levine, Baruch A. 1995aIbrahim, Moawiyah M. / Kooij, Gerrit van der 1997aWeippert, Manfred 1997a , 131–188 ;  MacDonald, Burton 2000a , 143f ;  Schüle, Andreas 2001aOblath, Michael D. 2004a , 96−98 ;  Gaß, Erasmus 2005a , 439–444 ;  Lipiński, Edward 2006a , 290–293 ;  Jericke, Detlef 2010a , 159−163 ;  Jericke, Detlef 2013a , 200f ;  Schüle, Andreas 2017a