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Mahanajim

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Mahanaim

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מחנים maḥanajim. Παρεμβολαι, Μααναιν, Μαναιμ. „Doppellager“

Belege AT

Gen 32,3; Jos 13,26; Jos 13,30; Jos 21,38; 2Sam 2,8; 2Sam 2,12; 2Sam 2,29; 2Sam 17,24; 2Sam 17,27; 2Sam 19,33; 1Kön 2,8; 1Kön 4,14; 1Chr 6,65; 1Chr 11,46

Belege aus altorientalischen Dokumenten

mḥnm (ägyptisch: Schoschenkliste Nr. 22: Simons, Jan 1937a, 181; Aḥituv, Shmuel 1984a, 134; Wilson, Kevin A. 2005a, 108; Hannig, Rainer 2006a, 1152)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Beschreibung

Gen 32-33 erzählen Jakobs Rückreise aus Gilead (Gilead, Landschaft) im zentralen ostjordanischen Hochland (Gen 31) nach Sichem im Westjordanland (Gen 33,18-19). Die erste Station auf dem Weg ist Mahanajim (Gen 32,3), es folgen Penuël/Tell el-Ḥamme (Ost)? (2112.1778) am Jabbok/Nahr ez-Zerqā (Gen 32,23; Gen 32,31-32) und Sukkot (Sukkot, Jordantal)/Tell Dēr ‘Allā (2088.1782) im Jordantal. Mahanajim sollte daher im Jabboktal oder in der Nähe desselben am Gebirgsabfall zum Jordan hin liegen. Jos 21,38 kennt Mahanajim als Zentralort einer kleinen Region. Dem entspricht, dass 1Kön 4,14 den Ort als Sitz eines Verwaltungsbeamten nennt. Auch die Erzählungen vom Rückzug Ischbaals (2Sam 2) und Davids (2Sam 17) nach Mahanajim setzen voraus, dass der Ort als zeitweilige königliche Residenz von einiger Bedeutung war. Gleichzeitig muss er vom Westjordanland aus gut erreichbar gewesen sein und Schutz vor feindlichen Übergriffen geboten haben. Diese Bedingungen erfüllen die Tulūl eḏ-Ḏahab. Die beiden Siedlungshügel liegen im Jabboktal einander gegenüber auf der West- bzw. auf der Ostseite des Flusslaufs. Auf dem westlichen Tell eḏ-Ḏahab el-Ġarbī fanden sich Reste einer ca. 220 x 170 m großen Siedlung, die von einer Kasemattenmauer geschützt war. Bemerkenswert sind zwei aneinander grenzende Peristyl-Höfe, die in das 3. oder 2. Jh. v.Chr. datiert werden. Auf dem östlichen Tell eḏ-Ḏahab eš-Šerqī stand eine ca. 140 x 50 m große Festung, die vermutlich auch aus  hellenistischer Zeit stammt. Der Scherbenbefund indiziert jedoch für beide Hügel eine ebenso intensive Besiedlung in der Eisenzeit. Auf Tell eḏ-Ḏahab el-Ġarbī wurden dazuhin architektonische Reste (große Steinquader) freigelegt, die auf einen repräsentativen Bau aus der Eisenzeit II (ca. 9. Jh. v.Chr.) weisen. Die Tatsache, dass es sich um zwei benachbarte Siedlungshügel handelt, könnte zugunsten einer Gleichsetzung mit Mahanajim ausgewertet werden, wenn der Ortsname als Dualform gedeutet wird. Eine solche Deutung legt die volkstümliche Etymologie von Gen 32,2-3 nahe, die den Ortsnamen maḥanajim von der Pluralform maḥaneh „Lager“ ableitet. Die Endung -ajim ist allerdings mehrfach bei alttestamentlichen Ortsnamen belegt, wobei es sich nicht in jedem Fall um eine Dualform handeln kann. Daher ist das Argument umstritten, dass aufgrund des Namens ein Doppelhügel zu erwarten ist. Häufig werden die Tulūl eḏ-Ḏahab für die Lokalisierung von Penuël vorgeschlagen. In diesem Fall wird Mahanajim auf dem ca. 4 km weiter südlich gelegenen Tell Ḥeǧǧāǧ (2154.1732) gesucht (Vaux, Roland de 1938b; Noth, Martin 1941a, 83–87 = Noth, Martin 1971a, 374–378; Schunck, Klaus-Dietrich 1963a; Weippert, Manfred 1997b, 21–22). Der Oberflächenbefund bestätigt, dass der ca. 150 x 50 m große Siedlungshügel in alttestamentlicher Zeit (Eisenzeit, persische Zeit) besiedelt war (Zwickel, Wolfgang 1990a, 249–250). Tell Ḥeǧǧāǧ erscheint jedoch als Rückzugsort vom Westjordanland aus zu abgelegen. Der relativ kleine und wenig geschützte Siedlungshügel bot zudem kaum die Sicherheit, die Ischbaal und David mit ihrem Gefolge suchten. Tell Ḥeǧǧāǧ entspricht daher nicht den aus den alttestamentlichen Belegstellen für Mahanajim zu entnehmenden Kriterien. Daher ist der Gleichsetzung von Mahanajim mit den Tulūl eḏ-Ḏahab der Vorzug zu geben (Dalman, Gustaf 1913a, 68−70; Mazar, Benjamin 1957a, 61= Mazar, Benjamin 1986a, 146; Blum, Erhard 1984a, 196; Coughenour, Robert A. 1989a; ABD 4, 472–473), zumal mit Tell el-Ḥamme (Ost) ein akzeptabler Lokalisierungsvorschlag für Penuël vorliegt.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:02:06

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1123 (Stoebe, Hans-Joachim, Art. Mahanaim)
  • TRE 21 (1991), 703–704 (Fritz, Volkmar, Art. Mahanajim)
  • NBL 2 (1995), 687 (Knauf, Ernst-Axel, Art. Mahanajim)
  • ABD 4 (1992), 472–473 (Edelman, Diana Vikander, Art. Mahanaim)
  • WiBiLex 2012 (Pola, Thomas, Art. Pnuël/Pniël)

 

Literatur

Dalman, Gustaf 1913a , 68−70 ;  Albright, William Foxwell 1925a , 35 ;  Vaux, Roland de 1938bAbel, Félix-Marie 1938a , 373f ;  Glueck, Nelson 1939a , 232−234 ;  Vaux, Roland de 1941a , 31 ;  Noth, Martin 1941a , 83–87 ;  Mazar, Benjamin 1957a , 61 ;  Simons, Jan 1959a , 231f § 415 ;  Schunck, Klaus-Dietrich 1963aNoth, Martin 1971a , 374–378 ;  Gordon, Robert L. / Villiers, Linda E. 1983aGordon, Robert L. 1984aBlum, Erhard 1984a , 196 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 35 ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aMazar, Benjamin 1986a , 146 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 264 ;  Coughenour, Robert A. 1989aZwickel, Wolfgang 1990a , 249f ;  Kellermann, Diether 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aWeippert, Manfred 1997b , 21f ;  MacDonald, Burton 2000a , 140−142 ;  Hutton, Jeremy M. 2006aLipiński, Edward 2006a , 280–283 ;  Finkelstein, Israel u.a. 2011a , 146−148 ;  Jericke, Detlef 2013a , 192-194 ;  Held, Winfried 2015-2016a