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Arad

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

ערד ʿarād. Αραδ

Belege AT

Num 21,1; Num 33,40; Jos 12,14; Jos 15,21; Ri 1,16

Belege aus altorientalischen Dokumenten

ḥqrm ʿrd rbt ʿrd nb(j)t y(w)rḥm (ägyptisch, Schoschenk-Liste Nr. 107–112: Simons, Jan 1937a, 185; Aḥituv, Shmuel 1984a, 65; Aharoni, Yohanan 1984a, 338; Wilson, Kevin A. 2005a, 127f; Hannig, Rainer 2006a, 1127)
ʿrd (inschriftlich, Arad-Ostraka 24,12; 48,1; 99: Aharoni, Yohanan 1981a, 46–49.79.112f; Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 119f.153.389–393)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἀραδ (Eusebius, Onomastikon 14,1–3: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 14, Nr. 30; Timm, Stefan 2017a, 14 Zeile 9 bis 15 Zeile 2, Nr.30)
Ἀδερ (Eusebius, Onomastikon 20,21: Notley R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 22, Nr. 57; Timm, Stefan 2017a, 23 Zeile 8f, Nr.57)
Αραδ (Mosaikkarte von Mādebā: Donner, Herbert 1992a, 71, Nr. 100)

Beschreibung

Altes Testament

Arad wird lediglich in den Erzählungen zur Frühgeschichte Israels erwähnt. Mehrfach ist ein kanaanitischer König von Arad erwähnt (Num 21,1; Num 33,40; Jos 12,14). Den Textbelegen ist zu entnehmen, dass Arad im Negeb liegt. Ob auch Jos 15,21 in dieser Hinsicht anzuführen ist, bleibt unsicher, da der masoretische Text hier Eder ʿedær hat, LXXB hingegen Αρα (LXXA Εδραι) liest. Aus Ri 1,16 ist zu entnehmen, dass Arad im östlichen Negeb gesucht werden muss, da es sich um einen der ersten Orte nach dem Aufstieg aus dem Jordangraben (Palmenstadt) handelt. Diese Angaben sowie die Namensüberlieferung lassen an der Gleichsetzung mit Tell ʿArād keine Zweifel aufkommen. Der Siedlungshügel liegt am südöstlichsten Ausläufer des judäischen Berglands am Übergang zum ariden Negev.

Archäologie

In den Jahren 1962 bis 1967 („Oberstadt“) bzw. bis 1984 („Unterstadt“) wurden Ausgrabungen durchgeführt (zusammenfassende Darstellung in WiBiLex, Art. Arad). Die erste dörfliche Siedlung lag im flachen Gelände der „Unterstadt“ (4. Jt. v.Chr.). Sie wurde zu Beginn des 3. Jt. v.Chr. zu einer städtischen Siedlung in einer Größe von ca. 350 x 300m  mit einer massiven Stadtmauer und halbrunden Türmen ausgebaut und nach ca. dreihundert Jahren wieder aufgegeben. Vermutlich gaben die im 1. Jt. v.Chr. noch sichtbaren Überreste der frühbronzezeitlichen Stadt dazu Anlass, dass Arad in den alttestamentlichen Texten als kanaanitische Königsstadt dargestellt wird. Nach einer über tausendjährigen Besiedlungslücke beschränkte sich die Besiedlung der Eisenzeit weitgehend auf die „Oberstadt“, eine natürliche Erhebung an der Nordostecke der „Unterstadt“. Auf der „Oberstadt“ wurde im 10. Jh. v.Chr. eine offene Siedlung angelegt. Diese wurde im 9. Jh. v.Chr. von einer nahezu quadratischen, ca. 50 x 50 m großen Festung mit Kasemattenmauern abgelöst. Im 8. Jh. v.Chr. wurde diese Festung umgebaut. Sie erhielt eine massive Mauer und ein unterirdisches Wassersystem, außerdem wurde die Toranlage von der Nordostecke in das Zentrum der Ostmauer verlegt. Diese Anlage bestand bis zum Ende der Eisenzeit II im 6. Jh. v.Chr. Im ausgehenden 8. oder im 7. Jh. v.Chr. befand sich im Nordwesten der Festung ein dreigliedriges Heiligtum, bestehend aus einem Hof mit Altar, einem Breitraum und einer durch aufrecht stehende, teilweise geglättete Steine (Masseben) markierten Kultnische an der Rückwand des Breitraums. Über der eisenzeitlichen Festung wurden noch einige Vorratsgruben aus persischer Zeit, ein ca. 20 x 20 m großer Festungsturm und Fragmente einer Kasemattenmauer aus hellenistischer Zeit sowie eine kleine Festungsanlage aus herodianischer Zeit entdeckt.

Inschriften

Wichtig sind die Inschriftenfunde, größtenteils Ostraka, die meist kurze Texte über Lieferungen von Nahrungsmitteln enthalten, teilweise aber auch die militärisch angespannte Situation am Ende der judäischen Königszeit (7./6. Jh. v.Chr.) widerspiegeln. Mehrfach ist in diesen Inschriften der Ortsname Arad genannt.
Schwierig zu beurteilen ist die zweifache Erwähnung des Ortsnamens in der Liste des Pharao Schoschenk aus dem letzten Drittel des 10. Jh. v.Chr. Arad ist hier als „Groß-Arad“ ʿrd rbt (Nr. 108f) und als „Arad des Nabat“ ʿrd nbt (Nr. 110f) aufgeführt. Der vor „Groß-Arad“ aufgeführte Namen ḥqrm „Festungen, Umwallungen“ (Nr. 107) ist nicht Appelativum zu den beiden folgenden Ortsnamen, sondern ein eigenes Toponym, ebenso das abschließende Jerocham yrḥm (Nr. 112; Naʾaman, Nadav 1985a). Weder bei „Groß-Arad“ noch bei dem „Arad des Nabat“ ist demzufolge an eine Festung zu denken. Insofern kann „Groß-Arad“ mit der Siedlung des 10. Jh. v.Chr. auf der „Oberstadt“ von Tell ʿArād in Verbindung gebracht werden. Die Lage von „Arad des Nabat“ dagegen ist umstritten. Vorgeschlagen werden zwei Ortslagen, die wenige Kilometer südwestlich von Tell ʿArād liegen: Tell el-Milḥ (1525.0695; 31.2169115, 35.026505; Aharoni, Yohanan 1976a, 73) und Ḫirbet Kusēfe (1565.0738; 31.2557449, 35.0684269; Mazar, Benjamin 1965a). Auf Tell el-Milḥ ist das alttestamentliche Molada zu lokalisieren. Für Ḫirbet Kusēfe liegt kein gesicherter archäologischer Befund aus der Eisenzeit vor, dagegen sind Kirchenreste der byzantinischen Zeit dokumentiert. Daher wird der von Eusebius erwähnte und auf der Mosaikkarte von Mādebā verzeichnete Ort Αραδ hier gesucht, zumal Tell ʿArād selbst in byzantinischer Zeit nicht besiedelt war und die Entfernungsangaben bei Eusebius (20 Meilen von Hebron, 4 Meilen von Malaatha/Molada) eher auf Ḫirbet Kusēfe zutreffen als auf Tell ʿArād. Falls demnach auch Ḫirbet Kusēfe Haftpunkt des Names Arad sein sollte, so käme diese Ortslage am ehesten für die Lokalisierung von „Arad des Nabat“ in Frage. Eine dritte Möglichkeit ist die, dass mit „Groß-Arad“ und „Arad des Nabat“ zwei verschiedene Wohnviertel von Tell ʿArād gemeint sind, da über die gesamte Eisenzeit hin neben der Siedlung bzw. Festung auf der „Oberstadt“ auch einige Gebäude im Bereich der „Unterstadt“ genutzt wurden (Naʾaman, Nadav 1985a; Jericke, Detlef 1997a, 224).

 

Autor: Detlef Jericke, 2020; letzte Änderung: 2020-03-22 17:20:18

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 119 (Bückmann, Otto, Art. Arad)
  • TRE 3 (1978), 587‒590 (Aharoni, Yohanan, Art. Arad)
  • BRL2 , 11f (Wüst, Manfried, Art. Arad)
  • NBL 1 (1991), 145f (Görg, Manfred, Art. Arad)
  • ABD 1 (1992), 331–336 (Manor, Dale W. / Herion, Gary A., Art. Arad)
  • NEAEHL 1 (1993), 75‒87 (Aharoni, Yohanan / Amiran, Ruth / Ilan, Ornit / Aharoni, Miriam, Art. Arad)
  • RGG4 1 (1998), 675 (Herzog, Zeʾev, Art. Arad)
  • WiBiLex 2019 (Kiefer, Jörn, Art. Arad)
  • EBR 2 (2009), 610‒615 (Herzog, Zeʾev / Roberts, J.J.M., Art Arad [Place])

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 23 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 248f ;  Mazar, Benjamin 1965aFritz, Volkmar 1966aAharoni, Yohanan 1968aOvadiah, Asher 1970a , 121–123 ;  Welten, Peter 1972aAharoni, Yohanan 1976a 71-73 ;  Fritz, Volkmar 1977a , 41–75 ;  Rainey, Anson F. 1977aAmiran, Ruth 1978aAharoni, Yohanan 1981aAharoni, Miriam 1981aKeel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 209–233 ;  Herzog, Zeʾev u.a. 1984aBeck, Pirhiya 1984aKellermann, Mechthild u.a. 1985aZimhoni, Orna 1985aNaʾaman, Nadav 1985aAmiran, Ruth 1986aHerzog, Zeʾev 1987aHerzog, Zeʾev u.a. 1987aUssishkin, David 1988aKessler, Karlheinz 1991aKellermann, Diether 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aMazar, Benjamin 1992a , 67–77 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992aAmiran, Ruth / Ilan, Ornit 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aTsafrir, Yoram u.a. 1994a , 66 ;  Schmitt, Götz 1995a , 61 ;  Amiran, Ruth / Ilan, Ornit 1996aIlan, Ornit / Sebbane, Michael 1996aGoethert, Rolf / Amiran, Ruth 1996aAmiran, David 1996aAharoni, Miriam 1996aJericke, Detlef 1997a , 217–224 ;  Zimhoni, Orna 1997a , 179–210 ;  Hauptmann Andreas u.a. 1999aHerzog, Zeʾev 2001aHerzog, Zeʾev 2002aSinger-Avitz, Lily 2002aZwickel, Wolfgang 2008aJericke, Detlef 2010a , 57-66 ;  Dozeman, Thomas B. 2015a , 489 ;