Universität Heidelberg | Theologische Fakultät Trier
Ortsangaben der Bibel (odb)
orte Ortsnamen Literatur Karte      

zurück zur Übersicht

 

Hebron

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

חברון ḥæbrôn. Χεβρων

Belege AT

Gen 13,18; Gen 23,2; Gen 23,19; Gen 35,27; Gen 37,14; Num 13,22; Jos 10,3; Jos 10,5; Jos 10,23; Jos 10,36; Jos 10,39; Jos 11,21; Jos 12,10; Jos 14,13−15; Jos 15,13; Jos 15,54; Jos 20,7; Jos 21,11; Jos 21,13; Ri 1,10; Ri 1,20; Ri 16,3; 1Sam 30,31; 2Sam 2,1; 2Sam 2,2(LXX); 2Sam 2,3; 2Sam 2,11; 2Sam 2,13(LXX); 2Sam 2,32; 2Sam 3,2; 2Sam 3,5; 2Sam 3,19−20; 2Sam 3,22; 2Sam 3,27; 2Sam 3,32; 2Sam 4,1; 2Sam 4,8; 2Sam 4,12; 2Sam 5,1; 2Sam 5,3; 2Sam 5,5; 2Sam 5,13; 2Sam 15,7; 2Sam 15,9−10; 1Kön 2,11; 1Chr 3,1; 1Chr 3,4; 1Chr 6,40; 1Chr 6,42; 1Chr 11,1; 1Chr 11,3; 1Chr 12,24; 1Chr 12,39; 1Chr 29,27; 2Chr 11,10

Belege aus altorientalischen Dokumenten

ḥbrn (Königsstempel: Welten, Peter 1969a; Jericke, Detlef 2003a, 26−31; Lipschits, Oded u.a. 2010a)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

ḥbrwn (1QGenAp 19,9; 21,19f; 22,3: Beyer, Klaus 1984a, 171–182; García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 38.44; Ziemer, Benjamin 2005a, 52; Machiela, Daniel A. 2009a, 70.79)
Χεβρων (1Makk 5,65; Josephus passim: Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 193f; Eusebius, Onomastikon 6,8f: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 7, Nr. 5; Onomastikon 170,25: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 160, Nr. 942; Prokopios von Gaza, In Iosue X: MignePG 87, 1020)
Cebron (Itinerarium Burdigalense 20: Geyer, Paulus 1898a, 25; Donner, Herbert 2002a, 62; Theodosius 5: Geyer, Paulus 1898a, 140; Donner, Herbert 2002a, 195)
Chebron (Eucherius 13f: Geyer, Paulus 1898a, 128; Donner, Herbert 2002a, 172f; Arkulf/Adomnanus 2, VIII−XII: Geyer, Paulus 1898a, 259−263; Donner, Herbert 2002a, 354−358)
ḥbrwn (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 243f)

Beschreibung

Hebron wird in den Erzählungen der Genesis hauptsächlich zur Erklärung unbekannterer Toponyme wie Mamre und Machpela gebraucht. Allerdings ist Hebron die Ortsangabe, die alle vier Generationen der Erzeltern zusammenbindet, da es der einzige Platz ist, an oder bei dem sich Abraham (Gen 13,18; Gen 23), Isaak (Gen 35,27), Jakob (Gen 35,27; Gen 37,14) und Josef (Gen 37,14) aufhalten. In den Landnahmeüberlieferungen kommt Hebron ein Sonderstatus zu. Die Kundschafter kommen dorthin, nachdem sie den Negeb durchzogen haben (Num 13,22). Hebron ist demnach im judäischen Bergland nicht weit vom Negeb entfernt gedacht. Num 13,22 gibt darüber hinaus an, Hebron sei sieben Jahre älter als Zoan in Ägypten, wohl um die Dignität des versprochenen Landes Kanaan gegenüber Ägypten hervorzuheben. Außerdem soll die Gegend um Hebron fruchtbar sein (Num 13,23). Da nur Kaleb zur Einnahme des Landes rät, wird Hebron ihm als Sonderbesitz zugesprochen (Jos 14,13−15; Jos 15,3). Weitere Belege im Josuabuch setzen – ähnlich wie Num 13,22−23 − voraus, dass Hebron eine wichtige Stadt im judäischen Bergland war (Jos 10; Jos 11,21; Jos 20,7). Eine entscheidende Rolle spielt die Stadt für das frühe Königtum Davids. Zunächst schickt David Beuteanteile seiner Razzien nach Hebron (1Sam 30,31), anschließend wählt er auf Anweisung Jhwhs die Stadt als Residenzort (2Sam 2,1−4). David soll sieben Jahre in Hebron König gewesen sein, bevor er seine Residenz nach Jerusalem verlegte (2Sam 2,11; 2Sam 5,5; 1Kön 2,11). In der Folge wird Hebron nur noch als Ausgangspunkt für den missglückten Aufstand Abschaloms genannt (2Sam 15). Weder in der Darstellung der späteren Königszeit (1Kön 12−2Kön 25) noch in den Profetenbüchern wird die Stadt erwähnt. Alle alttestamentlichen Angaben weisen auf eine Stadt im südlichen judäischen Bergland, die zentral und verkehrsgeographisch günstig lag und deren Gelände gute Bedingungen für landwirtschaftlichen Anbau bot. Daher ist unbestritten, dass der im Alten Testament genannte Ort bei der heutigen Stadt Ḥevron (arabisch el-Ḥalīl 1605.1035) zu suchen ist. Die Stadt liegt ca. 30 km südlich von Jerusalem und ist der Hauptort des judäischen Berglands. Das Zentrum (927 m ü.NN) befindet sich im Talgrund des Wādī el-Ḫalīl/Naḥal Ḥevron zwischen dem Ǧebel Ǧa‘ābire im Osten und dem Ǧebel er-Rumēde (974 m ü.NN) im Westen. Im 2. und 1. Jt. v.Chr. wurde die Umgebung von Hebron landwirtschaftlich intensiv genutzt, auch für Weinanbau (Lehmann, Gunnar / Niemann, Hermann Michael 2006a). Außerdem war der Ort ein Verkehrsknotenpunkt, von dem Wege nach Norden (Jerusalem), nach Osten (Totes Meer [Salzmeer]), nach Süden (Negeb, Ägypten) und nach Westen (Schefela [Schefela, Juda], Küstenebene) abgingen (Alt, Albrecht 1931b; Amit, David 1989/1990a; Amit, David 1992a). Das alttestamentliche Hebron (Tell er-Rumēde) lag westlich der heutigen Stadt auf dem Ǧebel er-Rumēde. Dort wurden von 1964 bis 1966 Ausgrabungen durchgeführt, die seit 1984 mit längeren Unterbrechungen fortgeführt werden. Bereits in der Frühbronzezeit (zweite Hälfte 3. Jt. v.Chr.) und in der Mittelbronzezeit II (18.−16. Jh. v.Chr.) existierte eine befestigte Stadt, die einen Durchmesser von ca. 200 m hatte und von massiven Mauern mit Vorsprüngen und Türmen umgeben war. Aus der Mittelbronzezeit stammt eine Keilschrifttafel, die neben Personennamen eine Liste von Tieren enthält. Es handelt sich um einen der wenigen Keilschriftfunde aus Palästina. Er zeigt, dass Hebron in der ersten Hälfte des 2. Jt. v.Chr. eine wichtige Stadt in der Region südlich von Jerusalem war, obwohl der Ortsname in schriftlichen Dokumenten wie den Amarnabriefen nicht erwähnt wird. Aus der Spätbronzezeit (15.−13. Jh. v.Chr.) liegen nur Grabfunde vor, eine feste Siedlung bestand offenbar nicht. Erst in der ausgehenden Eisenzeit I (11./10. Jh. v.Chr.) setzte wieder eine Besiedlung ein. Das Aussehen der Siedlung dieser Zeit, die nach alttestamentlicher Darstellung David als zeitweiliger Residenzort gedient haben soll, ist weitgehend unbekannt. Architektonische Reste außerhalb der bronzezeitlichen Mauern lassen darauf schließen, dass es sich um eine unbefestigte Siedlung handelte, die in ihrer Ausdehnung nicht den städtischen Anlagen der Bronzezeit folgte. Die Befunde aus der Eisenzeit II (9.−6. Jh. v.Chr.) weisen darauf hin, dass Hebron wieder eine befestigte Stadt und ein regionales Zentrum war. Das zeigen insbesondere die am Ort gefundenen Königsstempel, die u.a. den Stadtnamen Hebron aufweisen. In persischer Zeit (6.−4. Jh. v.Chr.) bricht die Besiedlung auf dem Ğebel er-Rumēde ab. Dagegen sind Siedlungsreste auf der Ḥirbet Nimrā (1609.1038) nördlich des heutigen Stadtzentrums nachgewiesen, wo vermutlich Mamre zu suchen ist. In hellenistischer und römischer Zeit befand sich auf dem Ǧebel er-Rumēde wiederum eine Siedlung, von der landwirtschaftliche Anlagen, Gebäudereste, zwei rituelle Bäder und der Teil einer gestuften Straße dokumentiert sind (Farhi, Yoav / Ben-Shlomo, David 2016a). Auf die byzantinische Zeit dürfte das Kloster Dēr el-’Arba’īn zurückgehen, dessen Ruinen noch auf dem Gipfelplateau des Ǧebel er-Rumēde sichtbar sind. Dennoch deuten einige Anzeichen darauf hin, dass in hellenistischer oder römischer Zeit die Wohnsiedlung in den Talgrund verlegt wurde, wo bis heute das Stadtzentrum liegt. Neh 11,25 nennt Judäer, die in Kirjat-Arba wohnen. Der Ortsname Kirjat-Arba ist auch im Zusammenhang mit dem Tod Saras und dem Erzelterngrab als ein anderer Name für Hebron genannt (Gen 23,2; Gen 35,27). Nach weiteren Belegen soll es der alte Name Hebrons gewesen sein (Gen 35,27; Jos 14,5; Ri 1,10). Vermutlich handelte es sich jedoch um einen in hellenistischer Zeit gebildeten Zweitnamen der Stadt, als diese nach zeitgenössischen Mustern mit vier Stadtteilen („insulae“) im Talgrund neu konzipiert wurde. Auf die wachsende Bedeutung Hebrons seit der hellenistischen Zeit weisen u.a. der mehrfache Gebrauch als Personenname, wie er für die chronistischen Schriften charakteristisch ist (1Chr 2,42−43; 1Chr 5,28; 1Chr 6,3; 1Chr 15,9; 1Chr 23,12; 1Chr 23,19; 1Chr 24,23; 1Chr 26,23; vgl. Ex 6,18; Num 3,19; Num 26,58) und die häufige Erwähnung des Ortsnamens im Jubiläenbuch (Jub 13,10; Jub 13,12; Jub 14,10; Jub 19,1−2; Jub 19,5; Jub 22,3; Jub 24,1; Jub 29,19; Jub 36,20; Jub 37,14). Aus den Anfängen der Siedlungstätigkeit im Bereich der heutigen Stadt stammen v.a die in herodianische Zeit zu datierenden Grundmauern des Ḥaram el-Ḥalīl, eines repräsentativen Memorialbaus an der vermeintlichen Stelle der Erzelterngräber. Der Platz wurde in frühkirchlicher Zeit und im Mittelalter mehrfach umgebaut und erweitert. Im Stadtzentrum wurden außerdem einige Siedlungsreste und Grabfunde aus römischer und byzantinischer Zeit freigelegt. Wichtig für die Rolle Hebrons in den Erzelternerzählungen der Genesis ist die Territorialgeschichte der Stadt. Aus Jos 15, 2Sam 2 und aus den in Hebron gefundenen Königsstempeln geht hervor, dass die Stadt im 8./7. Jh. v.Chr. zum Königtum Juda gehörte. Dagegen befand sich Hebron seit persischer Zeit südlich außerhalb der Provinz Juda/jehûd. Zumindest ist der Ort nicht in den Listen der Rückkehrer erwähnt (Esr 2; Neh 7), auch jehûd-Stempel sind nicht belegt (vgl. Weippert, Helga 1988a, 691 Abb. 5.2; Lipschits, Oded / Vanderhooft, David Stephen 2011a). Hebron und sein Gelände gehörten zu dem Bereich, der von edomitischen bzw. arabischen Gruppen kontrolliert wurde und der seit dem ausgehenden 4. Jh. v.Chr. als Eparchie Idumäa (vgl. Edom) belegt ist. Darauf deutet auch 1Makk 5,65 hin. Der Vers erzählt von der Einnahme Hebrons durch Judas Makkabäus im Rahmen seines Feldzuges gegen Idumäa. Gleichzeitig ist dem 1. Makkabäerbuch zu entnehmen, dass der ca. 7 km nördlich von Hebron gelegene Ort Bet-Zur (Ḫirbet eṭ-Ṭubēqa 1595.1109) judäische Grenzfestung gegen Idumäa war (1Makk 4,29; 1Makk 4,61; 1Makk 6,7; 1Makk 6,26; 1Makk 6,31; 1Makk 6,49−50; 1Makk 9,52; 1Makk 10,14; 1Makk 11,65; 1Makk 14,7; 1Makk 14,33). Aus nachkönigszeitlicher Sicht lassen sich Abraham − und nach ihm Isaak, Jakob und Josef (s.o.) − demnach in Edom, in der Diaspora nieder.

[Detlef Jericke 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:07:20

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BRL (1937), 275−279
  • BHH 2 (1964), 669f (Elliger, Karl, Art. Hebron)
  • TRE 14 (1985), 521–524 (Welten, Peter, Art. Hebron)
  • BRL2 (1977), 144f (Weippert, Helga, Art. Hebron und Mamre)
  • NBL 2 (1995), 81f (Kinet, Dirk, Art. Hebron)
  • ABD 3 (1992), 107f (Wayne Ferris, Paul, Art. Hebron)
  • NEAEHL 2 (1993), 606−609 (Ofer, Avi, Art. Hebron)
  • LThK3 4 (1995), 1234f (Küchler, Max, Art. Hebron)
  • DNP 5 (1998), 219f (Köckert, Matthias/Knauf, Ernst Axel, Art. Hebron)
  • RGG4 3 (2000), 1498f (Lehmann, Gunnar, Art. Hebron)
  • WiBiLex 2006 (Jericke, Detlef, Art. Hebron)
  • EBR 11 (2015), 694-702 (Chadwick, Jeffrey R. u.a., Art. Hebron [Place])

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 115f ;  Alt, Albrecht 1931b , 13−20 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 345−347 ;  Simons, Jan 1959a , 213.326 §§ 349f.736 ;  Hammond, Philip C. 1965aHammond, Philip C. 1966aHammond, Philip C. 1968aHüttenmeister, Frowald / Reeg, Gottfried 1977a , 174f ;  Na’aman, Nadav 1981aKeel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 670−696 ;  Ofer, Avi 1984aKellermann, Mechthild u.a. 1985aMayer, Hans Eberhard 1985aOfer, Avi 1986aAnbar, Moshe / Na’aman, Nadav 1986/1987aSchmitt, Götz 1987aOfer, Avi 1987-1988aSchmitt, Götz 1988aWeippert, Helga 1988a , Register ;  Ofer, Avi 1989aAmit, David 1989/1990aKellermann, Diether 1991aBieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aKellermann, Diether u.a. 1992aAmit, David 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aTsafrir, Yoram u.a. 1994a , 141 ;  Schmitt, Götz 1995a , 123 ;  Jericke, Detlef 1997a , 257−259 ;  Zwingenberger, Uta 2001a , 166−170 ;  Eisenberg, Emanuel / Nagorski, Alla 2002aBatz, Shahar / Peleg, Yuval 2002aVos, Jacobus Cornelis de 2003a , 138−140 ;  Weigl, Michael 2003aJericke, Detlef 2003aFischer, Alexander Achilles 2004aPeleg, Yuval / Eisenstadt, Irina 2004aGaß, Erasmus 2005a , 18−23 ;  Chadwick, Jeffrey R. 2005aLehmann, Gunnar / Niemann, Hermann Michael 2006aSafrai, Zeʾev 2008a , 383-390 ;  Bryce, Trevor 2009a , 306f ;  Lipschits, Oded u.a. 2010aEisenberg, Emanuel 2011aNiesiołowski-Spanò, Łukasz 2011a , 115-140 ;  Jericke, Detlef 2013a , 111–114 ;  Farhi, Yoav / Ben-Shlomo, David 2016aVainstub, Daniel / Ben-Shlomo, David 2016aBen-Shlomo, David 2017aEisenberg, Emanuel / Ben-Shlomo, David 2017a Moussé, Clément 2018aKippenberg, Hans G. 2018aChadwick, Jeffrey R. 2018a