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Makkeda

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Makkedah; Maqqéda

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

Belege AT

Jos 10,10; Jos 10,16-17; Jos 10,21; Jos 10,28-29; Jos 12,16; Jos 15,41

Belege aus altorientalischen Dokumenten

mqdh (hebräisch: Ostrakon von Ḫirbet Ġazze: Beit-Arieh, Itzhaq 1986-1987a; Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 445)
mnqdh (aramäisch: Inschriften aus Idumäa: Lemaire, André 1996a,passim; Lemaire, André 2002a, passim; Ephʿal, Israel / Naveh, Joseph 1996a, passim; HTAT, 504, Nr. 299; 508f, Nr. 317f ; Langlois, Michael 2012a; Porten, Bezalel / Yardeni, Ada 2014a, xxvi–xxxv und passim; Porten, Bezalel / Yardeni, Ada 2016a, 7.36f.39.57.94.133.135.166.234); Porten, Bezalel / Yardeni, Ada 2018a, 9.11.30.62.163.195.203.208.316. 346.351.361.364.370.404(?).408(?).412.456.550.583.589.591. 605(?).610f.626

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Μακηδα (Eusebius, Onomastikon 126,22‒25: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 121 Nr. 666; Timm, Stefan 2017a, 163 Nr. 669)

Beschreibung

Makkeda kommt im Alten Testament nur im Josuabuch vor. Die meisten Belege finden sich in der Erzählung vom Kampf Josuas gegen fünf kanaanäische Könige im Süden des Landes (Jos 10). Josua verfolgt die Könige von der Steige von Bet-Horon über Aseka nach Makkeda (Jos 10,10), wo sie sich in einer Höhle verstecken (Jos 10,16-17), anschließend jedoch von Josua getötet werden. Schließlich erobert Josua Makkeda und vollzieht den Bann an der Stadt (Jos 10,26-27). Anschließend verfährt er in ähnlicher Weise mit Libna und Lachisch. Nach den topographischen Vorstellungen, die der Erzählung zugrunde liegen, lag Makkeda daher in der Schefela (Schefela, Juda) südlich von Aseka in der Nähe von Libna und Lachisch. Auch die Liste judäischer Orte im Josuabuch führt Makkeda und Lachisch in einem Bezirk auf (Jos 15,37-41). Der Ortsname Makkeda ist mehrfach epigraphisch auf Ostraka belegt. Der älteste Fund stammt aus Ḫirbet Ġazze im nördlichen Negeb und datiert in die ausgehende Eisenzeit II (7./6. Jh. v.Chr.) (Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 445). Für die Frage der Lokalisierung ist die Inschrift nicht aussagekräftig, da sie lediglich eine Person nennt, die aus Makkeda (mqdh) stammt. Daher muss das Toponym nicht mit dem Fundort Ḫirbet Ġazze identisch sein. Die übrigen epigraphischen Belege finden sich auf aramäischen Ostraka des späten 4. und frühen 3. Jh.s v.Chr., die den Ortsnamen als mnqdh (Manqeda; HTAT, 504.508f) wiedergeben. Die Artefakte stammen größtenteils aus dem Antikenhandel, sollen jedoch aus dem südlichen Palästina kommen, näherhin aus der Region, die ab dem 4. Jh. v.Chr. Idumäa genannt wurde (s. Edom). Da Makkeda/Manqeda der am häufigsten in den Inschriften genannte Ort ist, dürfte er in der frühen hellenistischen Zeit eine zentrale Funktion in der Region gehabt haben. Mehrfach ist in den Texten von einem "Lagerhaus" (msknt) in Makkeda die Rede. Bei Ausgrabungen auf der Ḫirbet el-Kōm am Ostrand er Schefela, unmittelbar am Übergang zum judäischen Bergland, wurden vergleichbare Ostraka der frühhellenistischen Zeit (spätes 4. Jh. v.Chr.) gefunden, die jedoch den Ortsnamen Makkeda/Manqeda nicht nennen. Dennoch wird mitunter behauptet, alle Ostraka aus der Region Idumäa stammten von der Ḫirbet el-Kōm (Lemaire, André 2004b; vorsichtiger Lemaire, André 2004a). Dies lässt sich jedoch nicht erweisen. Allerdings bietet sich der Platz für eine Gleichsetzung mit Makkeda an (Kellermann, Diether 1978a, 428; Dorsey, David A. 1980a). Er liegt gut 18 km südlich von Aseka/Tell Zekarījā und in Sichtweite von Lachisch/Tell ed-Duwēr. Dazu kommt das Zeugnis des Eusebius. Er schreibt, Makkeda befinde sich acht römische Meilen östlich von Eleutheropolis (Bēt Ğibrīn 1402.1128) (Onomastikon 126,22‒25). Bei etwas großzüger Auslegung der Richtungsangabe kommt man so zu der ca. 11 km (Luftlinie) südöstlich von Bēt Ğibrīn gelegenen Ḫirbet el-Kōm. Etwa 600 m nordöstlich von Ḫirbet el-Kōm liegt die Ḫirbet Bēt Maqdūm. Hier könnte sich ein „Reflex“ (HTAT 503, Anm. 304) des alttestamentlichen Namens Makkeda finden. Zunächst wurde Ḫirbet Bēt Maqdūm für die Gleichsetzung mit Makkeda vorgeschlagen (Elliger, Karl 1934a, 57). Allerdings weist der archäologische Befund lediglich wenige Gefäßscherben der Eisenzeit II auf, überwiegend stammt das bei Oberflächenuntersuchungen dokumentierte Material aus byzantinischer Zeit (Kochavi, Moshe 1972a, 60.83f, Nr. 136; vgl. Dorsey, David A. 1980a, 190). Dagegen sind auf der Ḫirbet el-Kōm Besiedlungsspuren von der Frühbronzezeit (3. Jahrtausend v.Chr.) bis in die hellenistische Zeit (4./3. Jh. v.Chr.) nachgewiesen (NEAEHL 4, 1233-1235). In der Eisenzeit II stand hier eine befestigte Siedlung. Von dieser wurden Reste der Ummauerung und eines 2-Kammer-Stadttores aus dem 7./6. Jh. v.Chr. ergraben. Kleinfunde wie Tonfiguren, zoomorphe Gefäße, Elfenbein- und Knochenintarsien, Kosmetikschalen oder Alabastergefäße (Dever, William G. 1969-1970a, 188) lassen vermuten, dass die Bewohner einen guten Lebensstandard und Anteil am überregionalen Warenhandel hatten. Bemerkenswert sind außerdem eisenzeitliche Felskammergräber des 8. und 7. Jh.s v.Chr. in der Umgebung des Platzes, die teilweise mit Grabinschriften versehen waren. Religionsgeschichtlich interessant ist die Inschrift, die ein gewisser Urijahu anbringen ließ. Sie nennt den Jhwh-Namen und enthält zwei Mal die Wendung „seine Aschera“. Dazuhin ist unterhalb des Texts das Symbol einer Hand eingezeichnet (Mittmann, Siegfried 1981a; Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 202‒211; Keel, Othmar / Uehlinger, Christoph 2001a, 269‒272 mit Abb. 236). In frühhellenistischer Zeit (Ende 4./Anfang 3. Jh. v.Chr.) wurde die Stadtanlage anscheinend wieder aufgebaut. Darauf deuten architektonische Reste über dem Stadttor der späten Eisenzeit II und eine Vielzahl aramäischer und griechischer Inschriften, darunter eine aramäisch-griechische Bilingue. Von der Lage und vom archäologischen Befund her entspricht Ḫirbet el-Kōm somit den Voraussetzungen, die aufgrund der alttestamentlichen Belege und der epigraphischen Bezeugung her zu erwarten sind. Daher ist die These gut begründet, dass hier der im Alten Testament genannte Ort Makkeda zu suchen ist, während sich die Ortschaft aus der Zeit des Eusebius auf der benachbarten Ḫirbet Bēt Maqdūm befand (vgl. Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 411f). Gegen die Lokalisierung des alttestamtlichen Orts auf der Ḫirbet el-Kōm wird gelegentlich eingewandt, dass archäologische Reste aus der Spätbronzezeit und der Eisenzeit I fehlen, also aus der Zeit, in der die Erzählungen des Josuabuchs spielen (ABD 4, 97). Allerdings dürften die Jos 10 zugrundeliegenden Traditionen historisch-topographische Verhältnisse um die Mitte des 1. Jahrtausends v.Chr. spiegeln, so dass das genannte Argument nicht überzeugt. Andere Lokalisierungsvorschläge für Makkeda halten einer kritischen Nachfrage nicht stand. Der in der älteren Literatur genannte Platz el-Muġār („die Höhle“; vgl. Abel, Félix-Marie 1938a, 378) scheint zwar auf die Erzählung von Jos 10 anzuspielen, liegt jedoch zu weit westlich bzw. zu weit von Lachisch entfernt. Der Vorschlag Abels, Makkeda auf der in der nördlichen judäischen Schefela (Schefela, Juda) gelegenen Ḫirbet el-Ḫēšūm zu suchen, beruht auf der schwer nachzuweisenden Prämisse, dass die Richtungsangabe „Osten“ bei Eusebius immer „Norden“ meint. Der Tell eš-Šēḫ Aḥmed el ʿArēnī  (neuhebräisch Tel ʿErāni) liegt bereits am Rand der Küstenebene (Kallai, Zecharia 1986a, 381) und weist v.a. Besiedlungsreste der Bronze- und Eisenzeit auf, während solche der hellenistischen Zeit nur spärlich nachgewiesen sind. Der alternativ von Kallai vorgeschlagene Tell Bornāṭ entspricht zwar den Hinweisen der alttestamentlichen Belege zu Makkeda, nicht jedoch der Beschreibung des Eusebius. Meist wird er zur Lokalisierung von Libna herangezogen. Auch Tell Bēt Mirsim (Dagan, Yehuda 1996a) liegt nach den Angaben im Onomastikon des Eusebius zu weit südlich. Zudem fehlen hier archäologische Reste der frühhellenistischen Zeit.
[Detlef Jericke, 2018]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:02:03

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1130 (Elliger, Karl, Art. Makkeda)
  • EAEHL 1 (1975), 89‒97 (Yeivin, Shmuel, Art. el-ʿAreini, Tell esh Sheikh Ahmed [Tel ʿErani]); 1 (1975), 171‒178 (Albright, William Foxwell, Art. Beit Mirsim, Tell); 4 (1978), 976f (Dever, William G., Art. el-Qôm, Khirbet)
  • NBL 2 (1995), 696f (Görg, Manfred, Art. Makkeda)
  • ABD 1 (1992), 648f (Dever, William G., Art. Beit Mirsim, Tell); 4 (1992), 97‒100 (Holladay, John S. Jr. / Geraty, Lawrence T., Art. Khom, Khirbet el-); 4 (1992), 478 (Kotter, Wade R., Art. Makkedah)
  • NEAEHL 1 (1993), 177‒180 (Albright, William Foxwell / Greenberg, Raphael, Art. Beit Mirsim, Tell); 2 (1993), 417‒422 (Yeivin, Shmuel, Art. ʿErani, Tel); 4 (1993), 1233‒1235 (Dever, William G., Art. Qôm, Khirbet el-)
  • EBR 3 (2011), 785f (Killebrew, Ann E., Art. Beit Mirsim, Tell); 7 (2013), 1119-1120 (Brandl, Baruch, Art. Erani, Tel)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 86 ;  Elliger, Karl 1934a , 55–68 ;  Noth, Martin 1937aAbel, Félix-Marie 1938a , 378 ;  Simons, Jan 1959a , 273 § 492 ;  Weippert, Manfred 1967a , 37 ;  Dever, William G. 1969-1970aNoth, Martin 1971a , 281‒293 ;  Holladay, John S. 1971aHolladay, John S. 1971bKellermann, Diether 1978a , 428 ;  Dorsey, David A. 1980aRainey, Anson Frank 1980a , 196–199 ;  Mittmann, Siegfried 1981aKeel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 773‒783.786‒788.923‒926 ;  Rainey, Anson Frank 1983a , 9 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 381 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aFritz, Volkmar 1994a , 113 ;  Tsafrir, Yoram u.a. 1994a , 172 ;  Dagan, Yehuda 1996aJericke, Detlef 1997a , 296‒298 ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 406.411f ;  Lemaire, André 2004aLemaire, André, 2004aPorten, Bezalel / Yardeni, Ada 2007aRösel, Hartmut N. 2011a , 173 ;  Langlois, Michael 2012aDozeman, Thomas B. 2015a , 431 ;