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Elischa

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Elisha, Elishah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

אלישה ’ælîšāh. Ελισα

Belege AT

Gen 10,4; Ez 27,7; 1Chr 1,7

Belege aus altorientalischen Dokumenten

alašum (altbabylonisch: Groneberg, Brigitte 1980a, 10)
alašiya (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 11f)
alašija (hetitisch: Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 6; Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1992a, 2)
jrs, j3sy (ägyptisch: Schipper, Bernd Ulrich 2005a, 97.99; Hannig, Rainer 2006a, 1105.1116)
jadnana (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 180; Bagg, Ariel M. 2007a, 121f)
kty (altsüdarabisch: Robin, Christian / Maigret, Alessandro de 2010a, 82‒84)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Κυπρος (Herodot, passim; Xenophon, Kyroupeideia 7 und 8, passim; Polybios 33,5,1‒4; 1Makk 15,23; 2Makk 10,13; Strabon, passim: Radt, Stefan 2011a, 300; Apg 11,19; Apg 13,4; Apg 15,39; Apg 21,3; Apg 27,4; Klaudios Ptolemaios, geographikē 5,14,1; 7,5,11; 8,20,1.3; 8,29,20: Stückelberger, Alfred / Graßhoff, Gerd 2006b, 556f.744f.856f.912f)
Cyprus, Cypros (Plinius, naturalis historia, passim)
Ἁλισας (Josephus, antiquitates 1,127)
’ljšh (Targum Onkelos zu Gen 10,4: Sperber, Alexander 1959a, 14)
’ljš’ (Targum Neofiti 1 zu Gen 10,4: Díez Macho, Alejandro 1988a, 62)
’ls (Targum Pseudo-Jonatan zu Gen 10,4: Díez Macho, Alejandro 1988a, 63)

Beschreibung

Elischa wird in Genealogien des Alten Testaments als erster Sohn Jawans (Ioniens) aufgeführt (Gen 10,4; 1Chr 1,7) und somit zu den Nachkommen Jafets gerechnet (Gen 10,2-5; 1Chr 1,5-7) . Das Gerichtswort gegen Tyrus im Ezechielbuch kennt Elischa als Landschaftsnamen. Von dort soll Purpur in verschiedenen Farbvarianten nach Tyrus geliefert werden (Ez 27,7). Nach den alttestamentlichen Hinweisen sollte Elischa daher in der Ägäis bzw. im östlichen Mittelmeerraum vorzustellen sein. Meist wird eine Gleichsetzung mit Zypern vertreten (u.a. Galling, Kurt 1972a, 7f; Westermann, Claus 1974a, 677f; Zwickel, Wolfgang 2000a, 30f; Bagg, Ariel M. 2007a, 121f). Die Insel wird in keilschriftlichen Dokumenten des 2. Jahrtausends v.Chr. alašiya/alašija genannt, was dem alttestamentlichen Namen Elischa weitgehend entspricht. Ausweislich der reichen archäologischen Zeugnisse aus der Bronze- und Eisenzeit war Zypern im 2. und 1. Jahrtausend v.Chr. ein wichtiger Handelsstützpunkt im östlichen Mittelmeerraum, der die Verbindung von der Ägäis in die Levante kontrollierte. Allerdings wurden und werden gegen die Gleichsetzung von Elischa mit Zypern auch Einwände erhoben. Dabei werden insbesondere drei Argumente genannt: (1.) Mit den Kittäern liegt in den Genealogien bereits ein Name für Zypern vor (Gen 10,4; 1Chr 1,7); (2.) aus Zypern wurde kein Purpur, sondern in erster Linie Kupfer exportiert; (3.) im 1. Jahrtausend v.Chr. ist keilschriftlich der Name alašiya/alašija nicht mehr belegt, Zypern heisst in neuassyrischen Dokumenten jadnana. Gegen das erstgenannte Argument ist einzuwenden, dass die syntaktische Struktur in Gen 10,4 und 1Chr 1,7 dafür spricht, die in der zweiten Vershälfte genannten Kittäer und Rodaniter (LXX) als appositionelle Ergänzung zu den in der ersten Vershälfte aufgeführten Namen Elischa und Tarschisch zu verstehen. Daher sind die zwei Namen für Zypern nicht auffällig. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei Gen 10,2-5 nicht um die vermeintlich exakte Beschreibung geographischer Verhältnisse handelt, sondern um eine literarische Landkarte, die verschiedene topographische Bezeichnungen aus dem östlichen Mittelmeerraum zu einer Liste der Nachkommen Jafets zusammenstellt. Daher erscheint es nicht ausgeschlossen, dass zwei unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Insel aufgenommen sind. Das zweite Argument gegen eine Gleichsetzung von Elischa mit Zypern geht davon aus, dass Ez 27 eine authentische Liste der Handelsbeziehungen von Tyrus verarbeitet (Saur, Markus 2008a). Diese Annahme ist jedoch nur schwer verifizierbar. Zudem wäre es verwunderlich, wenn Purpur an die phönizische Küste export worden wäre, da diese Region selbst als Zentrum der Purpurproduktion galt (vgl. Ez 27,16). Schwerwiegender ist der dritte Einwand gegen die Gleichsetzung von Elischa mit Zypern. Wenn die Namensgleichheit von Elischa und alašiya/alašija als Argument standhalten soll, müsste man annehmen, dass die Verfasser von Gen 10 auf eine zu ihrer Zeit (um die Mitte des 1. Jahrtausends oder später) nicht mehr gebräuchliche Namensform zurückgriffen, ohne dabei den aktuelleren Namen jadnana zu beachten. Allenfalls ist zu vermuten, dass die Bezeichnung jadnana nur kurzfristig im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. während der Zeit neuassyrischer Suprematie in Gebrauch und zur Zeit der Abfassung von Gen 10 bereits wieder vergessen war, während der Name der Insel aus dem 2. Jahrtausend v.Chr. länger nachwirkte. Dennoch bleiben gewisse Zweifel an einer vorschnellen Gleichsetzung von Elischa mit Zypern. Allerdings sind auch die Alternativvorschläge zur Lokalisierung von Elischa nicht überzeugend. Josephus schreibt, die Nachfahren des Elischa (Ἁλισας) seien die Äolier (Αἰoleϊς; vgl. auch Franxman, Thomas W. 1979a, 107). Äolien ist eine Landschaft im Nordwesten Kleinasiens im Gebiet um Pergamon, gegenüber der Insel Lesbos (Orth, Wolfgang 1992a, Nebenkarte). Die Einlassung des Josephus dürfte jedoch, wie viele seiner Deutungen der Namen von Gen 10, darauf zurückzuführen sein, dass er seinen Lesern zeitgenössische bzw. aus der hellenistischen Zeit bekannte Namen präsentieren wollte (Maier, Johann 1991a = Maier, Johann 2004a, 139‒175). Daneben wird auf eine bei Strabon (12,1,4; 12,2,7; 14,2,2; 14,5,6) mehrfach genannte Insel Elaioussa (Ἐλαιουσσα) an der kilikischen Küste, also im Südosten Kleinasiens, verwiesen (Simons, Jan 1959a, 28f § 73). Elaioussa wird auf einer Landzunge bei der Einfahrt in den Golf von İskanderun lokalisiert (Pill-Rademacher, Irene u.a. 1988a). Neben der Namensähnlichkeit spricht für diesen Lokalisierungsvorschlag, dass das kilikische Elaioussa nur ca. 50 km südöstlich der Stadt Tarsus liegt, die mitunter zur Lokalisierung des nach Elischa genannten Tarschisch vorgeschlagen wird. Allerdings ist die letztgenannte Gleichsetzung fraglich, und die Lokalsierung von Elaioussa an der genannten Stelle beruht lediglich auf der partiellen Auswertung der bei Strabon zu findenden Hinweise. So wird etwa die Angabe, Elaioussa sei eine Insel, dahingehend ausgelegt, dass es sich auch um eine Art Halbinsel gehandelt haben könnte. Zudem ist der Name Elaioussa noch für verschiedene andere Orte und Landschaften in Kleinasien bzw. im ägäischen Raum bezeugt (Radt, Stefan 2011a, 93). Die Gleichsetzung von Elischa mit dem kilikischen Elaioussa erscheint daher nicht wahrscheinlich. Daneben werden noch der Peloponnes (Hölscher, Gustav 1949a, 23f; vgl. Maier, Johann 1991a, 174; Maier, Johann 2004a, 156) und Kreta (Simons, Jan 1959a, 28f § 73) bzw. der in Apg 27,8 erwähnte Ort Lasaia im Süden Kretas (Berger, Paul-Richard 1982a, 59.71f) für eine Lokalsierung Elischas erwogen. Im Hinblick auf den Peloponnes wird mit der dort bezeugten Purpurproduktion argumentiert. Flankierend könnte darauf verwiesen werden, dass Targum Pseudo-Jonatan den Namen Elischa als ’ls wiedergibt, was vermutlich als „Hellas“ zu verstehen ist. Dies dürfte jedoch, ähnlich wie im Fall von Josephus, der Versuch einer zeitgenössischen Plausibilisierung des unbekannten Namens Elischa sein. Für die Lokalisierung von Elischa auf Kreta lassen sich keine nachvollziehbaren Argumente beibringen. Die Einlassung, die große Insel müsse in Gen 10 Berücksichtigung finden und sei daher mit dem Namen Elischa gemeint, weil die Erwähnung der Kaftoriter, also der Bewohner Kretas (alttestamentlich Kaftor), in Gen 10,14 eine spätere Textergänzung darstelle (Simons, Jan 1959a, 28f § 73), ist erkennbar zirkulär. Der Versuch, durch die Gleichsetzung Elischas mit Kreta die Nachfahren Jafets passend auf eine Landkarte zu verteilen (Berger, Paul-Richard 1982a), verkennt den Charakter von Gen 10,2-5. Insofern erscheint, trotz einiger Unsicherheiten, die Annahme am wahrscheinlichsten, dass sich der Name Elischa auf alašiya/alašija, die alte Bezeichnung für Zypern, bezieht. Die Verfasser von Gen 10 griffen diesen ihnen offenbar noch geläufigen Namen auf und verwendeten ihn für ihre literarische Konstruktion der Jafetiten.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:05:58

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 2252-2254 (Wiesner, Joseph, Art. Zypern)
  • TRE 36 (2004), 810-812 (Ulbrich, Anja / Zwickel, Wolfgang, Art. Zypern I. Altes Testament)
  • NBL 3 (2001), 1235f (Görg, Manfred, Art. Zypern)
  • ABD 1 (1992), 1228–1230 (McRay, John, Art. Cyprus); 2 (1992), 473 (Baker, David W., Art. Elishah)
  • DNP 6 (1999), 990-995 (Meyer, Ernst u.a., Art. Kypros)
  • RGG4 8 (2005), 1959‒1966 (Stephan, Christian u.a., Art. Zypern)
  • EBR 5 (2012), 1207-1213 (Ulbrich, Anja u.a., Art. Cyprus); 7 (2013), 748-750 (Higgins, Ryan, Art. Elishah)

 

Literatur

Gunkel, Hermann 1910a , 153 ;  Hölscher, Gustav 1949a ,23f ;  Skinner, John 1951a , 198 ;  Simons, Jan 1959a , 28f § 73 ;  Speiser, Ephraim Avigdor 1964a , 66 ;  Galling, Kurt 1972a , 7f ;  Westermann, Claus 1974a , 677f ;  Franxman, Thomas W. 1979a , 107 ;  Berger, Paul-Richard 1982a , 59.71f ;  Högemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aWenham, Gordon J. 1987a , 218 ;  Sarna, Nahum M. 1989a , 71 ;  Bunnens, Guy u.a. 1990aLipiński, Edward 1990a , 50f ;  Kessler, Karlheinz 1991aMaier, Johann 1991a , 174.188.191 ;  Mayer, Walter 1996aQuack, Joachim Friedrich 1996aGrainger, John D. 1997a , 709 ;  Soggin, Jan Alberto 1997a , 169 ;  Zwickel, Wolfgang 2000a , 30f ;  Schweizer, Günther / Mittmann, Siegfried 2001aLipiński, Edward 2004a , 37‒107 ;  Maier, Johann 2004a , 156.170.173 ;  Gmirkin, Russell E. 2006a , 150 ;  Cannavó, Anna 2010aWittke, Anne-Maria u.a. 2012a , 23.33 ;  Jacouvou, Maria 2014aFrankel, David 2014aSteel, Louise 2014aIacovou, Maria 2014aIacovou, Maria 2014bMacDonald, Colin u.a. 2015aAndreou, Georgia M. 2016a