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Hawila

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Hevila; Hevilah; Havilah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

חוילה awîlāh. Ευιλατ. „Sandland“

Belege AT

Gen 2,11; Gen 25,18; 1Sam 15,7; PN: Gen 10,7; Gen 10,29; 1Chr 1,9; 1Chr 1,23

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἐυιλα (Josephus, antiquitates 1,134)
Ἐυιλης (Josephus, antiquitates 1,147)
Euilath (Theodosius 16: Geyer, Paulus 1898a, 144; Donner, Herbert 2002a, 203)
hndqj (Targum Neofiti zu Gen 2,11: Díez Macho, Alejandro 1988a, 14)
hndjn (Targum Neofiti zu Gen 25,18: Díez Macho, Alejandro 1988a, 168)
hjndjqj (Targum Pseudo-Jonatan zu Gen 2,11: Díez Macho, Alejandro 1988a, 15)
hndqj (Targum Pseudo-Jonatan zu Gen 25,18: Díez Macho, Alejandro 1988a, 169)

Beschreibung

In der „Paradiesgeographie“ Gen 2,10−14 dient Hawila zur geographischen Näherbestimmung des ersten Paradiesflusses, des Pischon. Da jedoch der Pischon ansonsten völlig unbekannt ist, lässt sich für die Lage von Hawila aus diesem Text nichts entnehmen. Die Targume setzen Hawila mit Indien gleich und folgen dabei der seit der römischer Zeit belegten Tradition, die „Paradiesgeographie“ auf dem indischen Subkontinent zu verorten (Delitzsch, Franz 1887a, 82f; König, Eduard 1925a, 209−215; vgl. Josephus, antiquitates 1,38; Eusebius, Onomastikon 166,7: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 155, Nr. 913). In der älteren Fachliteratur finden sich darüber hinaus Versuche, alle in der „Paradiesgeographie“ genannten Toponyme im Zweistromland zu lokalisieren (vgl. noch Dietrich, Manfried 2001a). Die These ist jedoch mit vielen Prämissen bzw. Hilfsannahmen behaftet. Auch der Hinweis auf Gen 2,8 hilft nicht, da der dort zu findende Ausdruck miqqædæm nicht nur „im Osten“, sondern auch „am Anfang“ bedeuten kann (vgl. Ps 74,12; Ps 77,6). Der Gottesgarten, aus dem die Paradiesflüsse entspringen, muss also nicht zwangsläufig „im Osten“ gesucht werden. Gen 25,18 und 1Sam 15,7 gebrauchen die fast wortgleiche Wendung „von Hawila bis Schur“ zur Umschreibung der Siedlungsgebiete der Ismaeliter bzw. der Amalekiter. Mit der stilisierten Wendung dürfte das gesamte Aktionsgebiet nomadischer Gruppen in den Wüstengebieten südlich des palästinischen Kulturlands vom Nildelta im Westen (Schur „Mauer“ als Ausdruck der stark befestigten Ostgrenze des Deltas) bis zur arabischen Halbinsel im Osten gemeint sein. Auf den westlichen Teil der arabischen Halbinsel weist auch die Verwendung des personifizierten Namens Hawila in Gen 10,7 neben Dedan/al-‘Ulā (26º36'29"N.37º55'58"E) in Nordwest- und Saba/Jemen in Südwestarabien. In Südwestarabien ist mehrfach auch die mit dem Namen Hawila verwandte Landschaftsbezeichnung Ḫaulān bezeugt, die erstmals in altsabäischen Texten des 1. Jt. v.Chr. genannt ist. Saba, d.h. das Königreich der Sabäer (8.−5. Jh. v.Chr.) hatte enge kulturelle und wirtschaftliche Kontakte zu Regionen in Ostafrika bis in das äthiopische Hochland hinein. Daher ist zu vermuten, dass die Namen Saba und Hawila in Gen 10 auch ostafrikanische Regionen westlich des Roten Meers bezeichnen sollten. Von daher erklären sich die Verbindung von Hawila und Saba mit Kusch/Nubien (Äthiopien) in Gen 10,7 und die Kennzeichnung von Hawila als Goldland in Gen 2,11‒12. Die Lokalisierung in Ostafrika und Arabien erhellt auch die doppelte Erwähnung von Hawila in Gen 10 als Sohn des Kusch (Gen 10,10) und des Joktan (Gen 10,29), da Kusch zur Linie des Ham (Ostafrika mit Ägypten, Kanaan), Joktan zu Sem (Arabien, Mesopotamien) gerechnet wird.

[Detlef Jericke, 2015]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:07:05

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 716 (Ringgren, Helmer, Art. Hevila)
  • NBL 2 (1995), 59–60 (Görg, Manfred, Art. Hawila)
  • ABD 3 (1992), 81–82 (Müller, Walter W., Art. Havilah)
  • WiBiLex 2011 (Jericke, Detlef, Art. Hawila)
  • EBR 11 (2015), 415-417 (Bibb, Bryan, Art. Havilah [Place])

 

Literatur

Niebuhr, Carsten 1772a , 270−293 ;  Gunkel, Hermann 1910a , 6f ;  Simons, Jan 1959a , 40f 317f §§ 106.684 ;  Speiser, Ephraim Avigdor 1964a , 70f ;  Gispen, Willem H. 1966aWestermann, Claus 1974a , 296f ;  Görg, Manfred 1977aGörg, Manfred 1991a , 3−12 ;  Lipiński, Edward 1992a , 142-145 ;  Dietrich, Manfried 2001aStordalen, Terje 2008aSchiettecatte, Jérémie 2011aJericke, Detlef 2013a , 28f ;  Arbach, Mounir / Rossi, Irene 2014aLuciani, Marta 2016aLipiński, Edward 2018a , 105-109 ;