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Machpela

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Machpelah

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

המכפלה hammakpelāh. τὸ σπήλαιον τὸ διπλοῦν. „Doppel(höhle)“

Belege AT

Gen 23,9; Gen 23,17; Gen 23,19; Gen 25,9; Gen 49,30; Gen 50,13

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Beschreibung

Machpela bezeichnet den Platz des Familiengrabs der Erzeltern. Abraham kauft von dem Hetiter Efron ein Feld (śādæh) mit einer Höhle (me‘ārāh). Alternativ werden Feld (Gen 23,19; Gen 49,30; Gen 50,13) oder Höhle (Gen 23,9; Gen 25,9) Machpela genannt. Da Machpela immer mit Artikel gebraucht wird (hammakpelāh), ist fraglich, ob es sich um einen Eigennamen handelt. Die LXX übersetzt τὸ σπήλαιον τὸ διπλοῦν „die Doppelhöhle“ und leitet damit die Bezeichnung Machpela von der Wurzel kpl „doppelt legen“ (Ex 26,9 u.ö.) ab. Diesem Sprachgebrauch folgt das Jubiläenbuch (Jub 23,7; 36,2.21; 45,15; 46,9). Möglicherweise dienten die sprachlichen und syntaktischen Uneindeutigkeiten der alttestamentlichen Überlieferung und der einschlägigen Nacherzählungen aus hellenistischer Zeit dazu, die Lage der Machpela zu verschleiern, um − ähnlich wie beim Grab des Mose (Dtn 34,6) − einen Lokalkult zu verhindern. Die stereotype Wendung, die Machpela liege „bei“ bzw. „im Angesicht von“ Mamre (‘al-penê mamre’; Gen 23,19; Gen 25,9; Gen 49,30; Gen 50,13) weist lediglich darauf hin, dass die Machpela nicht im Bereich des alttestamentlichen Orts Hebron auf dem Ǧebel er-Rumēde westlich oberhalb der heutigen Stadt, sondern im Talgrund gedacht ist, in dessen unmittelbarer Umgebung vermutlich das Mamre der vorrömischen Zeit (Ḫirbet Nimrā 1609.1038) zu suchen ist. Das heute Machpela genannte Bauwerk (arabisch Ḥaram el-Ḫalīl) im Zentrum der modernen Stadt Hebron stammt in seinen Anfängen aus der Zeit des Herodes (37 v.Chr.−4. n.Chr.). Der Bau war zunächst lediglich ein 59 x 34 m großes, nicht überdachtes ummauertes Podium. Die Wahl des Platzes könnte von bronze- und eisenzeitlichen Grabanlagen beeinflusst worden sein, von denen sich noch Reste in den Höhlen unterhalb des Ḥaram nachweisen lassen. In byzantinischer Zeit wurde innerhalb des ummauerten Bezirks eine Kirche errichtet, die in islamischer Zeit in eine Moschee umgebaut wurde. Möglicherweise standen im 6. und 7. Jh. n.Chr. bereits Kenotaphe (Leergräber) über den vermeintlichen Gräbern der Erzeltern. Zumindest können Pilgererzählungen dieser Zeit so gedeutet werden (Keel, Othmar / Küchler, Max 1984a, 682f). Der Pilgerbeicht des Arkulf/Adomnanus aus dem 7. Jh. n.Chr. zählt neben den Gräbern von Abraham, Isaak und Jakob noch das „des ersten Menschen Adam“ auf und spricht daher von „vier Patriarchen“. Auf diese Weise will er den von ihm genannten Namen der Grabstätte („Arbe“) deuten, den er vom biblischen Kirjat-Arba („Stadt der Vier“) ableitet (Arkulf/Adomnanus 2, IX.X: Geyer, Paulus 1898a, 260f; Donner, Herbert 2002a, 354‒356). Der heute sichtbare Zustand mit einer zweigeteilten Moschee, die seit 1967 teilweise als Synagoge genutzt wird, den Kenotaphen für die Erzeltern und der seitlich angebauten Moschee mit dem Josefgrab  − entgegen der biblischen Tradition, die das Grab Josefs  in Sichem kennt (Jos 24,32) − geht auf Um- und Einbauten aus dem 14. Jh. n.Chr. zurück. Die Verlegung der Lokaltradition des Josefgrabs scheint dabei auf eine islamische Volksüberlieferung zurückzugehen (Keel, Othmar / Küchler, Max 1984a, 682). Seit der Kreuzfahrerzeit wurden verschiedene Versuche unternommen, in den Bereich unter dem Ḥaram vorzudringen. Eine spektakuläre Aktion im Jahr 1968, bei der ein Mädchen durch einen Schacht hinuntergelassen wurde, führte lediglich zur Entdeckung einer arabischen Grabinschrift aus dem Mittelalter  (Dayan, Moshe 1976a; Miller, Nancy 1985a).

[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:02:16

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1119 (Beek, Martinus Adrianus, Art. Machpela)
  • NBL 2 (1995), 682f (Kalimi, Isaac, Art. Machpela)
  • ABD 4 (1992), 460f (DeVries, LaMoine F., Art. Machpelah)
  • LThK3 6 (1997), 1165f (Fischer, Irmtraud, Art. Machpela)

 

Literatur

Dalton, Canon 1897aVincent, Louis-Hugues / Mackay, Ernest John Henry 1923aArden-Close, Charles-Frederick 1951aSimons, Jan 1959a , 213 § 351 ;  Yeivin, Zeev 1974aDayan, Moshe 1976aYeivin, Zeev 1976−1977aJacobson, David M. 1981aKeel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 670‒696 ;  Miller, Nancy 1985aChen, Doron 1987aRiesner, Rainer 1997aBusse, Heribert 1998aJericke, Detlef 2003a , 18f ;  Jericke, Detlef 2013a , 111–114.156f. ;  Moussé, Clément 2018a