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Kirjat-Arba

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Kirjath-Arba; Kiriath-Arba; Kirjath; Kirjat

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

קרית (ה)ארבע qirjat (hā)’arba‘. πόλις Αρβοκ, Καριαθαρβοκ. „Stadt des Arba, Stadt der Vier“

Belege AT

Gen 23,2; Gen 35,27; Jos 14,15; Jos 15,13; Jos 15,54; Jos 20,7; Jos 21,11; Ri 1,10; Neh 11,25

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

qrjt ‘rbjh? (aramäisch: Beyer, Klaus 1984a, 352)
Chariatharbe (Epitaphium S. Paulae 11: Donner, Herbert 2002a, 153)
Arbe (Arkulf/Adomnanus 2, IX.X: Geyer, Paulus 1898a, 260f; Donner, Herbert 2002a, 354‒356)

Beschreibung

Nahezu durchgängig identifizieren die alttestamentlichen Texte Kirjat-Arba mit Hebron (Gen 23,2; Gen 35,27; Jos 15,13; Jos 15,54; Jos 20,7; Jos 21,11). Auch Textzeugnisse der hellenistischen und römischen Zeit gehen von der Identität beider Toponyme aus (Jub 19,1; Josephus, antiquitates 1,237: Grabkauf in Νεβρων). Zwei alttestamentliche Belege erklären Kirjat-Arba als den alten Namen von Hebron (Jos 14,15; Ri 1,10), wobei Arba als Personenname verstanden wird (vgl. Jos 15,13; Jos 21,11). Danach war Arba der Vater Anaks, dessen drei Söhne in Hebron gelebt haben sollen (Num 13,22). Auch die LXX versteht Arba meist als Personenname (πόλις Αρβοκ). Lediglich in Ri 1,10 und Neh 11,25 wird der Ortsname transkribiert (Καριαθαρβοξεφερ bzw. Καριαθαρβοκ). Daher wird mitunter vermutet, der Name Kirjat-Arba spiele auf vier Clans innerhalb der Stadt Hebron an, deren Namen sich möglicherweise in Anak und seinen Söhnen erhalten haben (Lipiński, Edward 1974a; NBL 2 [1995], 486f). Allerdings sind in analogen Fällen, in denen angeblich alte Ortsnamen − Jebus für Jerusalem (Jos 18,28; Ri 19,10; 1Chr 11,4), Lus für Bet-El (Gen 28,19; Ri 1,23) oder Kirjat-Sefer für Debir (Jos 15,5; Ri 1,11) − angeführt werden, die entsprechenden Bezeichnungen als junge Bildungen der persischen oder hellenistischen Zeit anzusehen (Jericke, Detlef 2008b). Insofern dürfte auch Kirjat-Arba als ein in hellenistischer Zeit aufgekommener Zweitname der Stadt Hebron zu verstehen sein. Er nimmt möglicherweise auf vier Quartiere der seit dem 3. Jh. v.Chr. im Talgrund von el-Ḥalīl (1605.1035) neu entstehenden Stadt Bezug. Eine solche Annahme wird durch den einzigen Textbeleg gestützt, der Kirjat-Arba ohne Verweis auf Hebron erwähnt (Neh 11,25). Der Abschnitt Neh 11,25–30 bietet eine Liste von Orten aus dem südlichen judäischen Bergland, dem Negeb und der Schefela (Schefela, Juda). Die Liste geht auf Verhältnisse der spätpersischen oder der hellenistischen Zeit zurück und benennt Siedlungen von Judäern, die in Idumäa leben (Edom). Ab dem ausgehenden 4. oder ab dem 3. Jh. v.Chr. wurde demzufolge Kirjat-Arba als Name der älteren Stadt Hebron geführt. Die Bezeichnung Kirjat-Arba konnte sich allerdings nicht durchsetzen, wie die Belege für „Hebron“ im 1. Makkabäerbuch (1Makk 5,65), im Jubiläenbuch (Jub 19,1), im Genesis-Apokryphon aus Qumran oder bei Josephus zeigen (s. Hebron). Ob daher das in einem aramäischen Papyrus des 2. Jh. n.Chr. erwähnte Toponym qrjt ‘rbjh den alttestamentlichen Ort Kirjat-Arba/Hebron meint, ist fraglich (vgl. Beyer, Klaus 1984a, 352). Die Namensform Chariatharbe, die Hieronymus im Bericht über die Pilgerreise der Paula aus dem frühen 5. Jh. n.Chr. verwendet, ist schriftgelehrter Rückgriff auf die alttestamentliche Tradition und gibt nicht den zeitgenössischen Ortsnamen wieder.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:04:23

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 956 (Rüger, Hans-Peter, Art. Kirjath 1. K.-Arba)
  • NBL 2 (1995), 486f (Görg, Manfred, Art. Kirjat. 1. K.-Arba)
  • ABD 4 (1992), 84 (Hamilton, Jeffries M., Art. Kiriath-Arba)

 

Literatur

Simons, Jan 1959a , 219 § 375 ;  Lipiński, Edward 1974aLemaire, André 1990a , 40f ;  Lemaire, André 1994a , 20‒28 ;  Tsafrir, Yoram u.a. 1994a , 209 ;  Jericke, Detlef 2003a , 89‒91 ;  Gaß, Erasmus 2005a , 18‒23 ;  Jericke, Detlef 2008b , 181 ;  Jericke, Detlef 2013a , 155f.111‒114 ;  Farhi, Yoav / Ben-Shlomo, David 2016a