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Rama, benjaminitisch

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Ramah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

הרמה hārāmāh. Ραμα

Belege AT

Jos 18,25; Ri 19,13; 1Kön 15,17; 1Kön 15,21-22; Jes 10,29; Jer 31,15; Jer 40,1; Hos 5,8; Esr 2,26; Neh 7,30; Neh 11,33; 1Chr 27,27 (gent.); 2Chr 16,1; 2Chr 16,5-6

1Sam 2,11 (?); 1Sam 7,17 (?); 1Sam 8,4 (?); 1Sam 15,34 (?); 1Sam 16,13 (?); 1Sam 19,18-19 (?); 1Sam 19,22-23 (?); 1Sam 20,1 (?); 1Sam 25,1 (?); 1Sam 28,3 (?); 

Belege NT

Ῥαμα (Mt 2,18)

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Ἀρμαθων (Josephus, antiquitates 8,303)
Ῥαμαα (Eusebius, Onomastikon 18,13–16: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 19f., Nr. 48; Timm, Stefan 2017a, 20 Zeile 3, Nr. 48)
Ῥαμα (Eusebius, Onomastikon 66,11–16; 132,3–5; 144,14f: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 65f.125.136, Nr. 313.695.774; Timm, Stefan 2017a, 80 Zeile 9. 170 Zeile 1f. 189 Zeile 1f,  Nr. 313.698.777)
Rama (Hieronymus, Commentariorum in Osee Lib. II zu Hos 5,8: MignePL 25, 861; Adriaen, Marcus 1969a, 56)
 

Beschreibung

Name

Der Name rāmāh meint „Höhe“. Außer Neh 11,33 und Jer 31,15 ist das Wort im MT immer durch den Artikel determiniert: hārāmāh „die Höhe“ (Gaß, Erasmus 2005a, 240f). LXX variiert die Wiedergabe der hebräischen Namensform und versucht so zwischen dem zu Benjamin gerechneten Ort (Ραμα) und dem efraimitischen Rama (Αρμαθαιμ, vgl. hebräisch hārāmātajim 1Sam 1,1) zu unterscheiden. Die seltene Schreibung Αραμα (Esr 2,26; Neh 7,30) will vermutlich die hebräische Namensform mit Artikel transkribierend wiedergeben. Die bei Josephus zu findende Form Ἀρμαθων dürfte eine Variante zu Αρμαθαιμ sein.

Altes Testament

Das Alte Testament kennt verschiedene Orte mit dem Namen Rama. Neben dem zu Benjamin gerechneten sind ein Rama in Ascher (Rama, Ascher; Jos 19,29) und eines in Naftali (Rama, Naftali; Jos 19,36) belegt. Der in den Samuelerzählungen von 1Sam belegte Ort Rama (Rama, efraimitisch) bzw. Ramatajim soll in Efraim liegen (1Sam 1,1).
Die Unterscheidung zwischen dem benjaminitischen und dem efraimitischen Rama ist jedoch problematisch (Gaß, Erasmus 2005a, 241; Dietrich, Walter 2010a, 33‒35). Nach dem Textzusammenhang meinen die Belege in Jos 18,25 und Neh 11,33 eindeutig den Ort in Benjamin, da sie jeweils innerhalb einer Liste stehen, die benjaminitische Ort aufführt (Jos 18,21-28; Neh 11,31-36). Vom Kontext her ist auch die Zugehörigkeit des Ri 19,13 genannten Rama zu Benjamin unbestritten, da der Ort hier neben dem benjaminitischen Gibea (Gibea, benjaminitisch) genannt ist (vgl. Jos 18,28; 1Sam 13,2; 1Sam 13,15; 1 Sam 14,16; Groß, Walter 2009a, 814–819). Ähnliches gilt von Hos 5,8, wo Rama parallel zu Bet-Awen (vgl. Jos 18,12) steht. Esr 2,26, Neh 7,30 und Jes 10,29 nennen Rama jeweils in engem Zusammenhang mit dem zu Benjamin gezählten Ort Geba (vgl. Jos 18,24). Ebenso meinen die Erzählungen von Auseinandersetzungen zwischen Bascha von Israel und Asa von Juda im israelitisch-judäischen Grenzgebiet höchstwahrscheinlich das benjaminitische Rama (1Kön 15,17; 1Kön 15,21-22; 2Chr 16,1; 2Chr 16,5-6), zumal auch hier Geba in Benjamin (1Kön 15,22) und Mizpa (vgl. Jos 18,26) im näheren Erzählkontext erwähnt sind. Etwas umstritten sind die Belege im Jeremiabuch (Gaß, Erasmus 2005a,241). Rama als Ort der Klage Rahels (Jer 31,15; vgl. Mt 2,18) ist topographisch nicht näher eingegrenzt. Ein Zusammenhang mit Efraim ist jedoch nicht auszuschließen (vgl. Jer 31,20). LXX schreibt jedoch Ραμα und setzt somit den Ort in Benjamin voraus (LXX Jer 38,15). Auch in Jer 40,1 (LXX Jer 47,1) ist Rama lokal nicht näher bestimmt. Die in LXXB überlieferte Namensform Δαμαν ist enigmatisch, LXXA dagen hat an dieser Stelle Ραμα und impliziert den Ort in Benjamin. Auch die vorausgesetzte Nähe zu Jerusalem und der Szenenwechsel nach Mizpa im weiteren Verlauf des Kapitels sprechen für ein benjaminitisches Rama in Jer 40,1.
Das 1Chr 27,27 belegte gentilizium hārāmātî „der Ramatiter“ bezieht sich vermutlich auch auf den Ort in Benjamin, wenn mit dem hier genannten Ramatiter Schimi die gleichnamige Figur gemeint ist, die David bei seiner Flucht ins Ostjordanland verflucht (1Sam 16) und die bei Davids Rückkehr begnadigt wird (2Sam 19). Zumindest wird der dort genannte Schimi zum „Haus Saul“ (2Sam 16,5) bzw. zu Benjamin gerechnet (2Sam 19,17).
Der in den Erzählungen über Samuel in 1Sam belegte Ort Rama (Rama, efraimitisch) bzw. Ramatajim soll in Efraim liegen (1Sam 1,1; vgl. Ri 5,4) und wird daher häufig von den gleichnamigen Orten in Benjamin, Ascher und Naftali unterschieden (vgl. WiBiLex, Art. Rama; abwägender Gaß, Erasmus 2005a, 240–245). Allerdings spielt sich Samuels Tätigkeit u.a. auch an Orten ab, die z.T. zu Benjamin gezählt werden wie Bet-El, Gilgal und Mizpa (1Sam 7,16-17; 1Sam 11,14-15; vgl. Jos 18,21; Jos 15,7; Jos 18,17; vgl. Gelilot). Darüber hinaus lassen die Belegstellen, die eindeutig Rama in Benjamin zuzuordnen sind, nicht erkennen, dass hier ein anderer Ort als in der Samuelgeschichte gemeint ist (vgl. Rama, efraimitisch). Der geschilderte Befund lässt sich am ehesten dahingehend interpretieren, dass es nur einen Ort Rama im Bergland nördlich von Jerusalem gab, der in unterschiedlichen Erzählzusammenhängen entweder dem Gebiet Efraims oder dem Territorium Benjamins zugerechnet wird (vgl. ABD 5, Art. Ramah). Ebenso soll auch Bet-El alternativ zu Efraim (Ri 4,5) oder zu Benjamin (Jos 18,22) gehören, ohne dass daraus auf zwei unterschiedliche Orte namens Bet-El geschlossen wird.

Nachalttetamentliche Literatur

Die nachalttestamentliche Literatur kennt nur den Ort, der im Alten Testament zu Benjamin gerechnet wird. Die bei Josephus zu findende Namensform Ἀρμαθων scheint zwar von Αρμαθαιμ beeinflusst zu sein, das LXX für den vorgeblich efraimitischen Ort bzw. für Ramatajim auf dem Gebirge Efraim (1Sam 1,1) verwendet. Die Angabe des Josephus, dass Rama 40 Stadien (= 7,4 km) von Jerusalem entfernt liegt, weist jedoch auf einen benjaminitischen Ort (antiquitates 12,303).
Eusebius kennt nur ein Ῥαμα, das er als „Stadt Sauls“ bezeichnet, womit augenscheinlich der Ort der alttestamentlichen Samuel-Saul-Erzählungen gemeint ist. Dieses Rama rechnet er zu Benjamin und lokalisiert es 6 Meilen (ca. 9 km) nördlich von Jerusalem bei Bet-El (Onomastikon 144,14f). Auch wenn er von Sauls Rama bei Bet-El und Geba (Onomastikon 18,13–16), vom Rama bei Gibeon und Bet-El (Onomastikon 66,11–16) oder vom Rama bei Michmas redet (Onomastikon 132,3–5), meint er den Onomastikon 144,14f beschriebenen Platz.

Lokalisierung

Das benjaminitische Rama wird mit großer Zuversicht in er-Rām lokalisiert, einem Ort, der heute im Norden Groß-Jerusalems liegt. Für diese Annahme sprechen die Namensüberlieferung, die natürliche Lage und der archäologische Befund. In alttestamentlicher Zeit befand sich der Platz ca. 9 km nördlich der Davidstadt (Kellermann, Diether u.a. 1992a). Dies entspricht den Entfernungsangaben des Josephus und des Eusebius (Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993a; Gaß, Erasmus 2005a, 241f.244; WiBiLex, Art. Rama, 3.; Dietrich, Walter 2010a, 34). Dazuhin lag der Platz nahe bei Geba (Ǧebaʿ, vgl. Jes 10,29), das ca. 2,5 km weiter östlich zu finden ist (Kellermann, Mechthild u.a. 1985a). Oberflächenbefunde deuten auf eine nahezu durchgehende Besiedlung von der Eisenzeit bis zur ottomanischen Zeit. Die Hauptbesiedlungsphasen lagen vermutlich in der Eisenzeit II und in byzantinischer Zeit (Finkelstein, Israel / Magen, Yitzhak 1993a, 168f No. 188; Gaß, Erasmus 2005a, 244). Insofern sollte es sich um einen Platz handeln, der sowohl in alttestamentlicher Zeit als auch in der Zeit des Eusebius bewohnt war.
Nimmt man jedoch eine Gleichsetzung des benjaminitischen Rama mit dem gleichnamigen Ort der Samuelerzählungen an, so ist eine Lage weiter nördlich im Grenzgebiet der zu Efraim und zu Benjamin gerechneten Plätze denkbar. Von den für das Rama Samuels (Rama, efraimitisch) vorgebrachten Lokalisierungsvorschlägen käme allenfalls die früheisenzeitliche Siedlung auf der Ḫirbet Raddāne im Norden der heutigen Stadt Ramallāh in Frage. Der Platz wird auch für das zu Benjamin gezählte Atrot-Addar vorgeschlagen. Ḫirbet Raddāne war lediglich in der Eisenzeit I (ca. 12. bis 10. Jh. v.Chr.) besiedelt, also in der Zeit, in der die Erzählungen aus der vorköniglichen Zeit in den Büchern Josua und 1Sam spielen. Grabungen dokumentieren ein für diese Zeit typisches Berglanddorf (NEAEHL 4, 1253f; Lederman, Zvi 1999a; Zwingenberger, Uta 2001a, 141‒144; WiBiLex, Art Chirbet Raddana). Abgesehen davon, dass die Annahme einer Besiedlung in der erzählten Zeit aufgrund der erst später anzusetzenden Entstehungszeit der alttestamentlichen Textbelege nicht notwendig ist, käme man bei der Gleichsetzung von Ḫirbet Raddāne mit dem Rama in Benjamin/Efraim mit den Textbelegen in Probleme, die sich auf die mittlere und späte Königszeit beziehen (1Kön 15,17; 1Kön 15,21-22; Jes 10,29; Jer 31,15; Jer 40,1; Hos 5,8), da der Platz nach dem 10. Jh. v.Chr. nicht mehr besiedelt war. Gegen die genannte Lokalisierung spricht dazuhin, dass die Ortslage ca. 15 km nördlich des alttestamentlichen Jerusalem liegt und somit den Entfernungsangaben der antiken Autoren nicht entspricht. Man müsste demzufolge annehmen, dass Josephus und Eusebius den Platz nicht mehr kannten und von einer gleichnamigen Lokalität ausgingen, die näher bei Jerusalem war. Die genannten Einwände sprechen somit gegen eine Gleichsetzung des einen, alternativ zu Efraim oder Benjamin gerechnetes Orts Rama mit der Ḫirbet Raddāne.
 

 

Autor: Detlef Jericke, 2021; letzte Änderung: 2021-03-17 13:43:21

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 1548f (Elliger, Karl, Art. Rama)
  • NBL 3 (2001), 277f (Zwickel, Wolfgang, Art. Rama)
  • ABD 5 (1992), 613f (Arnold, Patrick M., Art. Ramah)
  • RGG4 7 (2004), 29 (Naʾaman, Nadav, Art. Rama)
  • WiBiLex 2007 (Koenen, Klaus, Art. Rama); 2014 (Koenen, Klaus, Art. Chirbet Raddana)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 98 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 428f ;  Noth, Martin 1953a , 112 ;  Simons, Jan 1959a , 307.380 §§ 646-7.1019 ;  Schunck, Klaus-Dietrich 1963a , 21.160 ;  Noth, Martin 1968b , 338 ;  Pringle, Denys / Leach, Peter 1983aAharoni, Yohanan 1984a , 370.402.424 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 403 ;  Finkelstein, Israel / Magen, Yitzhak 1993a , 168f ;  Fritz, Volkmar 1994a , 185 ;  Gaß, Erasmus 2005a , 240–245 ;  Zilberbod, Irina 2008aGreenberg, Raphael / Keinan, Adi 2009a , 71, Nr. 352 ;  Groß, Walter 2009a , 268.814–819 ;  Pitkänen, Pekka M.A. 2010a , 316 ;  Dietrich, Walter 2010a , 33‒35 ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 295 ;  McKinny, Charles Christopher 2016a , 333f ;  Hofeditz, Ulrich 2020a , 133.198 ;  Edrey, Meir / Khamisy, Rabei 2021a