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Gelilot

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Geliloth; Gilgal

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

גלילות gelîlôt. γαλιλωθ

Belege AT

Jos 15,7(?); Jos 18,17

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Βαλιλωθ (Eusebius, Onomastikon 50,26: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 52, Nr. 236; Timm, Stefan 2017a, 61 Zeile 9, Nr. 236)

Beschreibung

Name

Der Name kann von gll „rollen, wälzen“ abgeleitet werden und meint „(Stein)kreise“, „(Stein)haufen“ oder „Geröll“ (Gaß, Erasmus 2005a, 185). In Jos 18,17 wird er als Eigenname verwendet. In Konstruktusverbindungen ist er als Gattungsbezeichnung für „Gebiet, Territorium“ belegt, etwa in der Wendung „Gebiet der Philister“ gelîlôt happelištîm (Jos 13,2) bzw. gelîlôt pelæšæt (Jo 4,4). Ähnlich wird der Audruck auch in Jos 22,10-11 verstanden (Ballhorn, Egbert 2011a, 414; EBR 9, 1088), obwohl LXX gelîlôt in diesen beiden Versen als Toponym versteht und Γαλγαλα, „Gilgal“ (Jos 22,10) bzw. Γαλααδ „Gilead“ (Jos 22,11; Gilead, Landschaft) übersetzt. Die genannten Übersetzungsvarianten zeigen, dass bereits die frühe Textrezeption keine genauen Vorstellungen mehr mit dem Begriff gelîlôt verband.

Altes Testament

Als Toponym ist Gelilot nur im Josuabuch belegt. Jos 18,17 besagt, dass die südliche Grenze Benjamins von En-Schemesch nach Gelilot verläuft, das gegenüber der Steige von Adummim liegt. Gelilot sollte demnach östlich von En-Schemesch in Richtung auf die Wüste Juda hin gesucht werden. In der Beschreibung der Nordgrenze Judas wird die entsprechende Grenzmarkierung haggilgāl „Gilgal“ genannt. Auch dieser Platz soll gegenüber der Steige von Adummim zu finden sein (Jos 15,7). Unklar ist dabei, ob das Gilgal von Jos 15,7 mit dem gleichnamigen Platz bei Jericho (Jos 4,19-20; Jos 5,9-10 u.ö.) in Verbindung zu bringen ist. Das Gilgal bei Jericho ist östlich dieser Stadt gedacht (RGG4 3, 930f; Gaß, Erasmus 2005a, 2005a, 185‒194; EBR 10, 277‒279). Die Steige von Adummim dagegen, die als Anhaltspunkt für die Lage von Gelilot dient, soll zwischen Jerusalem und der Araba, demnach westlich von Jericho liegen (Jos 18,16-18). Daher nehmen manche Kommentierende an, dass ursprünglich auch in Jos 15,7 die Bezeichnung Gelilot stand und diese im Lauf der Textüberlieferung durch das bekanntere Toponym Gilgal ersetzt wurde (Noth, Martin 1953a, 84.108; Knauf, Ernst Axel 2008a, 142; Rösel, Hartmut N. 2011a, 239). Dagegen stehen die alten Übersetzungen. LXX gibt die Namen in Jos 15,7 (Γαλγαλ) und Jos 18,17 (Γαλιλωθ) jeweils transkribierend wieder und unterscheidet auf diese Weise die beiden Toponyme. Die Vulgata hat in Jos 15,7 die transkribierende Form Galgala, während sie das Gelilot von Jos 18,17 als tumuloi „Hügel“ übersetzt (Vulgata Jos 18,18) und demzufolge als Geländeformation auffasst.
Möglicherweise gab es in alttestamentlicher Zeit mehrere Plätze namens Gilgal, so dass das Gilgal/Gelilot von Jos 15,7 und Jos 18,17 von dem Gilgal bei Jericho zu unterscheiden ist (EBR 10, 277–279). Andererseits könnte die Gleichsetzung von Gilgal und Gelilot in Jos 15,7 und Jos 18,17 auf die Verwendung des Ausdrucks gelîlôt in Jos 22 zurückzuführen sein. Nach Jos 22,10-11errichten die zweieinhalb ostjordanischen Stämme einen Altar bei den gelîlôt hajjarden („Gelilot des Jordan“). Diese liegen nach Jos 22,10 im „Land Kanaan“, also westlich des Jordan, nach Jos 22,11 dagegen östlich des Flusses. Insofern schreibt LXX zunächst Γαλγαλα „Gilgal“ (Jos 22,10), dann Γαλααδ „Gilead“ (Jos 22,11) (s.o.) (vgl. Knauf, Ernst Axel 2008a; 185; Ballhorn, Egbert 2011a, 417). Der griechische Text (LXXB) stellt so für Jos 22,10 eine Verbindung her zwischen den gelîlôt und dem am Jordan bei Jericho gelegenen Gilgal. Folgt man dieser frühen Textrezeption, könnte es sich beim Toponym Gelilot in Jos 18,17 um einen Codenamen handeln (Knauf, Ernst Axel 2008a; 185), mit dem versucht wird, das bei Jericho vorzustellende Gilgal ebenso wie Jericho selbst (Jos 18,12; Jos 18,21) für Benjamin zu reklamieren, auch wenn dies auf Kosten der geographischen Logik geschieht, da Gilgal östlich, Gelilot jedoch westlich von Jericho liegen sollen.

Lokalisierung

Lediglich vereinzelt werden Lokalisierungsvorschläge für Gelilot unterbreitet, da die Textüberlieferung und die Verhältnisbestimmung zum Toponym Gilgal unklar sind (vgl. Gaß, Erasmus 2005a, 191f). Die meisten der in Anschlag gebrachten Ortslagen befinden sich östlich von Jerusalem zwischen den für En-Schemesch und der Steige von Adummim vorgeschlagenen Plätzen bzw. Wegstrecken. An einem Fundplatz, der provisorisch el-Ḫirbe genannt wird (McKinny, Charles Chirstopher 2016a, 60f), wurden Reste mehrerer Gebäude freigelegt, die von einer ca. 40 x 55 m messenden rechteckigen Umfassungsmauer umgeben sind. Die Anlage wird als Festung der Eisenzeit II gedeutet (Hizmi, Hananja 2002a; Kloner, Amos u.a. 2013a, Site Num 583 [500]). Der Platz liegt etwa 2 km südöstlich der Wasserstelle ʿAin el-Ḥōḍ, an der meist En-Schemesch lokalisiert wird. Unmittelbar westlich von el-Ḫirbe befindet sich die Ḫirbet el-Ḫarāyib, wo ebenfalls Keramik der Eisenzeit II gefunden wurde (30 % der identifizierbaren Scherben; vgl. Kloner, Amos u.a. 2013a, Site Num 584 [501]). Die sichtbaren Reste (Dreschplatz, Zis­terne, Wohnhöhle, Terrassen) deuten darauf hin, dass es sich um eine landwirtschaftlich genutzte Anlage han­delte. Möglicherweise sind el-Ḫirbe und Ḫirbet el-Ḫarāyib als eine funktionelle Einheit zu verstehen. Ein solcher Komplex aus befestigter Siedlung und landwirtschaftlich genutzten Einrichtungen entspricht jedoch nicht dem, was Gelilot nach den wenigen Hinweisen im Alten Testament darstellen sollte.
Andere Lokalisierungsvorschläge beziehen sich auf Plätze, die näher an der Steige von Adummim liegen, der gegenüber Geli­lot/Gilgal sich befinden soll (Jos 15,7; Jos 18,17). Beim Ḫān el-Aḥmar (Simons, Jan 1959a, 139f § 314; ABD 2, 1022‒1024) sind Überreste einer Klosteranlage aus byzantinischer Zeit zu erken­nen, die im Mittel­alter zu einer Pilgerherberge umgebaut wurde (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 472‒475; Gaß, Erasmus 2005a, 191). Da keine archäologischen Befunde aus älterer Zeit vorliegen (Sion, Ofer 2013b, Sites Num 39‒41 und 49‒55) er­scheint die Gleichsetzung mit Gelilot nicht haltbar. An einem Fund­platz ca. 1,5 weiter westlich bei ʿAraq ed-Dēr wurde neben Resten einer halbkreisförmigen Mauer zwar etwas eisenzeitliche Keramik gefunden, die meisten Scherben stammen jedoch aus by­zantinischer Zeit (Kloner, Amos u.a. 2013a, Sites Num 606, 617 und 618; vgl. Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a, , 367; ABD 2, 1022‒1024; Gaß, Erasmus 2005a, 191f). Einige eisenzeitliche Fundplätze, die weiter östlich am Rand des Gebirgsabfalls liegen und unter dem Namen Tell Muḥalḥil zusammengefasst werden (Kochavi, Moshe 1972a, 117–119), liegen für eine Gleichsetzung mit Gelilot, das bei der Steige von Adummim  vorzustellen ist, zu weit östlich. Die bisher genannten Loka­lisierungsvorschläge gehen zudem davon aus, dass es sich bei Gelilot in Jos 18,17 um einen Ortsnamen handelt, was keinesfalls sicher ist. Die Suche nach Gelilot in der Umgebung des Ḫān el-Ḥaṯrūra am höchsten Punkt der Steige von Adummim (Dalman, Gustaf 1930a, 157f) setzt dagegen voraus, dass Gelilot in Jos 18,17 eine Geländeangabe ist. Die Ruinen beim Ḫān el-Ḥaṯrūra, u.a. eine „Burgruine“ oberhalb der alten Wegverbindung, stammen jedoch frühestens aus byzantinischer Zeit (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 473‒477), was für eine Lokalisierung von Gelilot, auch wenn man das Toponym als Geländebezeichnung versteht, nicht günstig erscheint.

Literarische Topographie

Möglicherweise setzt der Ausdruck Gelilot lediglich die Reihe to­pographisch unklarer Geländeangaben in Jos 18,11-20 fort. In Kombination mit Jos 15,7 wird gleich­zeitig der für das Josuabuch und für die alttestamentliche Darstellung der Frühgeschichte Israels wich­tige, kultisch konnotierte Ort Gilgal für Ben­jamin rekla­miert. Der zuletzt genannte Aspekt hat die Rezeption beeinflusst. So kommentiert Eusebius den Namen Βαλιλωθ lediglich mit der Bemerkung φυλῆς Βενιαμίν „Stamm Benjamin“ (Onomasikon 50, 26f).

 

Autor: Detlef Jericke, 2020; letzte Änderung: 2020-08-04 11:29:03

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 2 (1992), 1022‒1024 (Kotter, Wade R., Art. Gilgal)
  • RGG4 3 (2000), 930f (Bieberstein, Klaus, Art. Gilgal)
  • EBR 9 (2014), 1088 (Viviano, Pauline A., Art. Geliloth); 10 (2015), 277‒279 (Knauf, Ernst Axel, Art. Gilgal)

 

Literatur

Dalman, Gustaf 1930a , 157f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 48f.336‒338 ;  Galling, Kurt 1943aGalling, Kurt 1944/1945aNoth, Martin 1953a , 84.87.108 ;  Simons, Jan 1959a , 140.172 §§ 314.326 ;  Snaith, Norman Henry 1978a Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 472‒477 ;  Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a , 367 ;  Hizmi, Hananja 2002a Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 324.330f ;  Gaß, Erasmus 2005a , 185‒194 ;  Knauf, Ernst Axel 2008a , 142 ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 239 ;  Ballhorn, Egbert 2011a , 413f ;  Kloner, Amos u.a. 2013a , Site Num 583 [500] und 584 [501] ;  Sion, Ofer 2013b , Sites Num 39‒41 und 49‒55 ;  McKinny, Charles Christopher 2016a , 60f ;