Universität Heidelberg | Theologische Fakultät Trier
Ortsangaben der Bibel (odb)
Start orte Ortsnamen Literatur Karte    

zurück zur Übersicht

 

Araba

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Arabah, Arava, Jordantal

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

הערבה hāʿarābāh. Ἀραβα, ἡ δυσμή. „trocken, unfruchtbar“

Belege AT

Dtn 1,1; Dtn 1,7; Dtn 2,8; Dtn 3,17; Dtn 4,49; Dtn 11,30; Jos 3,16; Jos 11,2; Jos 11,16; Jos 12,1; Jos 12,3; Jos 12,8; Jos 18,18; 2Sam 2,29; 2Sam 4,7; 2Kön 25,4; Jer 39,4; Jer 52,7; Ez 47,8; Am 6,14

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἀραβα (Eusebius, Onomastikon 12,25f; 16,12–14: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 13.17, Nr. 27.40; Timm Stefan 2017a, 14 Zeile 3. 17 Zeile 11–18 Zeile 2, Nr.27.40)

Beschreibung

Der Audruck ʿarābāh wird im Alten Testament für wüstenartige Gegenden verwendet, häufig synonym zu „Wüste“ (ham)midbār. Wenn im geographischen Sinn eine Region gemeint ist, steht der Terminus zumeist mit Artikel hāʿarābāh. Neben der Schefela (Schefela, Juda), dem Gebirge (Bergland) und dem Negeb ist die Araba eine der Hauptregionen des den Israeliten zugesagten Landes (Dtn 1,7; Jos 11,2; Jos 11,16). Araba bezeichnet dabei in erster Linie das untere Jordantal (el- ġōr) zwischen dem See Kinneret (Kinneret, See) und dem Toten Meer (Salzmeer; u.a. Jos 18,18; 2Sam 2,29; Ez 47,8). Abhängig von der Erzählsituation ist mitunter ist an die Ostseite des Jordantals gedacht (Dtn 4,49; Jos 12,1; Jos 12,3), im Einzelfall auch an die Westseite (Dtn 11,30). Ebenso hat die Wendung dæræk hāʿarābāh „Weg durch die Araba“ (Dtn 2,8) bzw. „in Richtung nach der Araba“ (2Sam 4,7; 2Kön 25,4; Jer 39,4; Jer 52,7) in erster Linie das untere Jordantal im Blick. Lediglich Dtn 2,8 meint dæræk hāʿarābāh die Verlängerung der Jordansenke südlich des Toten Meeres bin hin zum Roten Meer am Golf von ʿAqaba, demnach die Region, die heute el-ʿAraba bzw. Arava genannt wird. Auf die gesamte Jordansenke vom See Kinneret (Kinneret, See) bis zum Roten Meer weist indirekt die Bezeichnung „Meer der Araba“, die an drei Stellen für das Tote Meer (atl. Salzmeer) belegt ist (Dtn 3,17; Dtn 4,49; Jos 3,16). Die im Einzelnen schwankende Bedeutung der Bezeichnung Araba schlägt sich im Sprachgebrauch der LXX nieder, die den hebräischen Terminus hāʿarābāh entweder transkribierend als Ἀραβα oder in Pluralverbindungen von ἡ δυσμή „der Westen, der Sonnenuntergang“ wiedergibt (Dtn 1,1; Dtn 11,30; Jos 11,16; 2Sam 2,29; 2Sam 4,7; Am 6,14). Letzteres ist erklärungsbedürftig, da das Alte Testament im allgemeinen das „Meer“ bzw. das „große Meer“ (Meer, großes), d.h. das Mittelmeer im Westen kennt (Num 34,5-6 u.ö.). Die Mehrzahl der Belege, die hāʿarābāh mit ἡ δυσμή wiedergeben, sind aus ostjordanischer Sicht formuliert (Dtn 1,1; Dtn 11,30; 2Sam 2,29; 2Sam 4,7), aus der die Araba im Westen liegt. Auch Jos 11,16 könnte ein ostjordanischer Standpunkt vorauszusetzen sein, da Jos 11,15 auf Anweisungen des Mose rekurriert, die dieser im Ostjordanland vor seinem Tod gab. Ähnliches gilt für Am 6,14, wo zuvor in Am 6,13 mit Lo-Dabar und Karnajim zwei ostjordanische Orte erwähnt sind. Möglich ist auch, dass die Bearbeitenden der LXX an hebräisch hāʿæræb „der Abend“ dachten und deshalb „der Westen, der Sonnenuntergang“ übersetzten. Für diese Annahme spricht, dass hāʿarābāh in 1Sam 23,24 mit καθ’ ἑσπέραν „gegen Abend“ wiedergegeben ist. Einzig in der Überlieferung von der Tempelquelle, in der die Blickrichtung nach Osten geht, steht für hāʿarābāh griechisch Ἀραβια „Arabien“ (Ez 47,8). Eusebius beschreibt die Araba als „Ebene“ (ὁμαλόν bzw. πεδίον). Darüber hinaus kennt er noch zwei Orte, die Ἀραβα heißen (Onomastikon 16,13f). Der eine liegt im Gebiet von Diokaisareia (Sepphoris) und dürfte identisch sein mit dem von Josephus erwähnten Gabara in Galiläa (bellum 2,629; 3,132), das gern mit mit ʿArrāba (1820.2507) identifiziert wird (Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 56f; Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992a; Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993a) Der andere soll drei Meilen westlich von Skythopolis (Bet-Schean) liegen (Onomastikon 16,14) und ist vielleicht mit ʿArrabūna (1845.2132) in der Ebene Jesreel gleichzusetzen; vgl. Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993a; Schmitt, Götz 1995a, 60f). Vom 4. Jt. v.Chr. bis in byzantinische und frühislamische Zeit war die Araba trotz weitgehend schwieriger Lebensbedingungen intensiv besiedelt. Siedlungshöhepunkte lagen in der Frühbronzezeit (3. Jt. v.Chr.), in der Spätbronzezeit (Mitte–Ende 2. Jt. v.Chr.), in der späten Eisenzeit II (8.–6. Jh. v.Chr.) und in der byzantinischen Zeit. Das Jordantal war in erster Linie als Verkehrsverbindung von Bedeutung, u.a. für den Transport der in der südlichen Araba vom ausgehenden 4. bis zum 1. Jt. v.Chr. u.a. bei Timna (el-Meneīye) und bei Punon abgebauten und verhütteten Kupfererze.

 

Autor: Detlef Jericke, 2019; letzte Änderung: 2019-12-30 17:50:45

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 118 (Elliger, Karl, Art. Araba)
  • ThWAT 4 (1984) 660–695 (Talmon, Shemarjahu, Art. מִדְבָר miḏbār, עֲרָבָה ʾarābāh)
  • NBL 1 (1991) 142f (Görg, Manfred, Art. Araba)
  • ABD 1, 321–324 (Seely, David. R., Art. Arabah)
  • WiBiLex 2006 (Hübner, Ülrich, Art. Araba)
  • EBR 2 (2009), 575‒577 (Herr, Larry G., Art. Arabah)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1933a , 423f ;  Frank, Fritz 1934aAlt, Albrecht 1935bNoth, Martin 1953a , 30.149 ;  Simons, Jan 1959a , 49–52 § 137 ;  Rothenberg, Beno 1967aMöller, Christa / Schmitt, Götz 1976a , 56f ;  Orni, Efraim / Efrat, Elisha 1980a , 30-34 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 257–264 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 36f ;  Knauf, Ernst Axel / Lenzen C. J. 1987cMacDonald, Burton u.a. 1988aPerlitt, Lothar 1990a , 2.11.44 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aMacDonald, Burton 1992aFritz, Volkmar 1994a , 122.124 ;  Fritz, Volkmar 1994bMacDonald, Burton 1996aFritz, Volkmar 1996aSmith, Andrew M. II u.a. 1997aRothenberg, Beno 1999aRothenberg, Beno 1999bMacDonald, Burton 2000a , 132 ;  Bienkowski, Piotr / Galor, Katharina 2006aRösel, Hartmut N. 2011a , 189 ;  Ben-Yosef, Erez u.a. 2012aMartin, Mario A.S. / Finkelstein, Israel 2013aPerlitt, Lothar 2013a , 2.11 ;  Kleiman, Sabine u.a. 2017a