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Tubal

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Tubal-Kajin; Tubal-Cain

Lokalisierungsvorschläge

  • Landschaft in Ostanatolien (odb)   

Namensformen AT

תבל tubāl. Θοβελ

Belege AT

Gen 10,2; 1Chr 1,5; Jes 66,19; Ez 27,13; Ez 32,26; Ez 38,2‒3; Ez 39,1

Belege aus altorientalischen Dokumenten

tabālu (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 341; Bagg, Ariel M. 2007a, 243‒246)
tabali (neubabylonisch: Zadok, Ran 1985a, 300)
taplane, tablane (urartäisch: Diakonoff, Igor M. / Kashkai, S. M. 1981a, 83)
tabali (elamisch: Vallat, François 1993a, 272)
 

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Τιβαρηνοι (Herodot 3,94; 7,78)
Τιβαρανοι (Strabon 12,3.18)
Θεοβηλοι, , Θεοβηλος (Josephus, antiquitates 1,124)

Beschreibung

Tubal ist der fünfte Sohn Jafets in der Genealogie der Söhne Noachs (Gen 10,2; 1Chr 1,5). Im Jesajabuch (Jes 66,19) und im Ezechielbuch (Ez 27,13; Ez 32,26; Ez 38,2‒3; Ez 39,1) wird Tubal als Toponym verwendet, im Ezechielbuch immer in Verbindung mit Meschech, der Gen 10,2 als sechster Sohn Jafets nach Tubal genannt ist. Meschech und Tubal sind Handelspartner von Tyrus (Ez 27,13) und werden neben Ägypten, Assur und Elam als untergegangene Mächte beklagt (Ez 32,26). Darüber hinaus kennzeichnen sie den Herrschaftsbereich des apokalyptischen Fürsten Gog von Magog (Ez 38,2‒3; Ez 39,1). Ez 27,13 erwähnt zudem, dass Meschech und Tubal Geräte aus Kupfer (neḥošæt) gegen Waren aus Tyrus eintauschen. Dieser Vers dürfte daher der Anknüpfungspunkt dafür sein, dass Gen 4,22 den Personennamen Kajin mit Tubal zu dem Namen Tubal-Kaijin verbindet. Tubal-Kaijn wir als Kupfer- (neḥošæt) und Eisenschmied, demnach als erster Metallhandwerker charakterisiert. In Dokumenten der neuassyrischen Zeit aus dem 9. bis 7. Jh. v.Chr. werden mušku und tabālu gemeinsam als tributpflichtige Herrschaften erwähnt. Eine Gleichsetzung mit den alttestamentlichen Toponymen Meschech und Tubal wird meist vorausgesetzt (Bagg, Ariel M. 2007a, 178f.243‒246). Mit tabālu scheint dabei ein Kleinkönigtum am östlichen Rand des ehemaligen hetitischen Imperiums gemeint zu sein. Da mušku/Meschech im zentralen anatolischen Bergland (Phrygien) gesucht wird, dürfte tabālu/Tubal in Ostanatolien zu lokalisieren sein. Die Ansetzung schwankt dabei zwischen dem Südosten (Bagg, Ariel M. 2007a, 243‒246) und dem Nordosten Anatoliens (). Für eine nördliche Ansetzung könnten griechischsprachige Zeugnisse in Anspruch genommen werden. Herodot stellt die Tibarener (Τιβαρηνοι) zusammen mit den Moschern (Μοσχοι=Meschech) als Bewohner des 19. „Kreises“ (νόμος) vor (Herodot 3,94), der im Nordosten Anatoliens an der pontischen Schwarzmeerküste und deren Hinterland lag (vgl. Högemann, Peter / Buschmann, Kai 1986a). Auch Strabon lokalisiert die Tibaraner (Τιβαρανοι) in Nachbarschaft zur Landschaft Kolchis an der Südostecke des Schwarzen Meers. Josephus schreibt in seiner Nacherzählung von Gen 10, die Theobēloi (Θεοβηλοι) würden jetzt Iberer Ἰβηρες genannt (antiquitates 1,124). Damit meint er eine Gruppe, deren Aktionsgebiet in der südlichen Kaukasusregion (in etwa dem heutigen Georgien entsprechend) zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer lag. Die Iberer drangen in römischer Zeit nach Westen in Richtung auf das pontische Gebirge und Kappadokien vor, demnach in den Großraum, in dem tabālu/Tubal zu suchen sind. Die Gleichsetzung von Tubal mit den Iberern entspricht den häufig zu beobachtenden Versuchen des Josephus, biblische Toponyme durch zeitgenössisch bekannte Größen zu erklären.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:56:04

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • NBL 3 (2001), 927 (Görg, Manfred, Art. Tubal); 3 (2001), 927 (Görg, Manfred, Art. Tubal-Kajin)
  • ABD 6 (1992), 670 (Baker, David W., Art. Tubal); 6 (1992), 670 (Hess, Richard S., Art. Tubal-Cain))

 

Literatur

Skinner, John 1951a , 199 ;  Simons, Jan 1959a , 61f § 162 ;  Speiser, Ephraim Avigdor 1964a , 66 ;  Westermann, Claus 1974a , 675 ;  Wäfler, Markus 1983aHögemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aWenham, Gordon J. 1987a , 217 ;  Lipiński, Edward 1990a , 45f ;  Kessler, Karlheinz 1991aRöllig, Wolfgang / Sader, Hélène S. 1991aMaier, Johann 1991a , 175.183.188.192 ;  Soggin, Jan Alberto 1997a , 169 ;  Maier, Johann 2004a , 157.165.170.173f ;  Wittke, Anne-Maria u.a. 2012a , 41‒43.50‒53 ;  Simon, Zsolt 2017aLipiński, Edward 2018a , 192-196 ;