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Kanaan

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Canaan

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

כנען kenā‘an. Χανααν, Φοινικη

Belege AT

Gen 11,31; Gen 12,5; Gen 13,2; Gen 16,3; Gen 17,8; Gen 23,2; Gen 23,19; Gen 28,1; Gen 28,6; Gen 28,8; Gen 31,18; Gen 33,18; Gen 35,6; Gen 36,2; Gen 36,5–6; Gen 37,1; Gen 42,5; Gen 42,7; Gen 42,13; Gen 42,29; Gen 42,32; Gen 44,8; Gen 45,17. Gen 45,25; Gen 46,6; Gen 46,12; Gen 46,31; Gen 47,1; Gen 47,4; Gen 47,13−15; Gen 48,3.7; Gen 49,30; Gen 50,5; Gen 50,13; Ex 6,4; Ex 15,15; Ex 16,35; Lev 14,34; Lev 18,3; Lev 25,38; Num 13,2; Num 13,17; Num 26,19; Num 32,30; Num 32,32; Num 33,40; Num 33,51; Num 34,2; Num 34,29; Num 35,10; Num 35,14; Dtn 32,49; Jos 5,12; Jos 14,1; Jos 22,9−11; Jos 22,32; Jos 24,3; Ri 3,1; Ri 4,2, Ri 4,23–24; Ri 5,9; Ri 21,12; Jes 19,18; Jes 23,11; Ez 16,29; Ez 17,4; Hos 12,8; Zef 1,11; Zef 2,5; Ps 105,11; Ps 106,38; Ps 135,11; 1Chr 16,8; (Personenname: Gen 9,18; Gen 9,22; Gen 9,25−27; Gen 10,6; Gen 10,15; 1Chr 1,8; 1Chr 1,13)

Belege aus altorientalischen Dokumenten

kn‘n() (ägyptisch: LÄ 3 [1980], 309f [Helck, Wolfgang, Art. Kanaan]); Hannig, Rainer 2006a, 1196
*kina‘anu, *kinaḫnu, *kinaḫḫu (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 162f)
kn‘n (phönizisch/punisch: KAI 116; Filigheddu, Paolo 2006a, 175)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

(’rṣ) kn‘n (4QGen-Exoda frg.5,12.15; 4QGenf frg.1,5.12: Ulrich, Eugene 2010a, 11f.23)
Χανααν (Jdt 5,3; Jdt 5,9–10; 1Makk 9,37; Bar 3,22; Apg7,11; Apg 13,9)
Χνα (Personenname bei Sanchunjaton/Philo Byblios: RLA 5 [1980], 352−355 [Weippert, Manfred, Art. Kanaan]; TRE 17 [1988], 539–556 [Stolz, Fritz, Art. Kanaan])
Χαναναιος (Josephus, antiquitates 1,134)

Beschreibung

Der älteste Beleg für den Namen „Land Kanaan“ findet sich in der Inschrift des Idrimi von Alalaḫ aus dem 15. Jh. v.Chr. Die Ortsangabe „Ammija im Land Kanaan“ (TGI3, 21−24, Nr. 6; TUAT 1, 501−504) weist dabei an die phönizische Küste südlich von Tripoli (Ṭarābulus 34º26'N.35º51'E). In keilschriftlichen und ägyptischen Texten des 14./13. Jh. v.Chr. bezeichnet Kanaan den südlichen Teil der „asiatischen“ Länder, die von Ägypten kontrolliert wurden. Aufgrund des allerdings in der Lesung unsicheren Ausdrucks pīḫatu „Provinz“ (EA 36,15) spricht man von der ägyptischen „Provinz Kanaan“. Sie reichte etwa von der syrischen Küstenstadt Gebal/Byblos bis an die Ostgrenze Ägyptens (Weippert, Helga 1988a, 4 Abb. 1.1). Häufig bezeichnet der Ausdruck p3 kn‘n „das Kanaan“ auch die Stadt Gaza, die als ägyptischer Verwaltungssitz für Kanaan bis zu Ramses III. diente. Aus Sicht der Pharaonen war Kanaan daher v.a. Gaza mit seinem „Hinterland“, d.h. die palästinische und südsyrische Mittelmeerküste, dazu die von der Küste in Richtung Jordantal abgehende Jesreelebene. Wenn von Syrien-Palästina insgesamt die Rede ist, wird im Ägyptischen seltener das Toponym Kanaan verwendet, sondern meist der Ausdruck d3h3 (Djahi, Dschahi o.ä.). Das Alte Testament redet überwiegend vom „Land Kanaan“ ’æræṣ kenā‘an, stellenweise auch vom „Land der Kanaaniter“ (Ex 13,5; Ex 13,11; Dtn 1,7; Jos 13,4; Ez 16,3; Neh 9,8). Kanaan bezeichnet das Israel zugesagte und nach der Landnahme an die Stämme verteilte Land einschließlich einiger nicht eroberter Gebiete im Norden (Libanongebirge, südsyrische Küste) und im Südwesten (Gebiet der Philisterstädte). Kanaan reicht von Sidon bzw. vom nördlichen Libanongebirge (Lebo-Hamat) im Norden bis Gaza bzw. bis zum „Grenzbach Ägyptens“ (Wādī Ġazze ca. 090.096–110.067/Wādī el-‘Arīš ca. 037.062–060.030) im Süden. Die Ostgrenze bildet der Jordangraben (Gen 10,19; Num 34,2−12). Kanaan ist also ausschließlich das Westjordanland, vornehmlich der Bereich der südsyrisch-palästinischen Mittelmeerküste. Demzufolge wohnen die Kanaaniter am Meer und am Jordan (Num 13,29; vgl. Num 14,25), während andere autochthone Gruppen wie die Hetiter, die Jebusiter und die Amoriter im Gebirge zu finden sind. In Einzelfällen werden jedoch auch Kanaaniter als Bewohner des Berglands (Num 14,45) oder des Negeb (Num 21,1) bezeichnet. Das Ostjordanland wird im Gegensatz dazu pauschal „Gilead“ [Gilead (Landschaft)] genannt. Deutlich wird das v.a. an den zweieinhalb ostjordanischen Stämmen, die ihr Gebiet bereits von Mose zugeteilt bekommen, aber dennoch die kriegerische Landnahme des Westjordanlands mitmachen müssen, weil dieses als „Land Kanaan“ das eigentlich von Jhwh zugesagte Land ist (Num 32; Jos 22,9; Jos 22,32). LXX übersetzt Kanaan an einigen Stellen mit „Phönizien“ (Ex 16,35; Jos 5,12). Auch in der profetischen Überlieferung und in weisheitlichen Texten wird Kanaan mitunter allein für den Bereich der von philistäischen (Zef 2,5) und phönizischen Städten kontrollierten Mittelmeerküste gebraucht. Die Gleichsetzung von Kanaan mit „Phönizien“ ist dann in phönizischen Inschriften der hellenistischen und römischen Zeit belegt, etwa die Bezeichnung der im 3. Jh. v.Chr. gegründeten Stadt Berytos (Beirut) als l’dk’ ’š bkn‘n „Laodikeia in Kanaan“ neben dem Kürzel ΛΑΦ (Laodikēa Phoinikēa) auf Münzen des 2. Jh. v.Chr. Auch die wechselnde Bezeichnung einer aus der Gegend von Tyrus und Sidon stammenden Frau als „Syrophönizierin“ (Mk 7,26) oder „kanaanäische Frau“ (Mt 15,22) weist darauf hin, dass spätestens in römischer Zeit die Gleichsetzung von Kanaan mit Phönizien verbreitet war.

[Detlef Jericke, 2015]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:04:38

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 5 (1980), 352−355 (Weippert, Manfred, Art. Kanaan)
  • BHH 2 (1964), 926 (Hempel, Johannes, Art. Kanaan)
  • ThWAT 4 (1984), 224−243 (Zobel, Hans-Jürgen, Art. Kanaan)
  • 3 (1980), 309f (Helck, Wolfgang, Art. Kanaan)
  • TRE 17 (1988), 539–556 (Stolz, Fritz, Art. Kanaan)
  • NBL 2 (1995), 438f (Görg, Manfred, Art. Kanaan)
  • ABD 1 (1992), 828–831 (Schmitz, Philip C., Art. Canaan)
  • LThK3 5 (1996), 1164–1165 (Kinet, Dirk, Art. Kanaan)
  • RGG4 4 (2001), 306f (Niehr, Herbert, Art. Israel und Kanaan)
  • EBR 4 (2012), 860−870 (Knauf, Ernst Axel u.a., Art. Canaan (Place])

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1933a , 299−320 ;  Vaux, Roland de 1938aSpeiser, Ephraim Avigdor 1964a , 66f ;  Görg, Manfred 1982aKeel, Othmar u.a. 1984a , 239−253 ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 68−78 ;  Mazar, Benjamin 1986a , 1−34 ;  Högemann, Peter / Buschmann, Kai 1986aWeippert, Helga 1988a , Register ;  Perlitt, Lothar 1990a , 46f ;  Engelken, Karen 1990aBunnens, Guy u.a. 1990aLemche, Nils Peter 1991aMazar, Benjamin 1992a , 16−21 ;  Lipiński, Edward 1992a , 140f ;  Houtman, Cornelis 1993a , 111f ;  Na’aman, Nadav 1994aLemche, Nils Peter 1996aRainey, Anson Frank 1996aKallai, Zecharia 1997aLemche, Nils Peter 1998aHess, Richard S. 1999aNa’aman, Nadav 1999aNa’aman, Nadav 2005bHasel, Michael G. 2009aBryce, Trevor 2009a , 143−145 ;  Bar, Shay u.a. 2011aJericke, Detlef 2013a , 85-87 ;  Wazana, Nili 2013aBenz, Brendon C. 2016a , 100-110 ;