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Steige von Adummim

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Ascent of Adummim

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מעלה אדמים maʿaleh ʾadummîm. προσβάσις Ἀδδαμιν, ἀνάβασις Ἀιθαμιν

Belege AT

Jos 15,7; Jos 18,17

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἀδομμιμ, Μαληδομνεϊ (Eusebius, Onomastikon 24,9‒11: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 26, Nr. 70; Timm, Stefan 2017a, 26f, Nr. 70);
Ἐδωμιμ, Ἐδουμα (Eusebius, Onomastikon 86,24‒26: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 26, Nr. 70; Timm, Stefan 2017a, 26f, Nr. 70);
Adommim (Hieronymus, epistulae 108,12: MignePL 22, 887; Hilberg, Isidor 1996b, 321;
Epitaphium S. Paulae 12: Donner, Herbert 2002a, 156).

Beschreibung

Name

Das Wort ʾadummîm wird für die Farbe des Bluts (2Kön 3,22) und für die Hautfarbe von Pferden gebraucht (Sach 1,8; Sach 6,2). Entsprechend lässt sich der Name maʿaleh ʾadummîm als „Steige zu den (dunkel)roten (Felsen)“ deuten (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 475). LXX übersetzt maʿaleh einmal in herkömmlicher Weise mit ἀνάβασις „Aufstieg“ (Jos 18,17), in Jos 15,7 jedoch mit dem selteneren Ausdruck προσβάσις (LXXB) bzw. προσανάβασις (LXXA). Hebräisch ʾadummîm wird als Eigenname aufgefasst und transkribierend wiedergegeben, wobei auch hier Jos 15,7 (Ἀδδαμιν) und Jos 18,17 (Ἀιθαμιν) leicht voneinander abweichen. Im Verlauf der Rezeptionsgeschichte wurde der mit ʾadummîm verbundene Aspekt des Bluts hervorgehoben, so bereits von Hieronymus, der von einem „blutigen Platz“ spricht (s.u), oder im Pilgerbericht der Paula aus dem 5. Jh., wo erklärt wird, dass Adommim mit „Blutflecken“ zu übersetzen ist (Donner, Herbert 2002a, 156).

Außerbiblische Belege

Weder der Ortsname ʾtmm der Liste des Pharao Thutmoses III. (Nr. 36) aus dem 15. Jh. v.Chr. noch die beiden Toponyme ʾdmm(t) (Nr. 98) und ʾdmm (Nr. 128) aus der Inschrift des Pharao Schoschenk (10. Jh. v.Chr.) sind auf die alttestamentliche Steige von Adummim zu beziehen (ABD 1, 86f; EBR 1, 474f). ʾtmm wird mitunter mit Adami-Nekeb (Jos 19,33; vgl. Aharoni, Yohanan 1984a, 164), ʾdmm(t) wahrscheinlich unzutreffend mit Edom (Noth, Martin 1938b, 295 = Noth, Martin 1971b, 86; Helck, Wolfgang 1971a, 243; vgl. Wilson, Kevin A. 2005a, 125) in Verbindung gebracht, auch für ʾdmm ist kein Bezug zum namengleichen alttestamentlichen Toponym erkennbar (Wilson, Kevin A. 2005a, 125.130; HTAT, 237f; Kitchen, Kenneth A. 2017a, 17).
Eusebius unterscheidet zwischen den in Jos 15,7 und Jos 18,17 genannten Toponymen. Ἀδομμιμ (Onomastikon 24,9 zu Jos 15,7) beschreibt er als einen zu Juda gehörenden Ort, der zu seiner Zeit bereits „verwüstet“ (κώμη νῦν ἔρημος, Onomastikon 24,10), d.h. eine Ruine war. Er heiße jetzt Μαληδομνεϊ und liege am Abstieg von Jerusalem nach Jericho. Dort sei ein Wachposten (φρούριον, Onomastikon 24,10f). Namensgebung und Lagebestimmung zeigen, dass er sich auf das in der Wüste Juda zu suchende alttestamentliche Toponym, d.h. die Steige von Adummim bezieht. Allerdings weisen die Transkription des hebräischen Toponyms maʿaleh ʾadummîm als Μαληδομνεϊ sowie die Rede vom „Abstieg“ anstatt vom „Aufstieg“ wie im hebräischen Text und in der LXX darauf hin, dass Eusebius mit der alttestamentlichen Ortsangabe wenig anzufangen wusste und sie zu einem Ortsnamen reduzierte. Man kann sich demnach nicht auf Eusebius berufen, wenn man maʿaleh ʾadummîm als Namen eines bestimmten Orts, nicht als Geländebezeichnung verstehen will. Hieronymus weicht in seiner lateinischen Übersetzung etwas vom griechischen Text des Eusebius ab. So korrigiert er die Angabe zur Stammeszugehörigkeit und schreibt, der Ort (locus) liege auf der Grenze zwischen Juda und Benjamin. Den alttestamentlichen Namen erklärt mit dem Hinweis auf das Blut, das durch Räuber vergossen wird: propter sanguinem qui illic crebro a latronibus funditur. Dabei bezieht er sich auf die Erzählung vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,30‒37). Er spricht von einem cruens et sanguinarius locus. Deshalb sei der Platz durch ein castellum militum geschützt (Onomastikon 25,9‒16; Timm, Stefan 2017a, 26*).
Bei Ἐδωμιμ (Onomastikon 86,24f zu Jos 18,17) handelt es sich nach Eusebius um den zeitgenössischen Ort Ἐδουμα in der Akrabattine zwölf Meilen östlich von Neapolis, der römischen Nachfolgesiedlung des alttestamentlichen Sichem. Die Akrabattine bzw. Akrabattene war eine Landschaft bzw. eine Toparchie der hellenistisch-römischen Zeit, die sich südöstlich des alten Sichem am Ostabfall des samarischen Berglands um den Vorort Akrabeta (ʿAqraba) erstreckte (Goldstein, Jonathan A., 1976a, 294; ABD 1, 140f; Schmitt, Götz 1995a, 50; EBR 1, 702; vgl. Josephus, antiquitates 12,328; bellum 2,235.568.652; 3,48; 4,504.511.551; Eusebius, Onomastikon 14,10; 108,20; 156,30; 160,14: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 15.104.147.150f, Nr. 32.550.847.876; Timm, Stefan 2017a, 15 Zeile 6–9. 137 Zeile 6–8. 208 Zeile 6–9. 214 Zeile 1f, Nr. 32.553.849.878). Die von Eusebius vorgenommene Lokalisierung beruht vermutlich auf einer Gleichsetzung mit der Steige Aqrabbim (Skorpionensteige). Diese führt nach den Erzählzusammenhängen im Alten Testament (Num 34,4; Jos 15,3; Ri 1,36) im judäischen Süden vom Jordangraben auf das Bergland. Eusebius jedoch bringt auch die Steige Aqrabbim bzw. den Ort Ἀκραββείn mit der Akrabattine in Verbindung und lokalisiert sie wie die Steige von Adummim östlich von Neapolis am Weg nach Jericho (Onomastikon 14,7‒12: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 15, Nr. 32; Timm, Stefan 2017a, 15 Zeile 6–9, Nr. 32; vgl. Möller, Christa / Schmitt, Götz 1976a, 11). Die bei Eusebius zu findende Vermischung verschiedener Lokaltraditionen könnte darauf zurückzuführen sein, dass einerseits 1Makk 5,3 die Toponyme Akrabattene und Idoumaia (Edom) in demselben Erzählzusammenhang nennt und andererseits Jos 15,1‒3 die Steige Aqrabbim an der Grenze von Juda zu Edom kennt.

Altes Testament

Die Steige von Adummim ist nur in Grenzbeschreibungen des Josuabuchs belegt, sowohl bei der Nordgrenze Judas (Jos 15,7) als auch bei der weitgehend parallel gedachten Südgrenze Benjamins (Jos 18,17). Das Toponym dient zur Lagebestimmung von Gelilot, das gegenüber der Steige liegen soll, allerdings topographisch nur schwer zu beschreiben ist. Der Namensteil Adummim lässt sich am ehesten als Bezeichnung von Geländeformationen wie Felsen oder Hügel deuten, die im Sonnenlicht rötlich erscheinen. Erst die frühkirchliche Rezeption versteht Adummim als den Namen eines bestimmten Orts (s.o.). Die Grenzbeschreibungen platzieren die Steige von Adummim zwischen En-Schmesch an der östlichen Stadtgrenze Jerusalems und dem Jordangraben bei Jericho, wo das Achor-Tal (Jos 15,7), der Stein Bohans (Jos 15,6; Jos 18,17) und Bet-Araba (Jos 15,6; Jos 18,18) zu suchen sind. Es handelt sich also um den östlich von En-Schemesch gelegenen Teil der Wegverbindung zwischen Jericho und Jerusalem, die einen Höhenunterschied von rund tausend Metern auf einer Distanz von ca. 25 km Luftlinie zu überwinden hatte.

Lokalisierung

Der östliche Abschnitt der genannten Wegverbindung verlief in der Antike südlich parallel zum tief eingeschnittenen Wādī Qelṭ, das westlich von Jericho in die Ebene des Jordangrabens mündet (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 473 Abb. 335). Dies entspricht der Bemerkung in Jos 15,7, die Steige liege minnægæb lannāḥal „südlich des Bachtals“, wenn mit dem Bachtal das Wādī Qelṭ gemeint ist (Noth, Martin 1953a, 87; Simons, Jan 1959a, 139f § 314; Fritz, Volkmar 1994a, 160; Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 323‒325; Rösel, Hartmut N. 2011a, 239). Daher wird die Steige von Adummim mit einer Geländeformation namens Ṭalʿat ed-Damm gleichgesetzt. Es handelt sich um den steilsten und damit gefährlichsten Teil des Aufstiegs von Jericho auf das Bergland. Er endet beim Ḫān el-Ḥaṯrūra, einer Kara­wanserei aus mamluckischer Zeit, die wohl auf die byzantinische Zeit zurückgeht (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 475–477). Allerdings wurden bislang weder im Umkreis der Ṭalʿat ed-Damm noch beim Ḫān el-Ḥaṯrūra archäologische Reste entdeckt, die in die alttestament­liche Zeit zurückreichen (Sion, Ofer 2013b). Zugunsten der genannten Lokalisierung wird jedoch auf die oxydreichen, rötlich gefärbten Gesteinschichten der Umgebung verwiesen (BHH 1, 29; Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 475; EBR 1, 474f). Der arabische Name Ṭalʿat ed-Damm („Blutsteige“) nimmt die seit der Antike verbreitete Tradition auf, die biblische Namensform auf dām „Blut“ zurückzuführen. Die moderne israelische Namensgebung hat den Wortteil Adummim auf mehrere Örtlichkeiten östlich von Jerusalem übertragen. Die stadtähnliche Siedlung Maʿale Adummim מעלה אדומים (Zentrum bei 1781.1314; 31.776115º N, 35.298106º E) im besetzten Westjordanland liegt wesentlich näher bei Jerusalem als die Ṭalʿat ed-Damm. Die Fundstelle Ḏahr Šumēs (1785.1330; 31.7897155º N, 35.3003991º E) im Norden von Maʿale Adummim weist neben Resten aus der römischen und byzantinischen Zeit auch Siedlungsspuren der frühen Bronzezeit und der Eisenzeit II auf (Kloner, Amos u.a. 2013a, Site Num 606). Daher wird die Steige von Adummim auch mit der gesamten Wegstrecke vom Ölberg bei Jerusalem über das moderne Maʿale Adummim bis zum Wādī Qelṭ gleichsetzt (McKinny, Charles Christopher 2016a, 59–61). Flankierend wird dabei auf Ortslagen mit eisenzeitlichem Befund in der Umgebung des Ḫān el-Aḥmar verwiesen (Sion, Ofer 2013a, Sites Num 83‒87; McKinny, Charles Christopher 2016a, 59; vgl. bereits Thomsen, Peter 1907a, 86f), der zwischen Maʿale Adummim und Ṭalʿat ed-Damm liegt. Eine solche Verschiebung der Lokaltradition zur alttestamentlichen Steige von Adummim in Richtung auf den Großraum Jerusalem könnte als Indiz gewertet werden, dass die furchterregende, „blutige“ Wüstengegend um die Ṭalʿat ed-Damm und den Ḫān el-Ḥaṯrūra nur wenig von ihrem Schrecken verloren hat.

 

Autor: Detlef Jericke, 2020; letzte Änderung: 2020-08-08 16:59:30

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 29 (Elliger, Karl, Art. Adummim)
  • ABD 1 (1992), 86f (Thompson, Henry O., Art. Adummim)
  • EBR 1 (2009), 474f (Davies, Philip R., Art. Adummim)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 86f ;  Dalman, Gustaf 1930a , 157f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 48f ;  Noth, Martin 1943a , 39 ;  Noth, Martin 1953a , 87 ;  Simons, Jan 1959a , 139f § 314 ;  Noth, Martin 1971a , 314 ;  Miller, James Maxwell 1974a , 118 ;  Priebatsch, Hans Yohanan 1975a , 21 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 475‒477 ;  Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a , 367 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef / Schmitt, Götz 1993aFritz, Volkmar 1994a , 160 ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 319.323.325 ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 239 ;  McKinny, Charles Christopher 2016a , 58‒61 ;