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Morija

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Moriah

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

המריה hammorijjāh. Αμορια, ἡ ὑψηλη

Belege AT

Gen 22,2; 1Chr 3,1

Belege aus altorientalischen Dokumenten

hmwrjh ? (Inschrift Ḫirbet Bēt Layy, 8./7. Jh. v.Chr.: Naveh, Joseph 1963a, 86; Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 247−249)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Μωριον (Josephus, antiquitates 1,224)
hr hmwrjh (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 226f)

Beschreibung

Gen 22 kennt Morija als Name eines Landes (’æræṣ hammorijjāh „das Land Morija“). Jhwh will Abraham dort einen Berg zeigen, zu dem er Isaak bringen soll. Der Name des Berges lautet nach Gen 22,14 jhwh jir’æh („Jhwh sieht“), was eine volkstümliche Etymologie der Bezeichnung Morija sein dürfte. Land und Berg werden demnach unterschieden, von der Namensgebung her jedoch eng aufeinander bezogen. 2Chr 3,1 spricht vom Berg Morija und identifiziert diesen mit dem Jerusalemer Tempelberg bzw. mit der „Tenne Araunas“, die David für den Bau des Tempels erwirbt (2Sam 24). Die Relation zwischen Land und Berg Morija in Gen 22 und 2Chr 3,1 ist ungeklärt. LXX unterscheidet die beiden Toponyme, indem sie den hebräischen Ausdruck hammorijjāh lediglich in 2Chr 3,1 transkribierend als Αμορια wiedergibt, während sie in Gen 22,2 mit der Wendung ἡ γή ἡ ὑψηλή „das hohe/stolze Land“ eine interpretierende Übersetzung bietet. Die Peschitta hat in Gen 22,2 „Land der Amoriter“ ’rṣ ’mrj. Daher gehen viele Auslegende davon aus, dass in Gen 22 ursprünglich eine andere Ortsangabe stand und dass das Toponym Morija erst sekundär eingefügt wurde, um den Ort von Isaaks Bindung mit Jerusalem zu verbinden (Gunkel, Hermann 1910a, 237; Westermann, Claus 1981a, 437). Dies könnte im Zuge der Konkurrenz zwischen den Jhwh-Heiligtümern in Jerusalem und auf dem Garizim in hellenistischer Zeit möglich gewesen sein, zumal die Samaritaner den Garizim als Ort der Gen 22 erzählten Geschehnisse reklamieren. Wie alt diese samaritanische Lokaltradition ist, ist jedoch nicht bekannt. Daher ist auch denkbar, dass die Chronik die unklaren Angaben von Gen 22 so interpretiert, dass es sich bei dem Berg um den „Berg Morija“ handelt, der mit dem Jerusalemer Tempelberg identisch ist. Auch Josephus schreibt in seiner Nacherzählung von Gen 22 vom „Berg Morija“ und setzt somit die Gen 22 und 2Chr 3 genannten Toponyme gleich. Eine Grabinschrift des späten 8. oder frühen 7. Jh. v.Chr. aus der ca. 8 km östlich von Lachisch gelegenen Ḫirbet Bēt Layy (1437.1078) könnte den Namen hmwrjh enthalten (Naveh, Joseph 1963a, 86). Der Text ist jedoch praktisch nicht lesbar und daher werden auch andere Rekonstruktionen erwogen (Renz, Johannes / Röllig, Wolfgang 1995a, 248). Insofern ist nicht zu erweisen, dass Morija in alttestamentlicher Zeit ein Orts- oder Geländename war. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es sich um eine literarische Bildung handelt. Während die gedachte Lage in 2Chr 3 klar ist, bleibt diese in Gen 22 offen. Abraham scheint aus dem Negeb entweder von Beerscheba oder vom Philisterland zu kommen (Gen 21,23-24) und sieht am dritten Tag seiner Wanderung den Gen 22,2 angekündigten Platz (Gen 22,4). Wenn die Zeitangabe „am dritten Tag“ literarischer Topos ist (vgl. Ex 19,16, oder auch Gen 31,22; Gen 34,25; Gen 40,20 und Gen 42,18; vgl. Westermann, Claus 1981a, 439), weisen Orts- und Zeitangaben in Gen 22 darauf hin, dass der Platz der Bindung Isaaks bewusst verdunkelt ist und dass erst die Chronik ihn interpretierend auf Jerusalem bezieht.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:00:59

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1239 (Sauer, Georg, Art. Morija)
  • NBL 2 (1995), 846 (Ebach, Jürgen, Art. Morija)
  • ABD 4 (1992), 905 (Davila, James R., Art. Moriah)
  • LThK3 7 (1998), 475 (Becker, Joachim, Art. Morija)

 

Literatur

Gunkel, Hermann 1910a , 237 ;  Simons, Jan 1959a , 218 § 37 ;  Westermann, Claus 1981a , 437 ;  Kalimi, Isaac 1990aDiebner, Bernd Jørg 1998aSchult, Hermann 1999aMittmann, Siegfried 2000aJericke, Detlef 2013a , 153f ;  Nihan, Christophe 2018a