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Siddimtal

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Siddim; Valley of Siddim

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

עמק השדים ‘emæq haśśidîm. ἡ φάραγξ ἡ ἁλυκή, ἡ κοιλάς ἡ ἁλυκή. „Furchental“ ?

Belege AT

Gen 14,3; Gen 14,8; Gen 14,10

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

‘mq’ dj sdj’ (1QGenAp 21,25.32: Beyer, Klaus 1984a, 181f; García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 46; Ziemer, Benjamin 2005a, 50f; Machiela, Daniel A. 2009a, 80f)
φρέατα ἀσφάλτου (Josephus, antiquitates 1,174)

Beschreibung

Das Siddimtal ist der Platz, den die Erzählung von Gen 14 als Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen vier Großkönigen aus dem Zweistromland und fünf Königen der Pentapolis (Sodom, Gomorra, Adma, Zebojim, Bela/Zoar) nennt. Nach dem Erzählzusammenhang ist das Tal im Jordangraben gedacht, in etwa dort, wo auch die Pentapolis liegen sollte. Gen 14,3 setzt in einer meist als Glosse gewerteten Apposition das Siddimtal mit dem Salzmeer, also mit dem Toten Meer gleich. Gen 14,10 redet von Asphaltgruben, in welche die Könige von Sodom und Gomorra auf ihrer Flucht stürzen. Auch dieses Szenario passt zur Landschaft am Toten Meer, das in Texten der griechisch-römischen Antike wegen zeitweise auftretender Asphaltablagerungen „Asphaltsee“ genannt wird. Die Herleitung des Namens Siddimtal ist umstritten. Ältere Auslegungen postulieren ein ursprüngliches haššedîm („Geister, Dämonen“, vgl. Dtn 32,17; Ps 106,37) für haśśidîm und erklären den Namen als „Dämonental“ (Gunkel, Hermann 1910a, 280; Westermann, Claus 1981a, 230). Meist wird jedoch, in Anlehnung an Targume, die Ableitung von der Wurzel śdd „pflügen, Furchen ziehen“ als wahrscheinlich angesehen und das Siddimtal daher als „Furchental“ erklärt. Die Wendung ‘mq’ dj sdj’ in 1QGenAp („Tal der Fußangeln“ vgl. Beyer, Klaus 1984a, 181f) führt diese symbolische Deutung weiter aus. Bereits in hellenistischer und römischer Zeit war der Name Siddimtal offenbar rätselhaft. LXX übersetzt „Salztal“ (ἡ φάραγξ ἡ ἁλυκή, Gen 14,3; ἡ κοιλάς ἡ ἁλυκή, Gen 14,8; Gen 14,10), wohl aufgrund der Gleichsetzung mit dem Salzmeer in Gen 14,3. Josephus übernimmt weitgehend die Formulierung der LXX von Gen 14,10, lässt jedoch die Wendung ἡ ἁλυκή („das Salzige“) weg und gibt dem Tal somit den Namen „Asphaltgruben“ (… κατὰ τὴν κοιλάδα τὴν λεγομένην φρέατα ἀσφάλτου… „… in das Tal, das ‘Asphaltgruben’ genannt wird…“; Josephus, antiquitates 1,174). Auf diese Weise macht er aus einem im alttestamentlichen Text beschriebenen Phänomen des Siddimtals einen Eigennamen. Die biblische Textüberlieferung und ihre frühe Rezeption lassen erkennen, dass weder der Name noch die gedachte Lage des Tals eindeutig waren. Die Uneindeutigkeit klingt bereits in dem appositionellen Nachsatz in Gen 14,3 an, wenn das Siddimtal in das Salzmeer, d.h. an eine unsichtbare, unter dem Wasser verborgene Stelle verlegt wird.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:57:27

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 3 (1966), 1784 (Elliger, Karl, Art. Siddim)
  • ABD 6 (1992), 15f (Astour, Michael C., Art. Siddim, Valley of)

 

Literatur

Dillmann, August 1892a , 237f ;  Gunkel, Hermann 1910a , 280 ;  Simons, Jan 1959a , 227f § 413 ;  Astour, Michael C. 1966aSchatz, Werner 1972a , 181f ;  Westermann, Claus 1981a , 230 ;  Frumkin, Amos / Elitzur, Yoel 2001aZiemer, Benjamin 2005a , 150f ;  Jericke, Detlef 2013a , 117f ;