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Sodom

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

סדם sedom. Σοδομα. „Feld, umzäunte Fläche“

Belege AT

Gen 10,19; Gen 13,10; Gen 13,12–13; Gen 14,2; Gen 14,8; Gen 14,10−12; Gen 14,17; Gen 14,21–22; Gen 18,16; Gen 18,20; Gen 18,22; Gen 18,26; Gen 19,1; Gen 19,4; Gen 19,24; Gen 19,28; Dtn 29,22; Dtn 32,32; Jes 1,7(?); Jes 1,9–10; Jes 3,9; Jes 13,19; Jer 23,14; Jer 49,18; Jer 50,40; Ez 16,46; Ez 16,48–49; Ez 16,53; Ez 16,55–56; Am 4,11; Zef 2,9; Klgl 4,6

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

swd(w)m (1QGenAp 21f: Beyer, Klaus 1984a, 181–184; García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 42−49; Ziemer, Benjamin 2005a, 50–54; Machiela, Daniel A. 2009a, 78−84)
[s]dm (2QGen frg.1,3: Ulrich, Eugene 2010a, 9)
Σοδομα (Strabon 16,2.44; Josephus, bellum 4,453.483−485.566; Josephus, antiquitates 1,174; 5,81; Mt 10,15; Mt 11,23–24; Lk 10,12; Lk 17,29; Röm 9,29; 2Petr 2,6; Jud 1,7; Apk 11,8; Eusebius, Onomastikon 150,8: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 141 Nr. 807; Timm, Stefan 2017a, 197 Nr. 809)
Sodom(a) (Hieronymus, Ad Zeph 2,9: MignePL 25, 1363f; Epitaphium S. Paulae 11: Donner, Herbert 2002a, 154; Theodosius 20: Geyer, Paulus 1898a, 146; Donner, Herbert 2002a, 206; Antoninus Placentinus 10.15.21.24: Geyer, Paulus 1898a, 166.169.173.176; Donner, Herbert 2002a, 252.257.264.268; Arkulf/Adomnanus 2, XVIII: Geyer, Paulus 1898a, 267; Donner, Herbert 2002a, 363)
sdwm (rabbinisch: Reeg, Gottfried 1989a, 449f; Targume: Díez Macho, Alejandro 1988a, 64f)

Beschreibung

Sodom wird erstmals bei der Beschreibung der Süd- bzw. Ostgrenze Kanaans genannt (Gen 10,19). Der Ort dient auch zur Angabe von Lots Siedlungsgebiet (Gen 13). Sodom gilt als Stadt der Pentapolis, d.h. der fünf Städte (Sodom, Gomorra, Adma, Zebojim, Zoar/Bela), die von vier Königen aus Mesopotamien angegriffen werden (Gen 14). Auch in dieser Erzählung wird ein enger Zusammenhang zwischen Sodom und Lot hergestellt (Gen 14,21-22). Die wichtigste alttestamentliche Überlieferung ist die Erzählung von der Zerstörung Sodoms, Gomorras und der Städte des „Kreises“ (Gen 18-19; vgl. Jordangegend). Der Name Sodom wurde demzufolge in profetischen Texten und im Neuen Testament zum Symbol für den Zusammenhang zwischen Versündigung und radikaler Vernichtung durch Gott. Eine verlässliche Lokalisierung Sodoms ist nicht möglich. Bereits die alttestamentlichen Texte gehen davon aus, dass der Ort nicht mehr existierte. Die wenigen topographischen Hinweise in den Texten deuten darauf hin, dass man sich Sodom im Jordangraben vorstellte. Mitunter wird eine ursprüngliche Lage am Nordrand des Toten Meers (Salzmeer) erwogen (Simons, Jan 1948a; Collins, Steve 2013a). Dafür könnte Gen 13 sprechen, wenn der Text so verstanden wird, dass Lot von Bet-El aus in den Jordangraben bis nach Sodom zieht. Eine solche Lage nördlich des Toten Meers setzt auch der Bericht des anonymen Pilgers von Piacenza aus dem 6. Jahrhundert voraus, der Sodom und Gomorra bei der Einmündung des Jordan in das Tote Meer lokalisiert (Antoninus Placentinus 10.15.21.24; vgl. Geyer, Paulus 1898a, 166–176; Donner, Herbert 2002a, 252–268). Meist werden die Städte der Pentapolis jedoch am südlichen Rand des Toten Meers gesucht. In diese Gegend weisen die topographischen Angaben in Gen 14 (Siddimtal, Salzmeer). Auch die Erwähnung von Asphaltgruben (Gen 14,10) lässt an das Südende des Toten Meers denken. Strabon geht von einer Lage Sodoms am Südwestufer in der Nähe von Massada (es-Sebbe, 183.080) aus. Dort hat sich am Gebirgszug des Ǧebel Usdum (186.053–059) die alttestamentliche Namensform erhalten. Allerdings ist zweifelhaft, ob die arabische Bezeichnung auf einer verlässlichen Tradition beruht (anders Abel, Félix-Marie 1938a, 467f). Mitunter werden die Städte der Pentapolis mit fünf Ortslagen am Südostrand des Toten Meers identifiziert (Bāb ed-Drā‘ 2040.0729, en-Numēra 199.060, eṣ-Ṣāfī 1955.0474, el-Fēfe 1933.0390, Ḫanāzīr 1911.0340; vgl. Harland, James Penrose 1942a; Harland, James Penrose 1943a; Shanks, Hershel 1980a). Diese Plätze waren in der Frühbronzezeit (3. Jt. v.Chr.) besiedelt. Ein archäologischer Befund aus dem 1. Jt. v.Chr. ist nicht nachzuweisen. Die alttestamentliche Tradition reicht jedoch in keinem Fall bis in das 3. Jt. v.Chr. Der Hinweis auf die genannten Plätze am Toten Meer hat lediglich insofern seine Berechtigung als Überreste der frühbronzezeitlichen Siedlungen, die im 1. Jt. v.Chr. noch sichtbar waren, Anlass zu der Erzählung von der Vernichtung Sodoms und Gomorras und der gesamten Region südöstlich des Toten Meers gegeben haben könnten.

[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:57:09

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BRL (1937), 491f
  • BHH 3 (1966), 1817f (Hentschke, Richard, Art. Sodom)
  • NBL 3 (2001), 622f (Beyerle, Stefan, Art. Sodom)
  • ABD 6 (1992), 99–103 (Mulder, Martin J., Art. Sodom and Gomorrah)
  • LThK3 9 (2000), 684f (Ruppert, Lothar, Art. Sodom u. Gomorra)
  • RGG4 7 (2004), 1413 (Loader, James Alfred, Art. Sodom und Gomorrha)
  • WiBiLex 2007 (Knauf, Ernst Axel, Art. Sodom und Gomorra)

 

Literatur

Albright, William Foxwell 1924bPower, E. 1930aLagrange, Marie-Joseph 1932aVincent, Louis-Hugues 1935aAbel, Félix-Marie 1938a , 467f ;  Harland, James Penrose 1942aHarland, James Penrose 1943aSimons, Jan 1948aSimons, Jan 1959a , 222−229 §§ 404−414 ;  Shanks, Hershel 1980aRast, Walter E. / Schaub, R. Thomas 1981aHattem, William C. van 1981aRast, Walter E. 1987aLoader, James Alfred 1990aTsafrir, Yoram u.a. 1994a , 235 ;  MacDonald, Burton 2000a , 45−63 ;  Jericke, Detlef 2003a , 164−169 ;  Bryce, Trevor 2009a , 660 ;  Collins, Steve 2013aJericke, Detlef 2013a , 61f ;  Kawashima, Robert S. 2015a