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Bergland der Amoriter

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

 הר האמרי har hā’æmorî. ὂρος Αμορραίων / ὂρος τοῦ Αμορραίου

Belege AT

Dtn 1,7; Dtn 1,19-20; Jos 13,4 LXX; Ri 1,36 LXX

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

’wrḥ ṭwr’ d’mwr’h (Targum Onkelos zu Dtn 1: Sperber, Alexander 1959a, 290)

Beschreibung

Die toponymische Wendung „Bergland der Amoriter“ ist nur in Dtn 1 belegt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine literarische Bildung, die eine Region im Süden Palästinas bezeichnen will, die Jhwh den Israeliten zwar „gegeben“ hat (Dtn 1,20), die jedoch als Strafe für ihre Weigerung, in das Land zu ziehen (Dtn 1,26-27), dauerhaft unter der Fremdherrschaft der „Amoriter“ bleibt (Dtn 1,41-45). Nach der Darstellung in Dtn 1 ist das Bergland der Amoriter die erste Region des zugesagten Landes, die nach dem Aufbruch vom Gottesberg Horeb erreicht wird. Folglich sollte sie nach der Vorstellung der Verfasser des Kapitels im Süden Palästinas gesucht werden. Darauf weist auch Dtn 1,7. In dem Vers lässt sich eine Abfolge der Landschaftsnamen von Süd nach Nord erkennen, wobei das Bergland der Amoriter an erster Stelle genannt ist. Dieses beginnt bei Kadesch-Barnea (Tell el-Qudērāt, 0946.0067; Dtn 1,19-20) und dürfte daher einen Teil des gebirgigen östlichen Negeb bezeichnen. Dtn 1,44 bringt das „Bergland“, auf dem die Amoriter wohnen, mit Seïr in Verbindung. Die toponymische Wendung „Bergland der Amoriter“ sollte demnach auch Teile des südlichen Ostjordanlands umfassen. Möglichweise deckte die Bezeichnung Seïr/Edom zur Zeit der Abfassung von Dtn 1 auch bereits Teile des Negeb ab. Der Erzählzusammenhang in Dtn 1 spricht jedoch für eine gedachte Erstreckung des Berglands der Amoriter bis in das Ostjordanland hinein, da „Amoriter“ die einzige Bezeichnung der verschiedenen im Alten Testament genannten nichtisraelitischen Gruppen ist, die auch für Herrscher des Ostjordanlands Verwendung findet, v.a. für Sihon von Heschbon (Dtn 1,4; Dtn 2,24; Dtn 3,2; Dtn 4,46; vgl. 1Kön 4,19; Ps 135,11; Ps 136,19f), seltener für Og von Baschan (Dtn 31,4; Jos 2,10; Jos 9,10; Jos 24,12). Das Wort „Amoriter“ in der toponymischen Wendung „Bergland der Amoriter“ könnte demzufolge auch so gedeutet werden, dass damit die Gesamtheit der den Israeliten von Jhwh zugesagten Bergregionen westlich und östlich des Jordans gemeint ist. In diesem Fall wäre der Ausdruck in Dtn 1,7 als Überschrift zu den nachfolgend genannten Regionen zu verstehen. Das Bergland der Amoriter würde sich in dieser Hinsicht vom Ausdruck „Bergland“ bzw. „Gebirge“ (hebräisch hāhār; vgl. Dtn 1,7; Dtn 1,24) unterscheiden, der jeweils nur das westjordanische Bergland meint.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:52:39

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 84f (Bach, Robert, Art. Amoriter)
  • NBL 1 (1991), 90‒92 (Görg, Manfred, Art. Amoriter)
  • ABD 1 (1992), 199‒202 (Mendenhall, George E., Art. Amorites)
  • RGG4 1 (1998), 417 (Knauf, Ernst Axel, Art. Amoriter)
  • EBR 1 (2009), 1016‒1028 (Huffmon, Herbert B. / Charpin, Dominique, Art. Amorites)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1933a , 371 ;  Noth, Martin 1940b , 183 ;  Noth, Martin 1957a , 29f ;  Simons, Jan 1959a , 3f § 13 ;  Noth, Martin 1971a , 95f ;  Van Seters, John 1972bMittmann, Siegfried 1975a , 18f ;  Perlitt, Lothar 1990a , 41‒43 ;  Houtman, Cornelis 2002aAchenbach, Reinhard 2003a , 176 ;  Heckl, Raik 2004a , 79–82 ;  Veijola, Timo 2004a , 18 ;  Jericke, Detlef 2009a