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Girgaschiter

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Girgasiter; Girgashite

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

הגרגשי haggirgāšî. ὁ Γεργεσαιος, οἱ Γεργεσαιοι

Belege AT

Gen 10,16; Gen 15,21; Dtn 7,1; Jos 3,10; Jos 24,11; Neh 9,8; 1Chr 1,14

Belege aus altorientalischen Dokumenten

karkiša (hetitisch: Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 182f) ?

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

οἱ Γεργεσαιοι (Jdt 5,16)
Γεργεσαιος (Josephus, antiquitates 1,139)
grgjš’j (Targum Onkelos und Targum Pseudo-Jonatan zu Gen 10,16: Sperber, Alexander 1959a, 14; Díez Macho, Alejandro 1988a, 65)
grgšj’ (Targum Neofiti zu Gen 10,16: Díez Macho, Alejandro 1968a, 54f; Díez Macho, Alejandro 1988a, 64)

Beschreibung

Die Girgaschiter zählen zu den im Alten Testament listenartig aufgezählten autochtonen Völkern Kanaans. Sie werden daher, wie einige andere dieser Gruppen (Hetiter [Land der Hetiter], Jebusiter [Jebus], Amoriter [Land der Amoriter], Hiwiter), genealogisch von Kanaan abgeleitet (Gen 10,16; 1Chr 1,14). Allerdings wird das vermeintlich von ihnen bewohnte Gebiet nicht weiter spezifiziert. Namensformen, die dem hebräischen Ausdruck haggirgāšî sprachlich verwandt sind, sind in verschiedenen altorientalischen Dokumenten belegt. So wird mitunter auf die Bezeichnung grgš verwiesen, die als Personenname in ugaritischen Texten und in phönizischen Inschriften aus Karthago belegt ist, ohne dass daraus eine geographische Bestimmung abzuleiten wäre. Eine Ethnie namens qrqš ist aus ägyptischen Texten der Zeit Ramses II. als Verbündete der Hetiter bekannt. Das von ihnen bewohnte Land karkiša könnte mit dem Territorium der Karer an der südwestlichen Küste Kleinasiens gleichgesetzt (zur Lage Kariens Seibert, Jakob 1985a; Waldmann, Helmut 1985a; Kessler, Karlheinz 1991a; Orth, Wolfgang 1992a) oder im Nordwesten Anatoliens gesucht werden. Letzteres scheint wahrscheinlicher zu sein, da karkiša nach den literarischen Quellen nördlich der Landschaft arzawa liegen sollte (vgl. RLA 5, 423‒425.446f; Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 182f). Eine weitergehende These entwickelt Lipiński. Er verweist auf ein Toponym [KURk]ar-ka-si-a, das in Texten aus der Zeit Sargons II. (8. Jh. v.Chr.) erwähnt sein soll und das möglicherweise mit dem Land der Kassiten im Zagrosgebirge, das wiederum in Texten aus der Zeit Asarhaddons (7. Jh. v.Chr.) belegt ist, in Verbindung gebracht werden kann. Da Menschen aus dieser Region im 8./7. Jh. v.Chr. an den Grenzbach Ägyptens, d.h. an die Südgrenze des neuassyrischen Einflussgebiets im Südwesten Palästinas umgesiedelt worden seien, könnten die Girgaschiter auf diese Weise in die südliche Levante gekommen sein (Lipiński, Edward 1992a, 155f). Diese Konstruktion ist jedoch mit vielen Hilfsannahmen behaftet. Mitunter wird zur lokalen Eingrenzung der Girgaschiter auch auf das im Neuen Testament genannte Gebiet der Gerasener (Mk 5,1; Lk 8,26) bzw. der Gadarener (Mt 8,28) verwiesen, das in manchen Handschriften auch als „Land der Gergesener“ wiedergegeben ist (EBR 10 [2015], 292f). Gergesa wird am Ostufer des Sees Gennesaret (Kinneret, See) in der Gegend von el-Kursī gesucht (vgl. Schmitt, Götz 1975a, 59‒68; Jericke, Detlef / Schmitt, Götz 1992a; Tsafrir, Yoram u.a. 1994a, 104; Schmitt, Götz 1995a, 171f; Zwickel, Wolfgang u.a. 2013a, 291.300). Allerdings können über die sprachliche Verwandtschandtschaft hinaus keine Anhaltspunkte dafür geltend gemacht werden, die Girgaschiter mit dem nördlichen Ostjordanland in Verbindung zu bringen.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:06:42

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 5 (1976‒1980), 423‒425 (Schmitt, Rüdiger, Art. Karer); 446f (Heinhold-Krahmer, Susanne, Art. Karkiša)
  • BHH 1 (1962), 573 (Delekat, Lienhard, Art. Girgasiter)
  • NBL 1 (1991), 846 (Görg, Manfred, Art. Girgaschiter)
  • ABD 2 (1992), 1028 (Baker, David W., Art. Girgashite)
  • EBR 10 (2015), 292f (Olson, Dennis T., Art. Girgashite)

 

Literatur

Gunkel, Hermann 1910a , 90 ;  Abel, Félix-Marie 1933a , 322f ;  Skinner, John 1951a , 216 ;  Simons, Jan 1959a , 38 § 38 ;  Westermann, Claus 1974a , 696f ;  Lipiński, Edward 1992a , 155f ;  Lipiński, Edward 2018a , 8-11 ;