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Land der Amoriter

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Amoritergebiet; Amorites; Amurru

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

גבול האמרי,ארץ האמרי ’æræṣ hā’æmorî, gebûl hā’æmorî. ἡ γῆ τῶν αμορραίων, ἡ γῆ τοῦ αμορραίου, τό ὁρίον τῶν αμορραίων

Belege AT

Ex 3,8; Ex 3,17; Ex 13,5; Num 21,13; Num 21,31; Jos 13,4; Jos 24,8; Ri 1,36; Ri 10,8; Ri 11,21f; Am 2,10

Belege aus altorientalischen Dokumenten

amurru (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 21–24)
’mr, jmr (ägyptisch: Gardiner, Alan H. 1947a, 187*–190*; Hannig, Rainer 2000a, 1603)
amurru (hetitisch: Monte, Guiseppe F. del / Tischler, Johann 1978a, 14f; Monte, Guiseppe F. del 1992a, 5)
amurrū (neuassyrisch: Parpola, Simo 1970a, 17f; Bagg, Ariel M. 2007a, 11‒15). ’mr (phönizisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 24)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Ἀμορραιος (Josephus, antiquitates 1,139)
’mwr’j (Targume zu Gen 10,16: Sperber, Alexander 1959a, 14; Díez Macho, Alejandro 1968a, 54f; Díez Macho, Alejandro 1988a, 64f)

Beschreibung

Die Bezeichnung Amoriter ist die hebräisierte Form des keilschriftlichen Ausdrucks amurru. Dieser bezeichnet in Dokumenten des 3. und 2. Jahrtausends v.Chr. zunächst Gruppen im Zweistromland, die keinem Ort bzw. keiner Region fest zugeordnet sind. Angehörige der amurru bekleideten dann im 2. Jahrtausend v.Chr. Herrschaftspositionen in verschiedenen mesopotamischen und nordsyrischen Städten. Territorialgeschichtlich ist amurru im 14./13. Jh. v.Chr. als Name eines Fürstentums  bzw. Kleinkönigtums belegt, das in etwa den Bereich der syrischen Küste zwischen Gubla (alttestamentlich Gebal; griechisch Bylos) und Ugarit samt dem sich nach Osten hin anschließenden bergigen Hinterland umfasste (Bunnens, Guy u.a. 1990a). Neuassyrische Texte verwenden die toponymische Wendung amurrū („Westen“) entweder für die südliche Levante oder, neben dem Ausdruck ḫatti (Land der Hetiter) , als Bezeichnung für die gesamte Levante (Bagg, Ariel M. 2011a, 19−40). Der alttestamentliche Gebrauch entpricht in etwa demjenigen der neuassyrischen Dokumente. Die Amoriter gelten als autochtone Bewohner des Israel von Jhwh zugesagten Landes (Gen 15,21; Ex 3,8; Ex 3,17 u.ö.). Entsprechend werden sie genealogisch von Kanaan abgeleitet (Gen 10,16; 1Chr 1,14). Im Gegensatz zu den Kanaanäern, die literarisch auf die küstennahen Gebiete und die Ebenen beschränkt werden, wohnen die Amoriter, ebenso wie die Hetiter, im Bergland (Num 13,29; vgl. Dtn 1,44; Jos 10,6). Daher ist in Dtn 1 vom Bergland der Amoriter die Rede (Dtn 1,7; Dtn 1,19-20). Eine weitere Parallelität zu den neuassyrischen Texten ist die Beobachtung, dass die Amoriter eng mit den Hetitern verknüpft werden. Das Wort gegen Jerusalem in Ez 16 wirft der Stadt vor, ihr Vater sei ein Amoriter, ihre Mutter eine Hetiterin (Ez 16,3; Ez 16,45). Im Unterschied jedoch zu den Hetitern, die im Alten Testament mit der gesamten Levante in Zusammenhang gebracht werden (Land der Hetiter), erscheinen Amoriter lediglich im Süden der Großregion (Gen 14,7; Dtn 1,44) und v.a. im Ostjordanland (Num 21,13; Num 21,31; Jos 24,8). So sind die einzigen namentlich genannten Amoriter der mit Abraham in Verbindung stehende Mamre (Gen 14,13) und die sagenhaften ostjordanischen Könige Sihon von Heschbon und Og von Baschan (Dtn 31,4; Jos 2,10; Jos 9,10 u.ö.). Das solchenmaßen den Amoritern zugeschriebene Territorium wird entweder als ’æræṣ hā’æmorî „Land der Amoriter“ (Ex 3,17; Ex 13,5; Num 21,31; Jos 24,8; Ri 10,8; Ri 11,21; Am 2,10) oder als gebûl hā’æmorî „Gebiet der Amoriter“ (Num 21,13; Jos 13,4; Ri 1,36; Ri 11,22; vgl. Amoritergebiet) bezeichnet, im Einzelfall auch als meqôm hā’æmorî „Ort der Amoriter“ (Ex 3,8), ohne dass die Varianten eine geographische Unterscheidung erkennen lassen (vgl. den parallen Gebrauch von „Land“ und „Gebiet“ in Ri 11,21-22). LXX folgt dem differenzierenden Sprachgebrauch insoweit, als das „Land der Amoriter“ meist mit ἡ γῆ τῶν αμορραίων bzw. ἡ γῆ τοῦ αμορραίου, das „Gebiet der Amoriter“ mit τό ὁρίον τῶν αμορραίων und der „Ort der Amoriter“ mit ὁ τόπος τῶν αμορραίων wiedergegeben wird. Lediglich Num 21,31 schreibt ἐν πάσαις ταῖς πόλεσιν τῶν αμορραίων „in allen Städten der Amoriter“ für die hebräische Wendung be’æræṣ hā’æmorî „im Land der Amoriter“.
[Detlef Jericke, 2017]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:03:50

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • RLA 1 (1928), 99‒103 (Ebeling, Erich, Art. Amurru)
  • BHH 1 (1962), 84f (Bach, Robert, Art. Amoriter)
  • 1 (1975), 251f (Giveon, Raphael, Art. Amurru)
  • NBL 1 (1991), 90‒92 (Görg, Manfred, Art. Amoriter)
  • ABD 1 (1992), 199‒202 (Mendenhall, George E., Art. Amorites)
  • EBR 1 (2009), 1016‒1028 (Huffmon, Herbert B. / Charpin, Dominique, Art. Amorites)

 

Literatur

Gunkel, Hermann 1910a , 90 ;  Skinner, John 1951a 215f ;  Simons, Jan 1959a , 3f § 13 ;  Speiser, Ephraim Avigdor 1964a , 69 ;  Westermann, Claus 1974a , 696 ;  Bunnens, Guy u.a. 1990aJericke, Detlef 2009aBagg, Ariel M. 2011a , 19−40 ;  Homsher, Robert S. / Cradic, Melissa S. 2017aLipiński, Edward 2018a , 7f ;