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Bet-Araba

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Beth-arabah; Betharabah

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

בית־הערבה bêt-hāʿarābāh. Βαιθαραβα

Belege AT

Jos 15,6; Jos 15,61; Jos 18,18(LXX); Jos 18,22

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Βηθαραβα (Eusebius, Onomastikon 48,21: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 50, Nr. 222; Timm, Stefan 2017a, 59 Zeile 2, Nr. 222)

Beschreibung

Name

Das Nomen hāʿarābāh meint wörtlich „die Trockene, Unfruchtbare“ und kann im Alten Testament sinngleich zu hammidbār „die Wüste“ verwendet wer­den. Daneben ist hāʿarābāh als Landschafts­name (die Araba) gebraucht und bezeichnet den über weite Strecken wüstenhaften Jor­dangraben. Daher kann bêt-hāʿarābāh entweder als „Wüstenhausen“ oder als „Haus der Araba“ wiederge­geben werden.
LXX schreibt meist transkribierend Βαιθαραβα. In Jos 15,61 hat LXXB jedoch Θαραβααμ, während LXXA mit Βηθαραβα dem hebräischen Text folgt. In Jos 18,22 stimmen beide Rezensionen zu Bet-Araba (Βαιθαραβα) überein, anschließend fährt LXXB stark vom MT abweichend fort (καὶ Σαρα καὶ Βησανα für „und Zemarajim und Bet-El“), während LXXA diesem folgt (καὶ Σεμριμ καὶ Βηθηλ). Möglicherweise hatte demnach LXXB entweder einen ande­ren hebräischen Text vorliegen oder griff auf eigene Traditionen zurück.
In Jos 18,18 hat MT nicht den Ortsnamen bêt-hāʿarābāh, sondern die Wendung kætæp mûl-hāʿarābāh „der Bergrücken gegenüber/vor der Araba“. LXX schreibt hier κατὰ νώτου Βαιθαραβα, setzt also kætæp bêt-hāʿarābāh „der Bergrücken von Bet-Araba“ voraus. Die Vulgata folgt jedoch weitgehend dem MT. Manche Auslegende sehen in der LXX-Version die ältere Textfassung (u.a. Noth, Martin 1953a, 108; Fritz, Volkmar 1994a, 182; anders Gaß, Erasmus 2019a, 391), zumal auch in Jos 15,6 an der entsprechenden Stelle der Grenzbeschreibung bêt-hāʿarābāh steht. Dabei ist allerdings nicht auszuschließen, dass die LXX-Fassung von Jos 18,18 eine nachträgliche Anpassung an Jos 15,6 darstellt.

Außerbiblische Belege

Eusebius folgt Jos 15 und rechnet Βηθαραβα zu Juda (Onomastikon 48,21). Ob das Toponym Βηθαβαρα bzw. Βεθαβαρα, das bei Eusebius (Onomastikon 58,18–20: Notley, R. Steven / Safrai, Zeʾev 2005a, 59, Nr. 290; Timm, Stefan 2017a, 71 Zeile 4–6, Nr. 290) und auf der Mosaikkarte von Mādebā (Donner, Herbert 1992a, 38f, Nr.6) die Taufstelle am Jordan bezeichnet, mit Bet-Araba zusammenhängt, ist unsicher (Parker, Pierson 1955a; Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 527–532). Zumindest Eusebius unterscheidet beide Ortsnamen. Die Namensform Βηθαβαρα geht auf einige Manuskripte zurück, die in Joh 1,28 Βηθα(α)βαρα statt Βηθανια „Betanien” schreiben, eine Variante, die Origines als richtigen Namen der Taufstelle ansieht (In Ioannem VI,40: MignePG 14, 269; Preuschen, Erwin 1903a, 149f; vgl. Thomsen, Peter 1907a, 35‒37; Abel, Félix-Marie 1938a, 264f; Tsafrir, Yoram u.a. 1994a, 78f; Schmitt, Götz 1995a, 97f). Andere bringen Βηθαβαρα mit dem alt­testamentlichen Bet-Bara (Ri 7,24) in Verbindung (Wiefel, Wolfgang 1967a), das ebenfalls im Jordangra­ben gesucht wird, allerdings mindestens 30 km nördlich von Jericho (Gaß, Erasmus 2005a, 295f).

Altes Testament

Als Toponym ist Bet-Araba nur im Josuabuch belegt. Allerdings stellen sich erhebliche textkritische und historisch-topographische Probleme. Die Beschreibung der Nordgrenze Judas geht von einem Grenzverlauf miṣṣepôn lebêt-hāʿarābāh „nördlich von Bet-Araba“ aus (Jos 15,6). Damit läge der Ort im judäischen Territorium, was dem Eintrag in der Ortsliste Judas entspräche (Jos 15,61). Jos 18,18 spricht davon, dass die Südgrenze Benjamins „hinübergeht zum Bergrücken gegenüber von (Bet-)Araba nach Norden (ṣāpônāh)“. Falls hier der Ort Bet-Araba gemeint ist (s.o.), muss er nicht zwangsläufig südlich der Grenze gedacht sein. Demzufolge kann er in der Ortsliste Benjamins stehen (Jos 18,22), was jedoch der Formulierung von Jos 15,6 widerspricht. Meist werden die geschilderten Probleme damit erklärt, dass sich der Grenzverlauf zwischen Juda und Benjamin veränderte (Naʾaman, Nadav 1991a,  8–10; ABD 1, 681; Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 327f; EBR 3, 957f; McKinny, Charles Christopher 2016a, 8). Allerdings sollten auch textkritische und überlieferungsgeschichtliche Aspekte miteinbezogen werden. Aus textkritischer Sicht ist Jos 15,6 eindeutig, da hebräi­scher und griechischer Text Bet-Araba lesen. Im Falle von Jos 15,61 bietet zumindest LXXB kein Äquivalent zum Namen Bet-Araba. In Jos 18,18 hat MT nicht den Ortsnamen, sondern die Wendung „der Bergrücken gegenüber/vor der Araba“, während lediglich LXX Bet-Araba voraussetzt. Folgt man in Jos 18,18 dem MT (Gaß, Erasmus 2019a, 391) und liest Bet-Araba lediglich in Jos 15,6; Jos 15,61 und Jos 18,22, ist das historisch-topographische Problem noch nicht geklärt, warum ein Ort, der südlich des Grenzverlaufs liegen soll, auch in der Ortsliste zu Benjamin genannt wird. Ebensowenig lässt sich diese Schwierigkeit erklären, wenn man aufgrund der textkritischen Probleme in Jos 15,61 und Jos 18,18 davon ausgeht, dass der Ortsname lediglich in der Grenzbeschrei­bung zu Juda (Jos 15,6) und in der Ortsliste zu Benjamin (Jos 18,22) sicher nach­gewiesen ist. Überlieferungsgeschichtliche bzw. redaktionsgeschichtliche Überlegungen gehen davon aus, dass die Beschreibung der Südgrenze Benjamins (Jos 18,15-19) abhängig ist von der literarischen Gestaltung der Nordgrenze Judas (Jos 15,5–9), wobei in Jos 18 statt des Ortsnamens Bet-Araba eine Landschaftsangabe steht (u.a. Schunck, Klaus-Dietrich 1963a, 139–168; Schmitt, Götz 1980a, 39–49; Knauf, Ernst-Axel 2008a, 141). Die Ortsliste zu Benjamin (Jos 18,21-28) wiederum versucht, die in der Grenzbeschreibung (Jos 18,11-20) genannten Ortsnamen aufzunehmen und für Benjamin zu reklamieren, wodurch Bet-Araba auch als benjaminitischer Ort erscheint.
Die Liste der dreißig Vorkämpfer Davids kennt den „Arbatiter“ (hāʿarbātî) Abialbon (2Sam 23,31) bzw. Abiël (1Chr 11,32), bei dem mitunter eine Herkunft aus Bet-Araba vorausgesetzt wird (Elliger, Karl 1935a, 48f; Abel, Félix-Marie 1938a, 267; Elliger, Karl 1966a, 91f; McCarter, P. Kyle Jr. 1984a, 488.498; ABD 1, 681; Knoppers, Gary N. 2004a, 552). Diese Interpretation ist jedoch vom Text und von der Textüberlieferung her nicht gedeckt (Galling, Kurt 1954a, 43; Stoebe, Hans Joachim 1994a, 508; Japhet, Sara 2002a, 238.259).

Lokalisierung

Aufgrund der geschilderten textlichen Probleme ist eine sichere Lo­kalisierung nicht möglich. Die gedachte Lage ist am ehesten aus Jos 15,6-7 zu erschließen. Danach ist Bet-Araba zwischen Bet-Hogla in der Araba und der Steige von Adummim am gebirgigen Aufstieg von der Araba in das Bergland zu suchen. Dies schließt eine Gleichsetzung mit der Siedlung von Ḫirbet Qumrān am Westufer des Toten Meers (Salzmeer) aus, die sich auf Jos 15,61 berufen müsste (Cross, Fank Moore 1973a, 110; kritisch dazu Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 328). Ähnliches trifft auf den Vorschlag zu, Bet-Araba bei Ruǧm el-Baḥr am Nordufer des Toten Meers zu suchen (ruǧm el-baḥr und el-bered (ez-zāra)>Schult, Hermann 1966a; Bar-Adon, Pesach 1989a, 3–14.4*f; kritisch dazu McKinny, Charles Christopher 2016a, 57f). Im 19. und frühen 20. Jahrhundert lag der Platz auf einer kleinen Insel, die durch eine Mole mit dem Festland verbunden war (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 471). Jetzt befindet er sich im sandig-salzigen Vorland des Nordufers des Toten Meers. Hier wurden Siedlungs­spuren der Eisenzeit II und Reste der römischen Zeit entdeckt (Bar-Adon, Pesach 1989a, 3–14.4*f ; Greenberg, Raphael / Keinan, Adi 2009a, 104, Nr. 651).
Die ältere topographische Forschung fand aufgrund des Namensanklangs Bet-Araba bei ʿAin el-Ġarabe im Jordangraben etwa 2,5 km nordnordwestlich von Bet-Hogla (u.a. Alt, Albrecht 1925b, 26f; Abel, Félix-Marie 1938a, 267; Noth, Martin 1953a, 87.143; Simons, Jan 1959a, 138.173 §§ 314.326; Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 471; Boling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a, 366; vgl. Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 325). Die Bezeichnung el- Ġarabe lässt sich jedoch auf die Araba insgesamt beziehen und muss nicht spezifisch vom Namen Bet-Araba herrühren. Die ältesten ar­chäologischen Reste bei der ʿAin el-Ġarabe stammen aus byzantinischer Zeit (Alt, Albrecht 1925b, 26f; Sion, Ofer 1996a, 252; McKinny, Charles Christopher 2016a, 57; www.lasapienzatojericho.it/padis/, site 017). Ähnliches trifft für den nordwestlich der Wasserstelle liegenden Fundplatz Ḫirbet en-Nitle zu, wo neben Kir­chenbauten aus byzantinischer und frühislamischer Zeit (4.–9. Jh.) Siedlungsspuren aus hellenistischer und römischer Zeit dokumentiert sind (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 527; NEAEHL 2, 696f; Sion, Ofer 1996a, 250; www.lasapienzatojericho.it/padis/, site 066). Gegen die Ansetzung bei der ʿAin el-Ġarabe wird zudem eingewandt, dass die Wasserstelle zu weit nördlich liegt, um noch den Jos 15,6 vorausgesetzten Grenz­verlauf nördlich des Platzes möglich erscheinen zu lassen (Rösel, Hartmut N. 2011a, 238). Dazuhin scheint Jos 18,18 so zu verstehen sein, dass der Bergrücken von (Bet-)Araba höher liegt als die eigentliche Araba.
Neuere Publikationen suchen daher Bet-Araba weiter westlich am Rand des Gebirgsabfalls. Der Tell es-Samrāt liegt etwa einen Kilometer südlich des alttestamentlichen Jericho (Kellermann, Diether u.a. 1992a). Neben Resten einer rö­merzeitlichen Pferde­rennbahn (Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a, 489.512 Abb. 349) sind Keramik­funde aus der Früh­bronzezeit IV, der Mittelbronzezeit II, der Eisenzeit II, der hel­lenistischen und der römischen Zeit dokumentiert (Netzer, Ehud u.a. 2004a, 195–225; www.lasapienzatojericho.it/padis/, site 082). Der Tell Muḥalḥil wird wahlweise für die Lokalisierung von Bet-Araba oder Bet-Hogla vorgeschlagen (Fritz, Volkmar 1994a, 159; Rösel, Hartmut N. 2011a, 238), mitunter auch nur für Bet-Araba (McKinny, Charles Christopher 2016a, 57f). Es handelt sich um eine An­sammlung mehrerer Fundplätze unmittelbar südlich der Stelle, an der die moderne Fahr­straße von Jericho nach Westen Richtung Jeru­salem abbiegt. Zwei dieser Plätze weisen Keramikscherben aus der Eisenzeit II auf (Kochavi, Moshe 1972a, 117–119; Sion, Ofer 2013a, Sites Num 83 und 86). Die bislang lediglich vorläufig dokumentierten eisenzeitlichen Funde werden neuerdings als Reste einer kleinen Festung inter­pretiert (McKinny, Charles Christopher 2016a, 57). Sowohl die Gleichsetzung von Bet-Araba mit Tell es-Samrāt als auch diejenige mit Tell Muḥalḥil ergeben einen nachvollziehbaren Grenzverlauf von der Steige von Adummim über den Rand des wüstenhaften Berglands in die Araba hinein bis an den Jordan bei Bet-Hogla.
Ein weiterer Kandidat, der von der Lage und vom archäologischen Befund her für eine Gleichsetzung mit Bet-Araba in Frage kommt, ist Vered Yeriḥo. Der Fundplatz liegt ebenfalls am Übergang vom Bergland in die Araba zwischen Tell es-Samrāt im Norden und Tell Muḥalḥil im Süden. Auf Vered Yeriḥo wurde eine ca. 24 x 20 m große befestigte An­lage aus dem 6. Jh. v.Chr. ergraben. Die südliche Hälfte wird von zwei Pfeiler­häusern (Vierraumhäusern) eingenommen. In der nördlichen Hälfte schützen zwei rechteckige Türme den Eingang zu einem Hof, in dem Treppen erkennbar sind, die vermutlich auf ein Dach führten (Eitan, Avraham 1983a; NEAEHL 5, 2067f; Kolska Horwitz, Liora u.a. 2018a; www.lasapienzatojericho.it/padis/, site 093). Möglicher­weise blieb Vered Yeriḥo bislang in der Diskussion um die Lage von Bet-Araba unbeachtet, weil nach älteren ei­senzeitlichen Befunden gesucht wurde, unter der Prämisse, dass die Landvertei­lungstexte des Josuabuchs spätestens Verhältnisse des 7. Jh. v.Chr. wiederspie­geln (anders jetzt Gaß, Erasmus 2019a). Auf Vered Yeriḥo könnte auch Emek-Keziz (Jos 18,21) lokalisiert werden. Eine eindeutige Zuweisung ist aufgrund der spärlichen Hinweise in den jeweiligen Textbelegen nicht möglich.

 

Autor: Detlef Jericke, 2020; letzte Änderung: 2020-08-26 18:37:31

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 226 (Reicke, Bo, Art. Beth-Araba)
  • ABD 1 (1992), 681 (Thompson, Henry O., Art. Beth-Arabah)
  • NEAEHL 5 (2008), 2067f (Eitan, Avraham, Art. Vered Yeriḥo)
  • EBR 3 (2011), 957f (Kuan, Kah-Jin Jeffrey, Art. Bet-Arabah)

 

Literatur

Thomsen, Peter 1907a , 35‒37 ;  Alt, Albrecht 1925b , 26f ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 264f.267 ;  Noth, Martin 1953a , 87.143 ;  Parker, Pierson 1955aSimons, Jan 1959a , 138.173 §§ 314.326 ;  Schult, Hermann 1966aSchmitt, Götz 1980a , 41 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 471.527‒532 ;  Eitan, Avraham 1983aBoling, Robert G. / Wright, G. Ernest 1984a , 366 ;  Kallai, Zecharia 1986a , 118f ;  Bar-Adon, Pesach 1989a , 3–14.4*f ;  Naʾaman, Nadav 1991a , 8‒10 ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aFritz, Volkmar 1994a , 159 ;  Tsafrir, Yoram u.a. 1994a , 78f ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 318f.325–328 ;  Na’aman, Nadav 2005a , 335f ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 238 ;  McKinny, Charles Christopher 2016a , 57f.321 ;  Kolska Horwitz, Liora u.a. 2018a