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Ebene, ost

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Hochebene; tableland; Mishor

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

המיש(ו)ר  hammîšor, hammîšôr. ἡ Μισωρ, τὸ πεδίον

Belege AT

Dtn 3,10; Dtn 4,43; Jos 13,9; Jos 13,16-17; Jos 13,21; Jos 20,8; Jos 21,36 LXX; Jer 48,21 (Jer 31,28 LXX)

Belege NT

ausserbiblische Belege aus vorhellenistischer Zeit
(BIS CA. 300 v.Chr.)

Deuterokanonische Texte und Ausserbiblische Belege
ab hellenistischer Zeit

Beschreibung

Das Substantiv mîšor bzw. mîšôr wird abgeleitet von der Wurzel jšr „gerade sein“ und bedeutet „Ebene, Fläche, flaches Land“. In diesem Sinn wird es häufig im Alten Testament gebraucht, etwa um den Gegensatz zum Bergland (1Kön 20,23; Jes 40,4; Sach 4,7) oder zu einem Taleinschnitt (Jer 21,13; Jer 48,8) auszudrücken. LXX verwendet in diesen Fällen meist eine von den Adjektiven εὐθύς „gerade“ oder πεδινός „eben“ abgeleitete Form. Mitunter steht mîšor / mîšôr auch im übertragenen Sinn für eine rechte Lebensführung (Ps 26,12; Ps 27,11; Ps 143,10) oder für Gerechtigkeit (Jes 11,4; Mal 2,6; Ps 45,7; Ps 67,5). In den meisten Fällen, in denen das Substantiv mit Artikel geschrieben ist (hammîšor „die Ebene“ bzw. bammîšor / bammîšôr „in der Ebene“), ist dagegen eine topographisch fassbare Landschaft gemeint. LXX schreibt hier zumeist (ἡ) Μισωρ, trankskribiert also den hebräischen Ausdruck als Eigennamen (Dtn 3,10; Jos 13,9; Jos 13,16; Jos 13,17; Jos 13,21; Jer 48,21 [LXX Jer 31,21]). Lediglich an zwei syntaktisch schwierig zu fassenden Belegstellen zu ostjordanischen Asylstädten (Dtn 4,43; Jos 20,8) und in einem Vers, der von einer „Ebene“ spricht, die eindeutig im Westjordanland zu suchen ist (2Chr 26,10; Ebene, west), verwendet LXX eine Form von πεδινός bzw. das entsprechende Nomen τὸ πεδίον und versteht demnach hier hammîšor bzw. bammîšor / bammîšôr nicht als Eigenname. Ganz konsequent ist LXX allerdings nicht, denn in dem Jos 20,8 (... ἐν τῇ ἐρήμῳ ἐν τῷ πεδίῳ ...) verwandten Vers Jos 21,36 (... ἐν τῇ ἐρήμῳ τῇ Μισωρ ...) schreibt sie Μισωρ anstelle von τὸ πεδίον, obwohl der MT hier kein bammîšor hat (vgl. Gaß, Erasmus 2021a, 116).
Die alttestamentlichen Belege bezeichnen mit dem Toponym hammîšor das zentrale ostjordanische Hochland, also in etwa das Kernland Moabs (vgl. Jer 48,21). Im Norden wird hammîšor durch Gilead (Gilead, Landschaft) begrenzt, vgl. Dtn 3,10, wo nacheinander die Landschaftsnamen Hochebene (hammîšor), Gilead und Baschan aufgeführt sind. Auch Heschbon scheint noch zu hammîšor gerechnet zu werden (Jos 13,17). Insofern erstreckt sich hammîšor bis etwa auf die Höhe des Nordendes des Toten Meers (Salzmeer). Nach Süden zu soll hammîšor „die ganze Ebene von Medeba bis Dibon“ (Jos 13,9) umfassen und bis zum Arnontal reichen (Jos 13,16). Im Osten grenzt hammîšor an die Arabische Wüste. Die diesbzüglichen Formulierungen zum Asylort Bezer/Bozra (Bozra, Moab) sind jedoch syntaktisch schwierig (Dtn 4,43; Jos 20,8). Danach soll Bezer bammidbār bammîšor „in der Wüste in der Ebene“ (Jos 20,8) bzw. bammidbār beʾæræṣ hammîšor „in der Wüste im Land der Ebene“ (Dtn 4,43) liegen. LXX fasst in diesen Fällen hammîšor nicht als Toponym, sondern als allgemeine Landschaftsangabe auf (s.o.). Neuzeitliche Auslegungen gehen auf die kaum verständliche Wendung selten ein, lediglich punktuell wird bammîšor in Jos 20,8 als „Glosse“ interpretiert (Fritz, Volkmar 1994a, 202). Die vermeintliche Glosse ist möglicherweise damit zu erklären, dass es sich um eine literarische Kombination aus 1Chr 6,63, wo Bezer bammidbār „in der Wüste“ lokalisiert wird, und Jer 48,24 handelt, wo Bozra zu den Orten in ʿæræṣ hammîšor („Land der Ebene“; vgl. Jer 48,21) gerechnet wird. Eine andere Vermutung geht dahin dass die Glosse auf die „Tendenz zu Verdoppelungen“ in Jos 20 zurückzuführen ist, die auch in Jos 20,7 bei der Lokalisierung von Kedesch (Kedesch, Naftali) zu erkennen ist (Staszak, Martin 2006a, 322).
Lediglich in 2Chr 26,10 bezeichnet hammîšôr eine westjordanische Landschaft (Ebene, west), da von den Besitzungen des judäischen Königs Usija (Asarja) die Rede ist. Der Vers nennt hammîšôr neben der Schefela (Schefela, Juda; Schefela, Israel). Insofern ist wohl eine geographisch bestimmbare Landschaft gemeint (anders Japhet, Sara 2003a, 333), obgleich LXX hier hammîšôr nicht als Toponym versteht (s.o.). Vermutlich ist unter der westjordanischen „Ebene“ ein Teil der Küstenebene am Mittelmeer zu verstehen (Galling, Kurt 1954a, 147). Ein Bezug zum Negeb (Knauf, Ernst Axel  2019a, 391) erscheint weniger plausibel.

 

Autor: Detlef Jericke, 2022; letzte Änderung: 2022-09-22 11:31:09

 

 

 

 

Lexikonartikel

 

Literatur

Noth, Martin 1953a , 79 ;  Kellermann, Mechthild u.a. 1985aFritz, Volkmar 1994a , 143 ;  Staszak, Martin 2006a , 321f ;  Rösel, Hartmut N. 2011a , 213 ;  Otto, Eckart 2012a , 468 ;  Perlitt, Lothar 2013a , 238 ;  Finkelstein, Israel / Römer, Thomas 2016a , 713 ;  Naʾaman, Nadav 2018aKnauf, Ernst Axel 2019a , 356.391 ;