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Rehobot am Strom

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Rehobot-Nahar; Rehoboth

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

רחבות הנהר reḥobôt hannāhār; Ροωβωθ τῆς παρὰ ποταμόν. „Fläche/Gelände am Strom“

Belege AT

Gen 36,37; 1Chr 1,48

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Beschreibung

Die beiden Verse Gen 36,37 und 1Chr 1,48 sagen lediglich, dass der edomitische König Schaul aus Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar stammte. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass er dort auch regierte. Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar muss demnach nicht zwingend in Edom, d.h. im südlichen Ostjordanland oder im Negeb gesucht werden. Der Ausdruck hannāhār „der Strom“ steht häufig für den Eufrat (Gen 31,21; Ex 23,21; Num 22,5 u.ö.), insbesondere in der Wendung ‘ebær hannāhār „jenseits des Stroms“ (Jos 24,2-3 u.ö.). Eine Bezugnahme auf den Eufrat ist daher für das Toponym Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar nicht völlig auszuschließen. Darüber hinaus ist umstritten, ob Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar einen Ort oder ein Gebiet meint. Die Verbindung einer Pluralform (reḥobôt „Fläche/weiter Platz“) und einer Gattungsbezeichnung (hannāhār „der Strom“) spricht eher für einen Landschaftsnamen. Für die Vorstellung, Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar sei ein Ortsname, spricht hingegen die LXX. Sie übersetzt hebräisch reḥobôt mit Ροωβωθ, im Gegensatz zu Gen 26,22, wo reḥobôt entsprechend der Wortbedeutung mit εὐριχωρία („offener, weiter Platz“) wiedergegeben ist und wo erst Josephus in seiner Nacherzählung der alttestamentlichen Erzelterngeschichte den Eigennamen Ροωβωθ einführt (antiquitates 1,262; s. Rehobot). Das hieße, Schaul kommt aus einer Gegend im nördlichen Syrien oder im nördlichen Zweistromland, wirkt aber als Herrscher im südlichen Transjordanien. Wahrscheinlich ist eine solche Annahme nicht. Wenig Überzeugungskraft hat auch der Vorschlag, Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar bei Rās er-Riḥāb (2082.0381) im südlichen Ostjordanland zu lokalisieren (Zwickel, Wolfgang 1985a). Der Platz liegt südlich oberhalb des Wādī el-Ḥeṣā, des biblischen „Bach Sered“, der die Nordgrenze Edoms markiert (Num 21,12; Dtn 2,13–14). Die These setzt voraus, dass die Liste der edomitischen Könige Gen 36,31-39 aus dem späten 2. Jt. v.Chr. stammt und dass alle dort genannten Toponyme im edomitischen Kerngebiet liegen. Beide Annahmen sind nicht haltbar (vgl. Knauf, Ernst Axel 1987a). Auch der Versuch, die Lokalisierungsfrage von Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar textkritisch zu lösen, führt nicht weiter. Er basiert darauf, in Gen 36,31-32, analog zu 1Kön 11,14-16, „Aram“ statt „Edom“ zu lesen und somit Gen 36,31-39 als aramäische Königsliste zu interpretieren (Lemaire, André 1988a; vgl. Levin, Christoph 2009a). Damit wäre zwar eine Lokalisierung von Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar im nördlichen Syrien ermöglicht, positive Hinweise auf eine entsprechende Textänderung in Gen 36,31-32 liegen jedoch nicht vor. Sollte Gen 36,31-39 erst um die Mitte des 1. Jt. v.Chr. entstanden sein (Knauf, Ernst Axel 1985b) als das zu Edom gezählte Territorium auch weite Gebiete des Negeb umfasste (s. auch El-Paran), so könnte die Heimat des edomitischen Königs Schaul auch im südlichen Westjordanland gesucht werden, wo zumindest eine Wasserstelle mit Namen Rehobot liegen soll (Gen 26,22) und wo auch der Flurname Ruḫēbe bezeugt ist. Vorerst bleibt daher aufgrund der nicht eindeutigen Angaben der alttestamentlichen Textbelege eine genauere Lagebestimmung von Rehobot am Strom/Rehobot-Nahar offen.
[Detlef Jericke 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:58:54

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • NBL 3 (2001), 306−307 (Zwickel, Wolfgang, Art. Rehobot)
  • ABD 5 (1992), 664 (Knauf, Ernst-Axel, Art. Rehoboth)

 

Literatur

Knauf, Ernst Axel 1985bZwickel, Wolfgang 1985aKnauf, Ernst Axel 1987bLemaire, André 1988aMacDonald, Burton 2000a , 191f ;  Jericke, Detlef 2013a , 210f ;