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Meribat-Kadesch

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Meriba; Meribath-Kadesh

Lokalisierungsvorschläge

  • kein Lokalisierungsvorschlag (odb)   

Namensformen AT

מי־מריבת קדש  mê-merîbat-qādeš. ὕδωρ ἀντιλογίας Καδης, ὕδωρ Μαριμωθ Καδης. „Streitwasser von Kadesch“

Belege AT

Num 27,14; Dtn 32,51; Ez 47,19; Ez 48,28

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Beschreibung

Meribat-Kadesch wird als eine Örtlichkeit während der Wüstenwanderungszeit der Israeliten erwähnt. Dort sollen sich Mose und Aaron auf eine nicht weiter beschriebene Weise dem Willen Jhwhs widersetzt haben, weshalb sie nicht mit in das Land Kanaan kommen dürfen (Num 27,14; Dtn 32,51). Nach diesen Belegen liegt Meribat-Kadesch außerhalb Kanaans in der Wüste Zin. Demzufolge kennt das Ezechielbuch Meribat-Kadesch als Fixpunkt der Südgrenze des den Stämmen Israel zugesagten Gebiets zwischen Tamar (‘Ain el-Ḥuṣb? 1734.0242) in der Araba und dem Mittelmeer (Ez 47,19; Ez 48,28). Diese Verse lokalisieren Meribat-Kadesch im Negeb. Andere Grenzbeschreibungen nennen die Wüste Zin ebenfalls im Zusammenhang der Südgrenze Kanaans (Num 34,3‒4) bzw. Judas (Jos 15,1‒3). Zin wird dabei jeweils zwischen der Skorpionensteige, d.h. dem Aufstieg von der Araba in den Negeb, und Kadesch-Barnea (‘Ain el-Qudērāt 0946.0067 und ‘Ain Qudēs 1005.9991) genannt. Die Wüste Zin ist daher östlich des Osengebiets von Kadesch-Barnea gedacht. Meribat-Kadesch ist allerdings schwerlich als historisch-topographisch zu beschreibender Ort vorzustellen. Der Name ist augenscheinlich eine literarische Bildung. Er verbindet zwei zentrale Plätze der Wüstenwanderungserzählungen. Meriba ist der Ort des Wasserwunders (Ex 17; Num 20). Kadesch bzw. Kadesch-Barnea wird als zentraler Rastplatz während der Wüstenwanderungszeit geschildert (Num 13‒14; Num 20; Dtn 1). Die LXX-Überlieferung bestätigt die Annahme, dass es sich beim Namen Meribat-Kadesch um ein Konstrukt der literarischen Topographie handelt. Im Ezechielbuch wird der erste Namensteil als Eigenname trankribiert (Μαριμωθ). Dagegen fasst der griechische Text in Num 27,14 und Dtn 32,51 den hebräischen Ausdruck merîbāh als normales Nomen und übersetzt nach der Grundbedeutung ἀντιλογία „Rechtsstreit“. Offensichtlich war den Übersetzenden nicht mehr klar, inwieweit der zusammengestzte Namen Meribat-Kadesch als Ortsangabe zu verstehen sei. Das Toponym Meribat-Kadesch war einer der Anknüpfungspunkte für die sogenannte „Kadeschhypothese“, die von Julius Wellhausen, Eduard Meyer und Hugo Greßmann entwickelt wurde. Die These besagt, dass nahezu alle Erzählungen von der Wüstenwanderungszeit ursprünglich mit Kadesch verbunden waren. Demzufolge seien dort die am Auszug aus Ägypten beteiligten Gruppen erst zum Verband der zwölf Stämme Israels geworden. Gleichzeitig seien hier politische bzw. religiöse Institutionen entstanden, die das spätere Leben Israels im Kulturland prägten (Wellhausen, Julius, 1895a; Meyer, Eduard, 1906a; Greßmann, Hugo 1913a). Aus geschichtlicher bzw. religionsgeschichtlicher Sicht lässt sich die Kadeschhypothese nicht verteidigen, da die Zusammenstellung der Wüstenwanderungserzählungen ebenso auf literarischer Komposition beruht wie der Ortsname Meribat-Kadesch (Fritz, Volkmar 1970a; Fuhs, Hans Ferdinand, 1979a; Roskop, Angela R. 2011a, 252‒271). Allerdings deutet die Namensbildung darauf hin, dass die alttestamentlichen Autoren und Redaktoren versuchten, die divergierenden Überlieferungen zur Wüstenwanderungszeit dadurch zusammenzubinden, dass die unterschiedlichen Ortsangaben der einzelnen Erzählungen mit dem Toponym Kadesch in Verbindung gebracht wurden. Die Beobachtungen, die zur Kadeschhypothese führten, sind demnach nicht religionsgeschichtlich, sondern kompositions- bzw. redaktionsgeschichtlich auszuwerten.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:01:30

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 2 (1964), 1194 (Morawe, Günter, Art. Meriba)
  • NBL 2 (1995), 777f (Beyerle, Stefan, Art. Meriba)
  • ABD 4 (1992), 704 (Herion, Gary A., Art. Meribath-Kadesh)
  • WiBiLex 2008 (Schipper, Friedrich, Art. Kadesch-Barnea)

 

Literatur

Greßmann, Hugo 1913a , 143f.388-440 ;  Simons, Jan 1959a , 135‒137 § 311. 256 § 433. 460 § 1442 ;  Noth, Martin 1977a , 186 ;  Zimmerli, Walther 1979a , 1216f ;  Jericke, Detlef 1997a , 282f ;