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Wüste Zin

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Wilderness Zin

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

מדבר־צן midbar-ṣin. ἡ ἔρημος Σιν

Belege AT

Num 13,21; Num 20,1; Num 27,14; Num 33,36; Num 34,3f; Dtn 32,51; Jos 15,1; Jos 15,3

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Beschreibung

Die Wüste Zin gilt als Region, in der sich die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung längere Zeit aufhielten (Num 13,21). Sie wird in engem Zusammenhang mit Kadesch-Barnea (‘Ain el-Qudērāt 0946.0067 und ‘Ain Qudēs 1005.9991) am südlichen Rand des Negeb und mit Meribat-Kadesch gesehen. Allerdings war bereits zur Zeit der Abfassung der alttestamentlichen Texte die genaue Lage der Wüste Zin nicht mehr bekannt, da die Texte weitgehend offen lassen, ob Kadesch in der Wüste Zin liegt oder ob beide Toponyme identisch sind (Num 20,1; Num 27,14; Dtn 32,51). Lediglich Num 33,36 formuliert eindeutig im Sinne einer Gleichsetzung beider Ortsangaben. Eine solche Identifizierung ist historisch-topographisch jedoch schwerlich nachzuvollziehen, da Kadesch nicht als Wüstenregion, sondern als ein Oasengebiet gilt, das einen längeren Aufenthalt erlaubt (Num 13-14; Num 20; Dtn 1). Eine genaue Verhältnisbestimmung der Toponyme Wüste Zin und Kadesch wird noch dadurch erschwert, dass nach Num 13,26 Kadesch in der Wüste Paran liegen soll. Infolgedessen ergänzt LXX in Num 33,36 die Angabe „Wüste Paran“ und stellt so einen Ausgleich zu Num 13,26 her. Überlieferungsgeschichtliche Lösungsvorschläge lassen sich historisch-topographisch kaum auswerten, da nicht zuverlässig gesagt werden kann, welchen vermeintlichen – priester(schrift)lichen oder nichtpriester(schrift)lichen – Versionen der Kundschaftererzählung von Num 13-14 sich die Lokalangaben Wüste Zin, Wüste Paran und Kadesch zuordnen lassen bzw. wie die Verbindung zwischen Kadesch und der Wüste Paran in Num 13,26 literarkritisch zu beurteilen ist (vgl. Noth, Martin 1977a, 93; Jericke, Detlef 1997a, 290f; Achenbach, Reinhard 2003b). Auch die verschiedentlich geäußerte Ansicht, die Wüste Zin sei als Teilregion der Wüste Paran gedacht, ist durch den Text nicht gedeckt. Möglicherweise handelt es sich um eine Überlagerung verschiedener Traditionen, wobei analog zur LXX-Überlieferung nicht zwischen der bei Kadesch gedachten Wüste Zin und der an der Grenze zu Ägypten auf der Sinaihalbinsel (Sinai, Landschaft) zu suchenden Wüste Sin (griechisch ἡ ἔρημος Σιν wie „Wüste Zin“, vgl. Ex 16,1; Ex 17,1; Num 33,11f) unterschieden und so die Region von Kadesch in Verbindung mit der Sinaihalbinsel (Wüste Paran) gebracht wird. Verlässlichere Hinweise auf die Lage der Wüste Zin ist den Grenzbeschreibungen des von den Israeliten beanspruchten Landes zu entnehmen, wo die Region als Teil der Südgrenze und als Grenzgebiet zu Edom hin gilt (Num 34,3; Jos 15,1). Die Wüste Zin sollte daher nicht auf der Sinaihalbinsel gesucht werden, sondern weiter nördlich im Negeb, da die im Alten Testament als Edom bezeichnete Region ab dem 7./6. Jh. v. Chr. über die Araba hinaus in den Negeb reichte. Bei der Aufzählung der Grenzpunkte steht zweimal „Zin“ ohne das Appellativum „Wüste“ (Num 34,4; Jos 15,3). Deshalb nehmen manche Ausleger an, Zin sei ursprünglich ein Ortsname gewesen, der nachträglich auf die umgebende Wüstenregion übertragen wurde (Keel, Othmar /Küchler, Max 1982a, , 334f ; Fritz, Volkmar 1994a, 159; Vos, Jacobus Cornelis de 2003a, 315f). Der Vergleich der Toponyme „Paran“ und „Wüste Paran“ zeigt jedoch, dass in diesem Fall die Ortsbezeichnung sekundär sein dürfte. Analog ist auch Zin als Abbreviatur des in den jeweiligen Textzusammenhängen unmittelbar zuvor erwähnten Toponyms „Wüste Zin“ zu verstehen (Num 34,3; Jos 15,1). Die Aufzählung der Grenzpunkte nennt Zin zwischen der Skorpionensteige, d.h. dem Aufstieg von der Araba in den Negeb (Naqb eṣ-ṢafāŒ 160–170.025–035), und Kadesch. Will man nicht ganz auf eine nähere Lokalisierung der Wüste Zin in dem weitläufigen wüstenartigen Gebiet zwischen der Skorpionensteige und Kadesch verzichten, so ließe sich allenfalls an eine Gleichsetzung mit dem tief eingeschnittenen Talsystem des Wādī Ramān östlich des Oasengebietes von ‘Ain el-Qudērāt und ‘Ain el-Qudērāt denken (Bieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991a; vgl. auch Aharoni, Yohanan 1984a, 71 Karte 4. 201 Karte 13). Am nördlichen und westlichen Rand des Wādī Ramān liegen einige kleine eisenzeitliche Siedlungen, die den südöstlichen Rand der Besiedlung im Negeb markieren (vgl. Kellermann, Diether u.a. 1992a). Dieser Befund könnte die Einbeziehung der Wüste Zin in die Beschreibung der Südgrenze des Landes erklären. Allerdings entsteht auf diese Weise der Eindruck, dass mit „Edom“ in Num 34,3 und Jos 15,1 in der Hauptsache das edomitische Kerngebiet im südlichen Ostjordanland gemeint ist. Eine solchermaßen die judäischen Anteile am Negeb einseitig betonende Beschreibung der Südgrenze Judas entpricht jedoch der Konzeption der Grenzbeschreibungen im Numeri- und im Josuabuch.
[Detlef Jericke, 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 18:55:33

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 6, 1095f (Seely, David R., Art. Zin, Wilderness)

 

Literatur

Guthe, Herrmann 1885a , 214f ;  Schmidt, Nathaniel 1910a , 65f ;  Abel, Félix-Marie 1933a , 434 ;  Abel, Félix-Marie 1938a , 47 ;  Noth, Martin 1956a , 87 ;  Simons, Jan 1959a , 21‒23 § 61. 256f § 433 ;  Noth, Martin 1977a , 93 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 334f ;  Aharoni, Yohanan 1984a , 70f.200‒204 ;  Bieberstein, Klaus / Mittmann, Siegfried 1991aFritz, Volkmar 1994a , 159 ;  Jericke, Detlef 1997a , 107f.290f ;  Vos, Jacobus Cornelis de 2003a , 315f ;