Universität Heidelberg | Theologische Fakultät Trier
Ortsangaben der Bibel (odb)
orte Ortsnamen Literatur Karte      

zurück zur Übersicht

 

Ham

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

הם hām. ἅμα ἀυτοίς

Belege AT

Gen 14,5

Belege aus altorientalischen Dokumenten

hm ? (ägyptisch: Hannig, Rainer 2006a, 1165)

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

‘mn (1QGenAp 21,29: Beyer, Klaus 1984a, 181; García Martínez, Florentino / Tigchelaar, Eibert J.C. 1997a, 46; Ziemer, Benjamin 2005a, 50; Machiela, Daniel A. 2009a, 80)
hmt’ (Targume: Díez Macho, Alejandro 1988a, 110)

Beschreibung

Das Toponym Ham (Gen 14,5) ist sprachlich und sachlich vom Personennamen Ham, dem Namen des zweiten Sohns Noachs (hebräisch ḥām; Gen 5,32; Gen 6,10; Gen 7,13; Gen 9,18; Gen 9,22; Gen 10,1; 1Chr 1,4) zu unterscheiden. Als Ortsname ist Ham lediglich einmal im Alten Testament genannt. Die in Richtung auf die Pentapolis um Sodom und Gomorra vorrückenden vier mesopotamischen Großkönige kämpfen zunächst gegen vier sagenhafte Völker im Ostjordanland, gegen die Rafaïter in Aschterot-Karnajim, gegen die Susiter in Ham, gegen die Emiter bei Kirjatajim und schließlich gegen die Horiter im Bergland von Seïr (Gen 14,5–6). Da in der Aufzählung eine Abfolge von Nord nach Süd zu erkennen ist, sollte Ham im nördlichen Ostjordanland zwischen Baschan (Aschterot-Karnajim/Tell ‘Aštara 2455.2460) und Moab (Kirjatajim/Ḫirbet el-Qurēye 2161.1243) liegen. Daher ist die mitunter für Num 32,41 vorgeschlagene Textänderung von ḥawwotêhæm „ihre Dörfer“ in ḥawwot hām „Dörfer Hams“ zumindest von der gedachten Lage her nicht ausgeschlossen (Simons, Jan 1959a, 123f.214 §§ 302.356; ABD 3 [1992], 32). „Dörfer Hams“ wäre dann der alte Name der von Jaïr eingenommenen und in „Dörfer Jaïrs“ (Hawot-Jaïr) umbenannten Orte, die im nördlichen Ostjordanland, entweder in Baschan (Dtn 3,14; Jos 13,30) oder in Gilead (Ri 10,4; Gilead, Landschaft), liegen sollen. Aus textkritischer Sicht ist die Änderung in Num 32,41 jedoch nicht zwingend. Somit fällt der Vers als zweiter Beleg für Ham aus. Fraglich ist auch, ob ein am Schluss der Liste Pharao Thutmoses III. genannter Ort hm (Nr. 118: Noth, Martin 1971b, 66; Aharoni, Yohanan 1984a, 167) mit dem Ham von Gen 14 in Zusammenhang zu bringen ist, da aus der Liste nicht zu entnehmen ist, ob dieses hm im Ostjordanland zu suchen ist. Die Lage des alttestamentlichen Ham war schon älteren Textzeugen nicht mehr geläufig. LXX folgt in Gen 14,5 nicht dem masoretischen Text (behām „in Ham“), sondern liest behæm „mit ihnen“ und schreibt ἅμα ἀυτοίς „mit/unter ihnen“. Konsequenterweise transkribiert LXX auch den Völkernamen „Susiter“ nicht, sondern übersetzt stattdessen ἔθνη ἰσχυρά „mächtige Völker“. Das Genesis-Apokryphon hat ‘mn für Ham (1QGenAp 21,29). Wenn die Konsonantenfolge als „Ammon“ zu lesen ist, könnte an eine Interpretation im Sinne von Dtn 20,20 gedacht werden. Der Vers sagt, dass die Ammoniter die alten Landesbewohner ihrer Region Samsummiter nennen. 1QGenAp hätte somit die Susiter von Gen 14,5 mit den Samsummitern von Dtn 20,20 gleichgesetzt und folglich den Ort der Auseinandersetzung zwischen den Großkönigen und den Susitern in die von den Samsummitern bewohnte Landschaft Ammon verlegt (Ziemer, Benjamin 2005a, 109f). Targum Jonatan und Targum Onqelos schreiben hmt’ für Ham. Sie bringen den Ort demnach mit den heißen Quellen von Hammat-Gader (griech. Εμματα; Eusebius, Onomastikon 22,26: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 24; heute el-Ḥamme 2125.2321, vgl. Schmitt, Götz 1995a, 180) im unteren Jarmuktal in Verbindung. Auch diese Lokalisierung würde der aus Gen 14,5–6 erschlossenen relativen Lage von Ham entsprechen. Allerdings wurden in el-Ḥamme bislang keine vorrömischen Reste entdeckt. Trotz der sachlichen und philologischen Schwierigkeiten wird für die Lokalisierung von Ham häufig der Siedlungshügel beim heutigen Ort Ḥām vorgeschlagen, der etwa 5,5 km südwestlich von Irbid im nördlichen Ostjordanland am Rande des ‘Aǧlūn liegt. Vorläufige Oberflächenuntersuchungen weisen auf eine Besiedlung in der Frühbronzezeit (3. Jt. v.Chr.), der Eisenzeit (12.−6. Jh. v.Chr.) und der römischen Zeit (Glueck, Nelson 1951a, 165f; Zwickel, Wolfgang 1990a, 310). Der eisenzeitliche Befund sollte jedoch nicht als signifikant für die Lokalisierung angesehen werden, da Gen 14 vermutlich erst in der zweiten Hälfte des 1. Jt. v.Chr. entstand, also in einer Zeit, für die bislang kein archäologischer Befund aus Ḥām vorliegt.

[Detlef Jericke 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:06:56

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 3 (1992), 32 (Astour, Michael C., Art. Ham)
  • LThK3 4 (1995), 1163 (Haag, Ernst, Art. Ham, Hamiten)
  • EBR 11 (2015), 80 (Olson, Dennis T., Art. Ham [Place])

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1938a , 36.341 ;  Glueck, Nelson 1951a , 165f ;  Simons, Jan 1959a , 123f.214 §§ 302.356 ;  Schatz, Werner 1972a , 170 ;  Knauf, Ernst Axel / Lenzen, C. J. 1987aZwickel, Wolfgang 1990a , 310 ;  Ziemer, Benjamin 2005a , 109f ;  Jericke, Detlef 2013a , 122f ;