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Ortsangaben der Bibel (odb)
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Jordanau

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Jordangegend; Jordankreis; Gegend; Kikkar; Kreis

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

הככר ,ככר הירדן  kikkār hajjarden, hakkikkār. περιχωρος του ’Ιορδανου. „Jordankreis“, „der Kreis“

Belege AT

Gen 13,10−12; Gen 19,25; Gen 19,28−29; Dtn 34,3; 2Sam 18,23; 1Kön 7,46; 2Chr 4,17

Belege aus altorientalischen Dokumenten

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

περιχωρος του Ἰορδανου (Mt 3,5)

Beschreibung

Die „Jordanau“ bzw. die „Jordangegend“, wörtlicher der „Jordankreis“, ist nicht eindeutig zu lokalisieren. Die Verbindung der Ortsangabe mit den Toponymen Sodom und Gomorra (Gen 13,10) scheint eine Lage südlich des Toten Meers (Salzmeer) anzudeuten. Der Erzählzusammenhang in Gen 13 weist allerdings auf die Region unmittelbar nördlich des Toten Meers, da sich Abraham und Lot in der Gegend von Bet-El und Ai befinden (Gen 13,3), Lot von dort nach Osten in die „Jordangegend“ schaut und anschließend dorthin aufbricht. In das Gebiet nördlich des Toten Meers weisen auch 1Kön 7,46 und 2Chr 4,17 sowie Mt 3,5. 1Kön 7,46 und die Parallele in 2Chr 4,17 erzählen, dass Gefäße für den Jerusalemer Tempel „in der Jordangegend“ zwischen Sukkot (Sukkot, Jordantal) und Zaretan angefertigt werden. Sukkot (Tell Dēr ‘Allā ? 2088.1783; vgl.) und Zaretan (Tell Umm Ḥamād ? 2053.1724) liegen im mittleren Jordantal, nördlich der Einmündung des Wādī Fār‘ā in den Jordan. Mt 3,5 erwähnt neben Menschen aus Jerusalem und Judäa solche aus der „Jordangegend“, die zu Johannes kommen, um sich im Jordan taufen zu lassen (Mt 3,6). Daher ist auch an dieser Stelle eine Lokalisierung der Jordangegend nördlich des Toten Meers die wahrscheinlichste Annahme. Auch der einfache Ausdruck „der Kreis“ hakkikkār, der an allen übrigen Belegstellen genannt ist, lässt sich nicht eindeutig festlegen. In die Region nördlich des Toten Meers weist 2Sam 18−19. Ahimaaz läuft nach der auf dem Gebirge Efraim gegen Abschalom geschlagenen Schlacht zu David nach Mahanajim (Tulūl ed-Dahab 214.177) auf dem „Weg durch den Kreis“ dæræk hakkikkār. Davids Rückführung nach Jerusalem erfolgt dann über die Jordanfurt bei Gilgal (2Sam 19). Das Toponym hakkikkār meint hier demnach ein Gebiet zwischen Mahanajim ca. 50 km nördlich des Toten Meers und Gilgal bei Jericho. Die Szenerie der Zerstörung des „Kreises“ bzw. der „Städte des Kreises“ in Gen 19 ist dagegen im Süden des Toten Meers gedacht. Dtn 34,3 versieht den Ausdruck hakkikkār zwar mit der Apposition „Ebene von Jericho“ biq‘at jereḥō, alle weiteren in dem Vers genannten Toponyme (Negeb, Palmenstadt, Zoar) liegen jedoch südlich des Toten Meers. Möglicherweise wurde der Text an dieser Stelle durch Glossen erweitert, so dass keine Hinweise auf die Lage des „Kreises“ mehr zu entnehmen sind. Der Gesamtbefund zu den Ortsangaben „Jordangegend/Jordankreis“ und „Gegend/Kreis“ ist am sinnvollsten so zu interpretieren, dass „Jordangegend“ das mittlere und untere Jordantal zwischen Mahanajim und Jericho meint, der Ausdruck „Gegend/Kreis“ dagegen den gesamten Jordangraben bezeichnet, also sowohl das Jordantal nördlich des Toten Meers als auch die Fortsetzung des Grabens südlich des Toten Meers.
[Detlef Jericke 2016]

 

Autor: Detlef Jericke; letzte Änderung: 2019-05-11 19:05:02

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • ABD 3 (1992), 953–958 (Thompson, Henry O., Art. Jordan, River)

 

Literatur

Abel, Félix-Marie 1933a , 424f ;  Simons, Jan 1959a , 223−225 §§ 406f ;  Mittmann, Siegfried 1977a , 225−227 ;  Keel, Othmar / Küchler, Max 1982a , 265 ;  Weippert, Helga 1988a , Register ;  Kellermann, Diether u.a. 1992aJericke, Detlef 2003a , 245f ;  Jericke, Detlef 2013a , 106f ;