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Geschur

 

 

 

 

 

 

Weitere Namen

Geshur; Geschuriter

Lokalisierungsvorschläge

Namensformen AT

גשור gešûr. Γεδσουρ, Γεσιρο

Belege AT

2Sam 3,3; 2Sam 13,37-38; 2Sam 14,23; 2Sam 14,32; 2Sam 15,8; 1Chr 3,2 
gentilitia: Dtn 3,14; Jos 12,5; Jos 13,2; Jos 13,11; Jos 13,13; 1Sam 27,8
 

Belege aus altorientalischen Dokumenten

*garu (akkadisch: Belmonte Marín, Juan Antonio 2001a, 78) ?

Belege aus nachalttestamentlicher Zeit

Γεσουρειμ (Eusebius, Onomastikon 68,8–10: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 66, Nr. 318; Timm, Stefan 2017a, 82, Nr. 318)
Γεσσουρ, Γαζερ (Eusebius, Onomastikon 72,16: Notley, R. Steven / Safrai, Ze’ev 2005a, 71, Nr. 347; Timm, Stefan 2017a, 87, Nr. 347)

Beschreibung

Geschur bzw. das „Gebiet der Geschuriter“ soll in Aram liegen (2Sam 15,8) und an die im nördlichen Ostjordanland zu beiden Seiten des Yarmūk-Tals gelegenen Landschaften Argob bzw. Baschan und an Gilead (Gilead, Landschaft) grenzen (Dtn 3,14; Jos 12,5; Jos 13,11). Häufig wird Geschur zusammen mit Maacha bzw. dem „Gebiet der Maachatiter“ genannt. Geschur und Maacha gelten neben dem Territorium der Philister (Philisterland) als bei der Landnahme nicht eingenommene Regionen (Jos 13,2; Jos 13,13), ohne dass daraus eine unmittelbare Nachbarschaft zum Philistergebiet zu erschließen ist. Die Verbindung von Geschur und Maacha wird auch in der Weise erzählerisch ausgestaltet, dass David die Maacha, Tochter des Königs von Geschur, zur Frau nimmt (2Sam 3,3; 1Chr 3,2). Abschalom, der Sohn von David und Maacha, flieht nach der Ermordung Amnons nach Geschur (2Sam 13,37-38; 2Sam 14,23; 2Sam 14,32; 2Sam 15,8), kehrt nach dreijährigem Aufenthalt nach Jerusalem zurück und initiiert von Hebron aus einen Aufstand gegen David. 1Sam 27,8 erzählt, David habe Raubzüge gegen die Geschuriter, die Gisriter und die Amalekiter unternommen, die dort wohnen „wo man nach Schur ins Land Ägypten geht“. Aus dieser Belegstelle und aus der syntaktisch schwierigen Formulierung in 2Sam 15,7-8 wird mitunter erschlossen, dass Geschur im Süden Palästinas, im Negeb lag (Edelman, Diana 1988b; Fischer, Alexander Achilles 2004a, 133–139). 1Sam 27,8 meint jedoch vermutlich, dass David bereits in seiner Frühzeit ein Territorium kontrollierte, das weitgehend demjenigen entsprach, das er nach seiner Wahl zum König von Juda und Israel beherrschte und das vom Norden (Geschur) über das Zentrum (Geser) bis in den Süden (Amalek) Palästinas reichte. Der Hinweis auf das Grenzgebiet zu Ägypten in der zweiten Vershälfte bezieht sich nur auf die Amalekiter (Amalekiter, Gebiet der). Der Text von 2Sam 15,7-8 ist eher so zu verstehen, dass Abschalom „in Hebron“ das Gelübde erfüllen will, das er „in Geschur in Aram“ ablegte. Von daher erscheint die Annahme, Geschur müsse bei Hebron liegen (Fischer, Alexander Achilles 2004a, 133–139), nicht gerechtfertigt. Meist wird Geschur als aramäisches Kleinkönigtum des ausgehenden 2. und frühen 1. Jts. v.Chr. angesehen und östlich des Sees Gennesaret (Kinneret, See) im südlichen Ǧōlān lokalisiert. Ein möglicher Zentralort von Geschur könnte der am Ostufer des Sees gelegene Siedlungsplatz Šēḫ Ḫiḍr/Tẹl Hadar (2112.2507; 32.8503052 N, 35.6503685 E) gewesen sein. Er war von der Spätbronzezeit bis zur Eisenzeit II besiedelt. Aus der Eisenzeit I (11./10. Jh.) sind Befestigungsanlagen und größere Gebäude nachgewiesen. Etwas weiter südlich liegt im Gelände des Kibbuz ʿẸn Gẹv die Ḫirbet el-ʿĀšeq (2102.2435; 32.7854230 N, 35.6393701 E). Auch hier wurde eine befestigte Siedlung der Eisenzeit II ergraben. Oberflächenfunde weisen darüber hinaus auf eine Nutzung in persischer Zeit. Im Bereich des südlichen Ǧōlān sollte auch das im Amarnabrief 256 erwähnte Land garu zu suchen sein (EA 256, 23), da in demselben Brief auch aštartu (Aschtarot/Tell ʿAštara 2455.2460; 32.8060893 N, 36.0163780 E) und piilu (Pella/abaqāt Fal 2078.2064; 32.4509804 N, 35.6122335 E) genannt sind. Allerdings ist die Gleichsetzung der Toponyme garu und Geschur nicht gesichert, zumal die postulierte Lesart ga-šu-ri für ga-ri nicht belegt ist. Eine philologisch mögliche Gleichsetzung von garu mit Gerar im nordwestlichen Negeb (Alt, Albrecht 1932a) oder mit einer Region im südlichen judäischen Bergland (Noth, Martin 1935c) ist topographisch nicht gerechtfertigt, da sie zu weit von dem in EA 256 umrissenen geographischen Raum wegführt. Unabhängig von der Frage einer Gleichsetzung sind daher sowohl Geschur als auch garu in der Region um den See Gennesaret (Kinneret, See) zu suchen. Dabei könnte Geschur neben der Landschaft östlich des Sees auch Gebiete nördlich desselben umfasst haben, wo sich die Territorien der in der späten Eisenzeit I bzw. der frühen Eisenzeit II stark befestigten Stadtanlagen von Kinneret (Kinneret, Ort; Tell el-ʿOrēme 2000.2520) und et-Tell (2094.2574) befanden (Schipper, Friedrich 2002a; Dietrich, Walter / Münger, Stefan 2003a; Arav, Rami 2003a; Arav, Rami 2013a).  
 

 

Autor: Detlef Jericke, 2019; letzte Änderung: 2019-10-03 17:20:12

 

 

 

 

Lexikonartikel

  • BHH 1 (1962), 562 (Rüger, Hans Peter, Art. Geschur)
  • NBL 1 (1991), 823 (Görg, Manfred, Art. Geschur)
  • ABD 2 (1992), 996 (Maʿoz, Zvi U., Art. Geshur); 2 (1992), 996f (Petter, Gerald J., Art. Geshurites)
  • EBR 10 (2015), 138f (Bouzard, Walter C., Art. Geshur); 10 (2015), 139 (Anthonioz, Stéphanie, Art. Geshurites); 10 (2015), 1063-1064 (Zukerman, Alexander, Art. Hadar, Tel [Place]);

 

Literatur

Alt, Albrecht 1932aNoth, Martin 1935cAlbright, William Foxwell 1943a , 14 ;  Simons, Jan 1959a , 5–8 § 19 ;  Mazar, Benjamin 1961aAlt, Albrecht 1968a , 396–409 ;  Noth, Martin 1971a , 197–204 ;  Mazar, Benjamin 1986a , 113–125 ;  Edelman, Diana 1988bKochavi, Moshe 1989bZwickel, Wolfgang 1990a , 333–337 ;  Weinfeld, Moshe 1991a , 185 ;  Schroer, Silvia 1992a , 134 ;  Kochavi, Moshe 1993aKochavi, Moshe 1993bArav, Rami / Rousseau, J. 1993aStoebe, Hans Joachim 1994a , 331 ;  Kochavi, Moshe 1994aArav, Rami 1995aKochavi, Moshe 1996aJericke, Detlef 1997a , 211 ;  Finkelstein, Israel 1999aHaettner Blomquist, Tina 1999a , 50 ;  Lipiński, Edward 2000a , 336 ;  MacDonald, Burton 2000a , 153f Anm. 7 ;  Knauf, Ernst Axel 2000a , 228f ;  Schipper, Friedrich 2002aDietrich, Walter / Münger, Stefan 2003aArav, Rami 2003aFischer, Alexander Achilles 2004a , 133–139 ;  Veijola, Timo 2004a , 82 ;  Arav, Rami 2013aDozeman, Thomas B. 2015a , 487 ;  Sergi, Omer / Kleiman, Assaf 2018a